Dinge, vor denen ich Angst hätte
November 10, 2007
Dadurch, dass ich seit Jahren in der Wasserrettung tätig bin, kann mich eine “stinknormale” Leiche nicht mehr schocken. Denn ich glaube, dass es kaum etwas ekelhafteres gibt als ein toter Mensch, der über eine Woche im Wasser gelegen hat und dem die Haut beim Anfassen abgeht. Soviel zu meiner Ekelschwelle.
Was mir aber hoffentlich nie passieren wird ist, dass ein Patient stirbt, weil ich in dem Moment zu spät / offensichtlich falsch gehandelt habe und es hätte besser wissen müssen (z.B. an Erbrochenem erstickt, weil ich gerade unaufmerksam war). Viele Leute verstehen es auch nicht, wenn ich unter der Woche nicht weggehen will und dabei jedes Mal sage “morgen Arbeit – geht halt einfach nicht”. In dem Moment, wo der Patient auf meiner Trage liegt und ich den Job habe mich hinten zu ihm reinzusetzen, bin ich für das Leben verantwortlich und muss einfach dafür sorgen – soweit es mir möglich ist – dass dieser Patient auch wieder gesund (bzw. in dem Zustand, in dem wir ihn bekommen haben) abgeliefert wird. Ich will mir nicht vorwerfen wollen, dass ich doch lieber nicht eingenickt wäre und der Patient noch leben könnte. Natürlich könnte man sagen “was geht mich dieser Mensch an – ich fahr in meiner Zivizeit -zig Leute in der Gegend umher” aber ich erhebe auch für mich selbst den Anspruch, dass – wenn ich einen Krankenwagen brauche – dann auch das Personal zu 100% für mich da ist.
Natürlich ist es auch so, dass es mich nicht interessiert, WENN wir das menschenmögliche probiert haben und es doch nicht geklappt hat. Ich breche dann kaum in Tränen aus und mache mir Vorwürfe. Ich kenn die Leute maximal 2-3h (bei Fernfahreten – ansonsten so zwischen 30 und 90 Min.) und seh 90% davon nie wieder. Bei vielen weiß man schon wenn man sie einläd, dass die Station xy in abc eigentlich nur die Palliativ sein kann, aber dennoch ist es MIR wichtig, dass der Patient unter meiner Obhut noch gelebt hat… alles andere geht mich dann nichts mehr an.
Entry Filed under: Ernstes. Schlagworte: krankentransport, Leiche, Rettungsdienst, Tod, Wasserrettung.
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1.
cohen | November 10, 2007 at 8:15
richtig so, auch wenn manche leute (patienten?) nicht zu schätzen wissen.
2.
torschtl | November 10, 2007 at 8:30
das ist wohl war. der größte teil ist eigentlich genervt, wenn man sich um sie sorgt.
3.
gabrielstagebuch | November 30, 2007 at 11:52
Ein Freund von mir war auch rettungszivi und hatte genau die gleiche Meinung. Man sollte immer ein bisschen abstand halten und nicht alles an sich ranlassen, sonnst kann es passieren das man daran zu grunde geht. respekt das du diesen Job machst, könnte ich nicht. Spätestens bei der Wasserleiche hätte ich Probleme diese zu verarbeiten. Hut ab.
4.
torschtl | November 30, 2007 at 7:52
freut mich, danke für den netten kommentar :)