“Frisch auf den Tisch”
März 3, 2008
wie unsere Leitstelle zu sagen pflegt, um uns den Folgeeinsatz schmackhaft zu machen:
Gerade zufällig entdeckt. Eine ganz neue Reportage über die Ehrenamtlichkeit im Rettungsdienst. Ist ja eines der umkämpfsten Themen hier im Blog. Ready to rumble?
Entry Filed under: Allgemein. Schlagworte: Aufwandsentschädigung, Reportage, Rettungsdienst, WDR.
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1.
Christopher | März 4, 2008 at 7:23
Interessante Reportage, vielen Dank =)
2.
blaulichtblogger | März 5, 2008 at 2:05
8/83/1 – Rettungswache 56626 Andernach – Leitstelle Mayen 411 G/U
Auf dem Auto hab ich mal meine ersten Diesnte geleistet. :o)
3.
torschtl | März 5, 2008 at 7:55
:) dann kennste die leute, die da drin vorkommen?
4.
Hypnosekröte | März 6, 2008 at 2:02
Das Kernproblem, das auch in dem Beitrag angesprochen wird ist das, das die präklinische Notfallversorgung eigentlich nurnoch über das Ehrenamt flächendeckend und Rund um die Uhr funktioniert . Für die Bevölkerung ist das sicher schön, andererseits ist das in meinen Augen aber das völlig falsche Signal von Seiten der HiOrgs.
Das Signal für die Bevölkerung und die Politik ist doch: „Es funktioniert“ was in meinen Augen dringend notwendige Reformen verhindert.
Jeder will doch im Notfall in angemessener Zeit von gut ausgebildetem Personal Hilfe erfahren. Aber niemand will das bezahlen.
Analog dazu ist die Situation in den Kliniken, die auch nur durch Überstunden, die offiziell nicht erlaubt sind und deshalb nicht vergütet werden überhaupt in der Lage sind, die Krankenversorgung auf dem Hohen Niveau durchzuführen, an das die Bevölkerung gewöhnt ist, ebenso der Ambulante Sektor, wo viele Niedergelassene durch die Abrechnungsmodalitäten der KVen dazu gezwungen werden, viel Ehrenamtliche (=unbezahlte) Arbeit zu leisten.
Und warum ist das so? Weil es an Geld fehlt. Geld, um den wichtigsten Faktor im Gesundheitssystem, das medizinische Personal, seien es Ärzte, Pflegekräfte, Retter, zu bezahlen. Weil wir es mit uns machen lassen.
Und warum lassen wir das mit uns machen?
Wir haben die Bevölkerung und damit auch die Politik doch eigentlich so sehr bei den Eiern, wie kaum eine andere Branche.
Ohne Strom kommt man ein paar Tage aus, ohne Wasser auch, im Zweifelsfall säuft man eben den nächsten Badesee leer. Streikt die Müllabfuhr ist das unkomfortabel und riecht streng und trotzdem wird dies von der Öffentlichkeit als schlimme Belästigung empfunden und Druck auf die Politik ausgeübt, etwas an der Situation der Müllmanner/Strommänner/Wasssermänner zu ändern.
Was wäre wohl los, wenn das erste Unfallopfer auf offener Straße verblutet? Wenn der erste Patient an einer Bagatellerkrankung verstirbt oder schwere bleibende Schäden davon trägt? Würde dann jemand aufwachen? Frankreich macht es vor: Eine Bekannte von mir arbeitet in Paris, war schwanger, Entbindung stand bevor. Weil die Kliniken in Paris streikten, musste sie mehrere Kilometer weit in ein anderes Krankenhaus, um dort zu entbinden. Sicher ist das nicht schön für sie gewesen, aber die Botschaft „Es herrschen untragbare Zustände im Gesundheitswesen dieses Landes“ hat sie verstanden.
Sicher wünsche ich mir nicht, das Menschen zu Schaden kommen. Aber mit den bisherigen Maßnahmen scheint die Situation sich nicht ändern zu lassen. Und ein Streik, bei dem alles noch auf niedrigem Niveau weiterfunktioniert ist kein Streik, denn so merkt niemand, das überhaupt und wofür gestreikt wird.
Was hat das alles jetzt mit dem Ehrenamt zu tun, mag man sich fragen. Ich sehe das so:
Jede Überstunde, die wir unbezahlt leisten, jeder ehrenamtliche Dienst, den wir schieben fährt den Karren weiter in den Dreck, denn damit subventionieren wir das Gesundheitssystem quasi aus unserer eigenen Tasche, mit unserer Freizeit, mit unserer Gesundheit, mit unserem Privatleben und senden das Signal: „Es funktioniert“, was auf Seiten der Politik natürlich dafür sorgt, das geschaut wird, wo noch Einsparpotential vorhanden ist.
Es ist aber keins mehr da. Das Gegenteil ist der Fall. Es fehlt Geld im System, welches hauptsächlich über die GKV in dieses gepumpt wird. Und über Ehrenamt und „freiwillig geleistete Mehrarbeit“ geben wir der Politik die Steilvorlage, damit zu werben, das es wenn die Stimme „Wemauchimmer“ gegeben wird es keine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge geben wird. Was natürlich alle toll finden, bleibt so doch mehr vom Lohn in der eigenen Tasche.
Ein Autovergleich erscheint mir an dieser Stelle angebracht: Man will einen dicken Benz fahren aber nur für einen Trabi bezahlen. Klappt natürlich im wirklichen Leben nicht, klappt aber im deutschen Gesundheitssystem.
Und die Differenz zwischen Benz und Trabi finanzieren wir über ehrenamtliche Tätigkeit und „freiwillig geleistete Mehrarbeit.
Es ist Zeit, dass wir aufwachen.
5.
blaulichtblogger | März 6, 2008 at 4:18
@ torschtl: Nur teilweise, Ehrenamtler gibt es inzwischen nicht mehr und der RTW ist auch schon ersetzt worden.
6.
blaulichtblogger | März 6, 2008 at 4:26
PS: Altebaknntes Video: http://www.myvideo.de/watch/558589
Du bist der Rettungsdienst. Selbe Wache ;)
7.
torschtl | März 6, 2008 at 9:21
Ich stimme dir zu Hypnosekröte. Aber stellen wir uns das Szenario mal vor…
Der RD streikt: Autounfall 3mal schwer. Feuerwehr kommt. RD bleibt weg. Patient wird nicht versorgt und verstirbt… Ist das nicht ein ziemlich hoher Preis für Geld? Es wäre natürlich ein mehr als deutliches Zeichen, aber shcon alleine die Abzeichen, die wir tragen stehen für Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Kompetenz und die verinnerlicht jeder Mitarbeiter halt mehr oder weniger.
Was aber ein Anfang wäre: Den kompletten Krankentransport lahmlegen und in den Notaufnahme ausschließlich lebensbedrohendes Versorgen. Bei den Patienten würde der Tumult anfangen und sich dann innerhalb von Stunden und Tagen auf die Bevölkerung übertragen. Dann ließen die oberen 10000 vllt. einmal mit sich reden.
Es stimmt natürlich, dass nach außen hin “alles ok” ist, weil das System ja funktionier(t/en) muss.
8.
HigherSafarie | April 5, 2008 at 11:22
Ich stimme Hypnosekröte da allgemein zu. Ergänzend frage ich mich welcher Beschäftigte der Energieversorger auf die idee kommen würde am Wochenende, Sontag und zu Nacht umsonst für seinen arbeitgeber schaffen zu gehen?
Ich sehe die Verwendung Ehrenamtlicher im RD als absolut berufsschädigend, damit will ich nicht die Quallifiktionen der Ehris anzweifeln, viel mehr begründe ich es damit das so dem Lohndumping in die Arme gespielt wird.
Denn eins steht fest, jeder Rettungswagen der in der BRD im dienst ist beruht auf einem Bedarfsplan und diese Pläne richten sich nach den Hilfsfristen / Eintrefzeiten (von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Zeiten) und nicht ob ein Rettungsmittel Haupt- oder Ehrenamtlich besetzt ist.
Da frag ich mich wo denn das Geld der Kostenträger für Personalkosten hin fließt, wenn nicht in die Mitarbeiter?
Ich arbeite in einem süd/östlichen RD Bereich in NDS eher städtisches Gebiet und wir haben weder Zivis noch Ehris im Komunalen RettD. Und sehe auch das das “Problem” Ehris eher auf dem platten Land deutlich wird. Da frag ich mich nun wieder warum es nun wieder in den Städten (auch ohne Berufsfeuerwehr) nicht so dramatisch ins Gewicht fällt?
Eherenamt göhrt ganz klar zum Rettungsdienst aber bitte nur im KatS oder in der SEG natürlich auch als 3. auf dem Rettungsmittel.
Einweiteres sehr sehr großes Problem ist das überangebot an Rettungsassistenten und Rettungssanitäter.
z.B. Region Hannover ca. 5 Rettungsdienstschulen mit im Jahresdurchschnitt jeweils 2x Rett.Ass. und 4x Rett.San. a15 bestehenden. Macht nur für Hannover ca. 450 quallifizierte Retter. Wenn man das nun mal auf alle Schulen in der BRD hoch rechnet kommt man auf tausende jedes Jahr und wie viele Stellen gibt es? Die Rettungswachen sind schon so überrannt das angehende RA´s nicht mal nen Praktikumsplatz bekommen.
Mein Lösungsvorschlag bzw. Lösungsansatz wäre:
1. Novellierung RA Gesetz auf min. 3 Jahre Berufsbegleitende
Ausbildung mit Ausbildungsvergütung (jede Wache bildet
nur nach eigenem Bedarf aus)
2. Angleichung der RD Gesätze der Länder untereinander
3. Anerkennung des RD als komunale Führsorgepflicht und
somit zugeständniss des hoheitlichen handelns.
4. Den RD ausschließlich über die Komun / Landkreis
betreiben keine vergabe an HiOrgs oder Private.
5. Trennung der Notfallrettung / Qul. Krankentransport
von Krankentransporten / Behindertenfahrten
Liegendtransporten.
6. Gründung von Betriebsräten auf jeder Wache bzw. jedem
RD – Bereich