Archive for Juli 2008
Alkohol bei Jugendlichen
Weil ich jetzt gerade die Reportage, die in den Kommentaren von „Neuer Stoff“ verlinkt ist, gelesen habe, hier ein Statement aus meiner Sicht zu dem ganzen Thema…
1. Vor kurzer Zeit habe ich das Buch „Generation doof – Wie blöd sind wir eigentlich?“ innerhalb von 2 Tagen ausgelesen. Und wenn man wo verallgemeinern kann, dann bei der kollektiven Verblödung der heutigen Jugend, zu der ich mich mit meinen fast 21 nicht mehr zähle. Allein an den Aussagen kann man schon wieder festmachen, dass der IQ nur leicht über Badezimmertemmperatur ist…
2. Gesoffen – und das dürfte klar sein – wurde schon immer. Auch ich habe mit 16, 17 meine Räusche heimgezogen, musste kotzen und wachte am nächsten Tag auf und wollte am liebsten tot sein vor lauter Kopfweh, ABER
2.1. Ich habe mich NIE angekotzt, worauf ich heute noch stolz bin.
2.2. Ich habe und hatte mich immer unter Kontrolle, was Gewalt angeht/anging und lasse „hab zuviel gesoffen“ nicht als Ausrede dienen, warum klein Kläuschen den Rentner fast zu Tode geprügelt hätte.
2.3. Von meinen Freunden und ich hat es NIEMAND jemals auf die Intensiv im Krankenhaus geschafft. Komisch und das, obwohl auch wir Schnaps getrunken haben und nicht nur Bier.
3. Was ich vor allem traurig find, sind die sogenannten „Freunde“. Da erzählen die Kollegen von der Nachtschicht doch tatsächlich, dass sie eine rotzevolle 13-jährige im Straßengraben(!) gefunden haben, nachdem sie mit dem RTW vorher den Zeltplatz angefahren haben. Dort hieß es dann aber, dass hier nichts passiert wäre und sie wieder heimfahren könnten… sowas nennt sich dann Freunde… gute Nacht.
4. Früher hat man seinen besoffenen Freund ins Bett gebracht, ihm die Schuhe und die Hose ausgezogen, ihn in die Seitenlage gelegt und noch irgendwo aus der Putzkammer seiner Mutter einen Eimer hergezogen und erhielt am nächsten Tag gegen Mittag den „Danke“-Anruf. Heute scheint Freundschaft keinen allzu hohen Stellenwert mehr zu haben.
5. Auch ich lass es gerne am Wochenende mal krachen und alle 2 Jahre kann es auch mal passieren, dass ich einen zuviel erwische, aber so hemmungslos saufen, bis man nicht mehr stehen kann, das ist für mich fernab jeder Vernunft.
6. Einmal zuviel saufen gestehe ich jedem verblendeten Jugendlichen zu. Beim 2. und 3. Mal kommt die schöne Rechnung über 600 EUR schön brav zur Postanschrift des Patienten. Denn wer mit Vomex uns sontigem Drek vollgepumpt wird, ca. 3l Ringer infundiert bekommt und dann am nächsten Morgen nicht einmal einen Kater hat, der wird aus der Sache nichts mitnehmen und sich denken „die Vollidioten mit Blaulicht sind beim nächsten Mal auch wieder da“… werden sie auch sein… weil es ihr Job ist…
8 comments Juli 29, 2008
Und noch mehr…
Wer einen kleinen Einblick in den Alltag der BF Hamburg wagen möchte, dem seien die Links von Denis ans Herz gelegt. Vielen Dank für den Hinweis
http://www.myvideo.de/watch/4232024/N24_Dokumentation_BF_Hamburg_Barmbek_1_6?p=vs14
http://www.myvideo.de/watch/4232260/N24_Dokumentation_BF_Hamburg_Barmbek_2_6?p=vs14
http://www.myvideo.de/watch/4232397/N24_Dokumentation_BF_Hamburg_Barmbek_3_6?p=vs14
http://www.myvideo.de/watch/4516168/N24_Dokumentation_BF_Hamburg_Barmbek_4_6?p=vs14
http://www.myvideo.de/watch/4516278/N24_Dokumentation_BF_Hamburg_Barmbek_5_6?p=vs14
http://www.myvideo.de/watch/4517181/N24_Dokumentation_BF_Hamburg_Barmbek_6_6?p=vs17
4 comments Juli 28, 2008
Neuer Stoff
Hab wieder mal nach ein paar Reportagen Ausschau gehalten:
Hier der Grund, wieso ich auf die Loveparade einzig und allein zum Partymachen fahren würde… never ever Sandienst :D
und hier noch ein Bericht aus der Landeshauptstadt über den Kindernotarzt:
Beide sehenswert, auch wenn es mir davor graut, dass in der einen Reportage zum Krankenwagen nicht – wie eigentlich immer zum RTW – Krankenwagen gesagt wird, sondern Rettungswagen und der eine Sani dem Typen die Hautdesinfektion voll in die Schnittwunde pfeffert… ;-)
6 comments Juli 27, 2008
Lassen sie mich arzt, ich bin Durch…
„Ich bin selber Arzt, es geht um meine Frau“
Wenn ihr diesen Satz irgendwann einmal (solltet ihr den Zivi im RD machen) hört, dann geht auf „Hab acht“-Stellung. In 90% der Fälle kommt er von einem Mann zwischen 55 und 65 Jahren, der in *MittenimWald* eine kleine Hausarztpraxis mit 5 alten Omas als Stammkundschaft betreibt. Im Fachjargon nennt man diese Doktoren auch „Husten, Schnupfen, Heiserkeit“-Mann. Was das für die Kompetenz bedeutet, darf sich jeder selber ausmalen. Also ich trau mich zu sagen, dass etliche RA und der European Paramedic auf „meiner“ Wache medizinisch um Lichtjahre kompetenter sind…
Ex-Dreckszivi: „Grüß Gott, erstmal!“ (Manche kapieren dann, dass sie was Wichtiges am Anfang vergessen haben“
Kollege vom E-D-Z: „Um wen geht es denn und vor allem: „Warum sind wir hier?“"
Husten, Schnupfen, Heiserkeit-Mann: „Meine Frau muss ins Krankenhaus“
EDZ: „Und warum, wenn wir fragen dürfen?“
HSH-M: „Das geht sie erstens nichts an und zweitens hat sie das nicht zu interessieren.“
EDZ u. Kollege denken: „Dann fahr sie doch selber…“
EDZ u. K. sagen: „Wo ist denn die Patientin?“
HSH-M: „Wisst IHR (hallo, wo sind wir denn??) das denn auch nicht?“
EDZ u. K. bekommen PULS… und Blutdruck
K. sagt: „Guter Mann, wenn man mit Ihnen kein vernünftiges Gespräch führen kann, dann lassen wir das lieber… nebenbei studier ich selber Medizin, hab also ein Fünkchen Ahnung von dem, was ich hier tue, was wiederum rechtfertigt, dass Sie mich hier nicht als Vollidioten behandeln…“
EDZ: „Was fehlt ihr denn jetzt genau?“
HSH-M: „Ihr geht`s beschissen“
Man, ALTER, wenn mir das der 87-jährige Ehemann der Frau mit Apoplex als Übergabe macht, dann bin ich damit zufrieden, aber Sie haben zumindest mal nen Doktortitel und sind nicht fähig eine HALBWEGS normale Übergabe zu machen…
Als wir das Zimmer dann betreten haben, war alles klar. „Schlechter AZ“, wie wir gerne sagen. Nachdem wir ihm dann verbal noch die Unterlagen fürs KH „herausgeprügelt hatten“ (O-Ton: „Die bringe ich selber rein…“) hatte sich dann mein Erstverdacht bestätigt.
Beim ersten Anschauen dachte ich mir „Sieht aus wie die chronischen C2-Abhängigen“… genau so war es dann auch. Leber wollte wohl nicht mehr so mitspielen, wie das eigentlich dem Körper gut täte und deshalb auch die Verschlechterung des Allgemeinzustandes… schnell einpacken und weg von diesem Mann…
Unten vor dem Altenheim dann stand ich mit dem Sanke so vor dem Eingang, dass wir unter dem Dach des Eingangsbereiches standen, um den von Zeit zu Zeit auftretenden Platzregen zu entkommen. Was mir zusätzlich noch Spaß gemacht hatte, als ich eingeparkt habe: Sauber einen super Sportwagen, der sich zu fein für die normalen Parkplätze war, eingeparkt… 3mal dürft ihr raten, wem die Karre gehörte…
„Jetzt habt IHR mich auch noch mit eurem Kübel eingeparkt“
Ich hab dann nur gesagt: „Ich seh da, wo ihr Auto steht, keine Parkplätze aufgezeichnet…“
Es war echt schön ihm dann zuzusehen, wie er durch Ausparken in 45 Zügen versuchte da wieder rauszukommen. Gerade als er fertig war, startete ich den Motor und fuhr Richtung Krankenhaus.
Er meinte dann noch „Wir fahren mit Sonderrechten“… er hatte wohl das Blaulicht gemeint… aber Sonderrechte haben wir ja grundsätzlich immer… die Fackeln blieben aus.
Im Krankenhaus dann angekommen parkte er auf einem der 4 Parkplätze für Rettungsmittel… mit Warnblinkanlage an, immerhin…
Puls war sofort wieder bei 180 und Blutdruck auf 300…
„Entschuldigung, das ist eine Notaufnahme und ihr Fahrzeug ist offensichtlich kein NEF (bei diesem Ausdruck schaute er mich komisch nach dem Motto „Waddn dad?“ an), würden sie bitte die Parkplätze für Angehörige benutzen, ansonsten, sehen sie die Kamera da oben, werden sie in spätestens 10 Minuten abgeschleppt.“ Schnaubend zog er davon… in Richtung Besucherparkplatz :D
Wieder mal eine Paradebeispiel dafür, dass Freundlichkeit solchen Leuten immer noch am Meisten stinkt… sachlich bleiben, nicht beirren lassen und dem Ärger dann erst nach getaner Arbeit zusammen mit dem Kollegen Luft machen.
Die Patientin war im Übrigen äußerst nett und froh, dass wir da waren. Vielleicht kannte sie ihren Mann nur zu gut…
Und die Moral von der Geschicht:
Nicht jeder „Sani“ ist ein Hauptschul-nicht-geschafft-haber, der jetzt Kranke „trägt“ und nicht einmal Blutdruck messen kann. Vielmehr arbeiten im heutigen Rettungsdienst hoch qualifizierte Leute, die 2 Jahre die Notfallmedizin in sich hineingepaukt haben und das Ganze mit einem Staatsexamen abgeschlossen haben. Man möge mal darüber nachdenken, dass viele im RD arbeiten, weil sie einfach das Helfersyndrom irgendwann gefressen haben und nicht mehr loswerden… im „wahren Leben“ studieren sie Medizin, BWL oder Pharmazie. Ein Großteil dieser Leute sind keine „Krankenträger“, sondern haben mehr auf dem Kasten, als man vermutet…
8 comments Juli 27, 2008
Ran an den Speck
Morgen geht`s wieder weiter. Nichtsdestotrotz wird das eher eine kurze Woche. Freitag 8h und Samstag 12h arbeiten, dann nen Tag frei, bevor es nächste Woche 6:00-14:30 Uhr heißt… oman… Augenringe olè…
1 comment Juli 24, 2008


