Rauschgift für Lau
Juni 6, 2008
Es soll Leute geben, die kaufen illegale Substanzen, um sich zu berauschen. Im OP gibt`s die für Lau ;-)
Bei mir im Klinikpraktikum lief die Narkose in den allermeisten Fällen mit den folgenden Substanzen ab:
Am Anfang: “0,2 Fenta” – Fentanyl: sehr starkes Schmerzmittel, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.
danach: “Trac” – Tracrium bzw. Atracurium, wie der Wirkstoff heißt – Muskelrelaxans; wird am Anfang nur in ganz kleiner Menge injiziert, um die Rezeptoren bereits aufzusättigen, so dass die tatsächliche Muskelerschlaffung dann schneller geht, wenn es soweit ist. Man gewöhnt die Rezeptoren praktisch an den Stoff, den sie wenige Sekunden später in größerer Menge erhalten werden, einfach formuliert…
zum Schluss: (je nach Patient) “400 Diso” – Disoprivan oder auch Propofol; das eigentliche Schlafmittel, das in Fett gelöst ist und dadurch bei einigen Patienten eine Venenreizung auslösen kann, welche sich durch ein kurzes Brennen äußert. Harmlose Geschichte, weilm an wenige Sekunden später ja eh weggetreten ist und nix mehr spürt ;-)
danach noch den Rest vom “Trac” und dann kann die Show beginnen…
Nachdem diese 3 Mittelchen im Körper sind, lassen sich die allermeisten Patienten problemlos intubieren bzw., bei kürzeren Eingriffen, die Larynxmaske einführen. Aufrechterhalten wird die narkose dann mit einem speziellen Narkosegas, welches über die Beatmung miteingeschleust wird und dann in der Lunge in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Stichworte wären hier: Verdrängungsreaktion, Diffusion und so weiter und so fort. Würde hier, meiner Meinung nach, zu weit führen.
Achja: Das gute alte Lachgas, dass man noch aus alten Schwarz-Weiß-Filmen kennt hat im Übrigen auch noch nicht ausgedient und wird eigentlich mehr oder minder standardmäßig bei jeder OP miteingesetzt.
Dass das Zeug wirklich “ballert” merkt man spätestens, wenn man entweder schon selber einmal eine Vollnarkosse genißen durfte oder einfach nur in die Gesichter der Patienten schaut, nachdem Ihnen vor 2 Sekunden der Tubus gezogen wurde… wenn man zu nem Notfall mit Stichwort “Alkintox” kommt schauen die Leute nicht viel schlechter aus ;-)
Entry Filed under: Klinikpraktikum, Lustiges. Schlagworte: ablauf, Disoprivan, Fentanyl, Narkose, Propofol, Tracrium.
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1.
Hypnosekröte | Juni 14, 2008 at 8:38
400mg Diso zur Einleitung?!?
Ganz schön sportlich…
Bei uns schlafen die meisten mit o.g. 2mg/kgKG ein, mehr als 200mg verbrät man nur mal bei ziemlich schweren oder Drogenerfahrenen…
Eine circa hundertjährige haben wir letztens mit 55mg Beschnorchelungsbereit bekommen. Und Arterenolpflichtig.
Wäre ich bei 400 Diso aber auch.
2.
torschtl | Juni 15, 2008 at 11:17
oehm. vllt hab ich mich da vertan ?! :D
3.
Sebastian Kayhs | September 10, 2008 at 10:45
400 Diso ist mal wirklich respektabel. Ich mein – bei schweren Menschen (große starke Männer, wie ich immer sage) oder solchen, die ordentlich was gewöhnt sind, okay, aber … Mich würde das glaube ich ziemlich umhauen. Sedierungen mit Propofol mache ich initial so mit 100mg/h – das reicht häufig für einen tiefen Schlaf völlig aus.
Und Lachgas gibts da noch? So so… *verdattert* Ich dachte, das wär jetzt ‘mal endgültig out.