Lange nichts gehört…

…und das aus gutem Grund. Mein Studium steht einfach an erster Stelle und aus diversen monetären Gründen werde ich im Jahr 2010 nicht arbeiten können, weil ich mich sonst selber bei der Krankenkasse versichern müsste, was sich – wenn man das mal aufs Jahr hochrechnet – bei meinem Verdienst einfach nicht lohnt. Das heißt, dass es 2010 ebenfalls so gut wie keine Geschichten geben wird.

Dazu kommt noch, dass wir mittlerweile alles einmal durchhaben, was man so als gemeiner Sankafahrer erlebt. Eine Rea war mittlerweile auch dabei. Z. n. Ertrinken mit der Wasserwacht bei tiefster Nacht gefunden und unter laufender Rea an den NAW übergeben. Wie die Medien später mitteilten leider „umsonst“.

Ich lasse das Blog trotzdem weiterhin online, da immer noch täglich 100 Besucher herkommen und der ein oder andere vielleicht doch einen Tipp für seine Zivizeit finden kann.

Ich wünsche Euch ein frohes Fest und einen guten Rutsch!

Dezember 12, 2009 at 1:21 am 3 Kommentare

Wochenend-KTW: Reiner Wahnsinn

Vor einiger Zeit war ich mal wieder auf dem KTW am Wochenende unterwegs. Als ich um 7 Uhr den Dienst antrat, wusste ich natürlich noch nicht, was mich erwarten sollte. Aber mal der Reihe nach…

30 Minuten nach Dienstbeginn wurden wir zum ersten Transport gerufen. Nach einem gezogenen Katheter sollte es zurück ins Altenheim nach *15kmentfernt* gehen. Freundlicher Herr und problemloser Ablauf. Noch während wir wieder am Einladen der Trage waren ging der Piepser, was eigentlich nur „Notfall“ bedeuten konnte. Die Durchsage bestätigte dann meine Auffassung und es ging für uns 400m entfernt zu einem Notarzteinsatz. „Unklar intern“ war die Meldung. Ankunft am Zielort nach 35 Sekunden. Der Patient lag im Bett und klagte über einen Drehschwindel. Der Blutdruck war mit 140 eigentlich im grünen Bereich und der Zucker von 130 gab uns auch keine weitere Hilfe. Einen Herzschrittmacher hätte er seit 2 Jahren, mit dem er aber bis heute keinerlei Probleme gehabt hätte. Die zunehmende Übelkeit brachte mich dann dazu, einen Eimer bei der Ehefrau zu „ordern“. Der wurde aber nicht gebraucht. Der Notarzt bekam dann von uns eine kurze Übergabe und entschied sich letztendlich für einen Transport in ein Krankenhaus. Auf einen Zugang, sowie die Gabe von Medikamenten wurde vorerst verzichtet. Nach dem Einladen fragte die Leitstelle auch schon nach, ob der NA abkömmlich wäre, da er einen Herzkinfarkt in der Nähe hätte. So kam es also, dass wir ohne NA notfallmäßig zu unserem Ziel fuhren. Auch hier verlief alles problemlos.

Mittlerweile war es später Vormittag und wir legten eine kurze Pause beim Bäcker unseres Vertrauens ein, bevor wir die Anweisung zum Einrücken erhielten. Lang dauerte es jedoch nicht, bis der Piepser uns wieder jeglicher Träume von einem gemütlichen Tag auf dem Sofa zunichte machte. Notfalleinsatz „Verdacht Herzinfarkt“. Die Sache war nach 5 Minuten Anfahrt dann auch wieder erledigt, da der Einsatz „abbestellt“ wurde. Uns hungerte mittlerweile wieder und so fuhren wir ins nächstgelegene KH zum Mittag machen.

Direkt nachdem wir uns freigemeldet hatten, kam es zu einer weiteren „Blaulichfahrt“. „Gestürzter Inlineskater“. Nach kurzer Suche entdeckten wir dann auf den menschenleeren Straßen eines Industriegebietes unseren Patienten, der einen Arm „auffällig“ mit dem anderen stützte. Schon beim Aussteigen sah man auch den Grund. Eine astreine Fraktur des Schlüsselbeins. Wir stabilisierten den Bruch mittels zwei Dreieckstüchern und deckten weitere Wunden steril ab. Schlimmeres wurde hier durch eine umfangreiche Schutzausrüstung verhindert.

Wir berieten uns kurz und entschieden dann – in Rücksprache mit dem Patienten natürlich – es erst einmal ohne NA zu versuchen und schonend in Richtung Notaufnahme zu tuckern. „Einmal männlich, chirurgisch Verdacht auf Schlüsselbeinfraktur nach *Krankenhaus*“ – „Verstanden“. Nur wenige Meter waren gefahren, als die Leitstelle uns erneut rief. Der NAW wäre gerade frei in *1km entfernt* und wir würden uns direkt begegnen. „Sprechen`s den NAW an und machen`s an Treffpunkt für`s Rendevouz aus“. „*HiOrg Musterhausen* 70/1 von *HiOrg Musterhausen 72/2*“ – „Hört Sie!“ – „Treffpunkt Musterstraße in der Busbucht“ – „Verstanden“. Zwei Minuten später gab es dann ein wenig Dipidolor nebst MCP, was uns dann auch die Möglichkeit gab den Bruch mittels Sam-Splint zu schienen und so noch ruhiger zu stellen. Schlüsselbein ist so und so problematisch in meinen Augen, weil es ja faktisch bei jedem Atemzug in Bewegung ist. Eine Analgesie war in diesem Fall die beste Alternative. Der weitere Transport wurde vom NA begleitet. Keine weiteren Komplikationen.

Nach einem kurzen Gastspiel auf der Wache nebst nem Käffchen war es dann mal wieder soweit. „Notfalleinsatz: Sturz aus Rollstuhl – eventuell auch nur eine Hilfeleistung“. Als Adresse wurde uns die eines Altenheims genannt, welches wir dann auch vom EG bis zum 3. OG nach unserem Patienten durchforsteten. Niemand wusste etwas von der betreffenden Person. Die Leitstelle hatte auch keine weiteren Informationen, wies es jedoch darauf hin, dass der Einsatz über die KV gekommen wäre, was bei meinem Kollegen und mir für ein kurzes Augenverdrehen sorgte. Leider ist die KV für „komische Ortsangaben“ und weitere Ungenauigkeiten in unseren Breitengraden bekannt. 15 Minuten später waren wir dann aber doch – 2 Häuser weiter – beim Patienten angekommen, der uns am Boden liegend „erwartete“. Ein gründlicher Check von RR, Zucker und Puls, sowie einem Bodycheck ließ keinerlei Ungereimtheiten aufkommen. Das Knie tat ihm weh. Nach genauerer Betrachtung sah das für uns eindeutig nach einer Prellung aus. Da aber sowohl der Patient, als auch die Ehefrau überfordert schienen, was ja nichts Verwerfliches ist, rief ich noch einmal bei der KV an und bat die Dame am Telefon darum, doch einmal im Laufe des Tages einen Doc vorbezuschicken, der einen Blick auf das Knie werfen soll. So geschah es dann auch und wir meldeten uns frei. „Übergabe KV für uns eine 9 (=Leerfahrt)“.

Doch der Tag war immer noch nicht vorbei uns wieder einmal durfte der KTW zum Notfall ran. „Sturz im Altenheim“. Die Dame saß im Speisesaal in ihrem Rollstuhl und klagte über Schmerzen im Bereich des Oberschenkelhalses, sowie am Ellbogen. Ein Blick auf den Ellbogen, den das Pflegepersonal nicht in Augenschein genommen hatte, offenbarte dann eine leicht blutenden Wunde. Das hätte auch ein Pfleger versorgen können, aber naja… kein weitere Kommentar. Da eine Bewegung des Beines schmerzfrei überhaupt nicht möglich war und der Verdacht auf eine OS-Halsfraktur bestand, durfte mal wieder der Druide ran. Dipidolor und MCP waren auch hier die Mittel der Wahl. Transport in der Vakuummatratze ohne Probleme.

Nun waren es nur noch 25 Minuten bis Feierabend und bei uns schwanden langsam die Kräfte, aber es half alles nichts. „*HiOrg Musterhausen* 72/2 mit Standort“ – „BLablastraße“ – „Wunderbar… um`s Eck in die *HighSocietyAllee* Höhe Hausnummer 1337 – Sturz – vermutlich stocknüchtern…“. Nach kurzer Fahrt sahen wir dann auch das ganze Übel. Patientin lag auf der Straße, das gesamte Gesicht blutverschmiert und mit einigen Platzwunden überzogen. Die Nase wies einen „komischen Knick“ auf und die Pupillen reagierten nicht seitengleich. Natürlich war der Patient „stocknüchtern“ noch dazu…

Wir gingen Schritt für Schritt vor und schafften uns erst einmal einen Überblick über das Verletzungsmuster. Wir reinigten das Gesicht notdürftig und versorgten die Platzwunden. Für uns war es schwierig zu beurteilen, ob der Patient jetzt einfach nur besoffen war oder ob er vielleicht doch ne kleine Commotio hatte. Das wäre ja eventuell noch zu handlen gewesen, aber als er „einfach nur nach Hause“ wollte und einen Transport ins KH ablehnte, wurde es dann doch Zeit für den NA. „Leitstelle von 72/2 – Einmal Notarzt Verdacht Commotio, Verdacht Nasenbeinfraktur und multiple Platzwunden sowie Ablehnung des Transportes ins Krankenhaus noch keine Polizei erforderlich“. Der NAW kam dann auch wenige Minuten später und nachdem sich der Notarzt noch bespucken lassen durfte und die Stifneck-Intoleranz des Patienten überwunden worden war konnten wir dann doch – in Begleitung des Druiden – die Fahrt antreten und den Patienten in der nächsten Notaufnahme übergeben. 45 Minuten nach Dienstschluss durften wir dann endlich die „6″ drücken und ließen den Rettungsdienst, Rettungsdienst sein…

September 20, 2009 at 8:01 pm 5 Kommentare

Vereinsamen…

Ich hatte mal einen ekelhaften und gleichzeitig traurigen Einsatz zugleich. Wir wurden alarmiert zum Krankentransport. „Schlechter A(llgemein)Z(ustand)“. Dort angekommen erwartete uns ein altes, total heruntergekommenes Bauernhaus. Beim Betreten hob es mich zum ersten Mal. Geschätzte 25 Müllsäcke der letzten Wochen und Monate  lagen da herum und warteten auf Entsorgung. Spinnweben über Spinnweben und insgeheim war ich schon auf Ratten eingestellt, die wir dann aber nicht zu Gesicht bekamen.

Im ersten Stock erwarteten uns eine zersplitterte Wohnungstür und weitere Müllberge im Hausgang. An der Tür des Nachbarn steckten um die 15 Briefe und Postkarten. Wir betreten also das Zimmerchen in dem die alte Dame liegt. Der Enkel macht sie gerade abfahrbereit das Bett ist voller Kot und Erbrochenem, das teilweise schon eingetrocknet ist. Die Frau hat langes graues Haar und tiefe Falten im Gesicht. Die Einweisung des Hausarztes liegt, zusammen mit einem Medikamentenplan auf dem Küchentisch. „Pat. hat schwere Gastroenteritis, liegt in Erbrochenem und in Kot; Z.n. Apo; Z.n. nach Re-Apo; ….“. Der Enkel übernimmt seit Jahren die „Pflege“, wenn man das so nennen mag.

Mir persönlich tat die Patientin nur noch leid. Völlig immobil liegt sie wahrscheinlich Jahr und Tag in ihrem Bett, bekommt morgens und abends Besuch vom Enkel und ansonsten wartet sie eigentlich nur aufs Sterben… sowas betrübt mich.

September 7, 2009 at 6:11 pm 2 Kommentare

Blaulicht-Umfrage

Hier bin ich – ausgelöst durch einen Kommentar auf meinem Blog – auf eine Umfrage zum Thema Blaulicht-Blogs gestoßen, die ich hiermit beantworten möchte.

0. Wo kann man Deinen Blog finden?

Bei Google, wenn man Zivi und Rettungsdienst auf einmal eingibt, ziemlich weit oben ;-)

1. Seit wann betreibst Du Deinen Blog?

Seit Beginn meines Zivis und mittlerweile schon lang darüber hinaus. Ein Blick in das Archiv dieser Seite lohnt sich.
2. Wie bist Du auf die Idee mit dem Blog gekommen?

Ich habe per Google damals nach einem Blog über den Rettungsdienst gesucht und wurde nicht wirklich fündig, also hab ichs halt selber gemacht. Die Besucherzahlen haben bestätigt, dass die „Nachfrage“ da war.
3. Betreibst Du Deinen Blog anonym oder stehst Du zu Deiner Identität?  Wenn anonym, wieso?

Der rettungsdienstliche Bereich ist ein sehr sensibler.  Auch wenn ich  mir wirklich Mühe gebe zu verfremden, könnte man eventuell einen Bezug zu einem Fall, den man selbst mitbekommen hat, herstellen, würde ich den Ort, in dem ich tätig bin, nennen. Das möchte ich vermeiden. Ebenso weiß man ja nie, wie der Personaler beim nächsten Arbeitgeber so drauf ist und darum vermeide ich es generell (nicht nur auf diesem Blog) meinen Namen im Internet publik zu machen.

4. Weiss Deine Organisation / Dein Arbeitgeber vom Blog?

Ein paar ausgesuchte Kollegen und Ex-Mitzivis ja. Die Chefes nich :) Wobei sie, meiner Meinung nach, nichts daran auszusetzen hätten.
5. Wie realisierst Du die Anonymisierung von Patientendaten u.ä.?

Das verrate ich hier jetzt nicht, sonst könnte man die „Verschlüsselung“ ja wieder rückgängig machen :) Die wohl größte Anonymisierung, soviel sei verraten, erreiche ich durch  eine zeitlich ziemlich große Verzögerung zwischen dem tatsächlichen Geschehen und der Veröffentlichung hier. Außerdem ist alles, was ich hier schreibe, sowieso rein fiktiv und hat keinerlei Bezug zur Realität. Siehe Impressum ;)

6. Hattest Du schon Probleme durch Deinen Blog?

Ja, ich habe mir n Haufen Kohle dadurch entgehen lassen, dass ich Paid-Links ablehnen musste, weil wordpress.com auf Webseiten, die bei ihnen gehostet werden, keine Werbung duldet. hmpf :D

7. Hattest Du schonmal überlegt, das Bloggen einzustellen?

Ja, weil mein Zividasein ja irgendwann vorbei war. Viele wollten jedoch weiterhin von mir lesen und so poste ich jetzt – studienbedingt – bedeutend weniger.

8. Wieviele Beiträge schreibst Du täglich / wöchentlich / monatlich?

Das kommt immer darauf an, wieviele Einsätze ich mit der Wasserrettung, auf Sanitätsdiensten oder im Rettungsdienst habe. Das können 0, aber manchmal auf 5-6 pro Monat sein.
9. Wieviele Besucher hast Du durchschnittlich jeden Tag?

Zu meinem Erstaunen immer noch um die 120 am Tag. Zu meinen „Hochzeiten“ waren es um die 5-600

10. Was Du noch sagen willst…

Wer die Möglichkeit hat seinen Zivi / sein FSJ beim Rettungsdienst zu machen, sollte sie unbedingt wahrnehmen. Auch wenn ihr studieren wollt oder danach Schreiner o.ä. werden wollt:  Nie wieder im Leben werdet ihr so viele Eindrücke in so kurzer Zeit sammeln können. Und nie wieder werdet ihr so viel Leberkässemmeln in euch stopfen :P

Juli 6, 2009 at 3:54 pm 2 Kommentare

Von Krankentransporten und Rotlichtvierteln…

Hallo, werte Leserschaft, ich bin wieder wohlbehalten in der Heimat angekommen.

Pflichtbewusst wie ich bin, nahm ich zumindest noch die Hälfte meiner Vorlesung mit, bevor wir uns dann aufmachten nach  Musterstetten, was für uns circa 600km Fahrt bedeutete. Nach 5h 45min durften wir dann aber auch schon die kalte Dusche im Hotelzimmer genießen. Das Hotel sorgte erst einmal für Schmunzeln, da wir als erstes circa 4 Puffs und 3 Strip-Clubs in unmittelbarer Nähe des Hotels wahrnahmen. Freundin und eingeschränktes Zeitbudget verhinderten aber sowieso eine nähere Auskundschaftung ;-).

Nach nur 4 lächerlichen Stunden Schlaf hieß es auch sogleich wieder aufstehen und Patienten holen. Eine 93 Jahre alte Dame, mit Zustand nach Hüft-TEP. Sie meinte nur zu mir und meinem Kollegen, dass sie gar nicht anstrengend sei und wir ruhig während der Fahrt schlafen ruhen könnten. Sie würde sich selbst bemerkbar machen, wenn sie in irgendeiner Art und Weise Hilfe bräuchte. Wunderbar, wenn nur alle Patienten so wären….

Die Fahrt verlief problemlos mit 3-4 Staus, die – aufgrund ihres urplötzlichen Auftretens 2 starke Bremsungen erforderten, die aber nur mit etwas Adrenalinausschüttung einhergingen und kein weiteres Problem waren. Die Dame war froh über die nette Betreuung und wir waren froh, dass wir zu zweit waren und vor allem in den frühen Morgenstunden (Abholung war bereits um 6 Uhr) ca. alle 45 Min. Fahrerwechsel machen konnten, um die Konzentration beim Fahren aufrecht zu erhalten. 2 Guarana-Pillen gaben mir dann den letzten Rest um vollständig wach zu werden.

Kurioserweise merkte mein Kollege nach 1,5h Fahrt, dass sein Handy weg war. Er war sich sicher, dass es im Hotel sein müsste, also rief ich dort an und versuchte die Lady dazu zu bringen, danach zu suchen. Sie tat dies dann auch, kam aber zu keinem Ergebnis. Dafür fand sie mein Etui samt zugehöriger Brille. Seitdem bin ich faktisch Blind und hab den gnazen Tag die Kontaktlinsen drin :(. Das Handy des Kollegen tauchte dann am Zielort unter seiner Jacke am Beifahrersitz auf. Warum wir das Klingeln beim Versuch anzurufen nicht wahrnahmen, war uns ein Rätsel.

Insgesamt eine 20stündige Reise durch halb Deutschland und am Ende die Erkenntnis, dass Musterstetten für den Fakt, dass es eigentlich ziemlich bekannt ist, ein ganz schönes Kaff ist. Ruhrpott halt…

Juli 4, 2009 at 9:22 am 3 Kommentare

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