Hart und ungerecht
Juli 8, 2008
Ich habe euch ja von meinem Intensivpatienten berichtet (Z. n. Strangulation – Suizidversuch). Er hat die Verantwortung für das zu tragen, was er getan hat. Die Beweggründe jetzt mal außen vor… das nur mal vorneweg.
Heute hingegen haben wir einen nur 3 jahre älteren Pat. gehabt, den wir nach *160km entfernt* verlegt haben auf die Frühreha. Z. n. Verkehrsunfall. Aus noch ungeklärter Ursache kam er mit seinem Auto von der Straße ab und prallte mit der linken Seite gegen einen Baum. Das Ende vom Lied war dann, dass sein Fahrersitz bis an die rechte Seite des Fahrzeugs gedrückt wurde und er zwischen Baum und Karosserie eingeklemmt war.
Die Liste der (ursprünglichen) Diagnosen ist lang:
- Querschnittlähmung
- Hämothorax
- Beckenringfraktur
- Sternumfraktur
- Rippenserienfraktur usw… ein echtes Polytrauma also. Sein Glück war: Der Kopf hat absolut nichts abbekommen.
Der Pat. war wach und ansprechbar und das, obowhl er vor 3 Wochen am Unfallort mit Glascow-Coma-Scale 3 aufgefunden wurde. Weniger wäre in diesem Fall nicht mehr, sondern tot…
Ein Mensch, der mit Mitte 20 bereits den Sprung in die Selbsständigkeit (Autohändler) geschafft hatte, wird mitten aus dem Leben gerissen… er hat mir seine gesamte Geschite erzählt… auch von seiner Freundin, mit der er seit über 10 Jahren zusammen ist…
Da kam mir dann die Frage: Wer von deinen Freunden wäre in so einem Fall wirklich für dich da? Und wen deiner “Freunde” oder Bekannten würdest du auf dem harten Weg zurück ins Leben begleiten?
Seine Prognose macht im Übrigen Hoffnung: Die Nerven sind nicht durchtrennt, so dass eine Wiedererlangung von Gefühl in den Beinen und mit viel Glück sogar wieder das Gehen möglich sein wird… ich wünsche ihm alles erdenklich Gute…
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1.
md | Juli 8, 2008 at 6:41
Naja, das Gehen, mit viel Glück vllt.
Mein Vater ist auch querschnittsgelähmt, nach einem Sturz von einem Baugerüst aus etwa 3 bis 4m Höhe (Berufsunfall). Seine Nerven sind auch nicht durchtrennt, sondern gequetscht. Das ganze ist jetzt mittlerweile 9 Jahre her, und sein Zustand hat sich schon wesentlich gebessert. Komplett ohne Hilfen gehen kann er nicht, vllt kommt das auch nicht wieder (mein Vater ist 54, da regeneriert sich der Körper ja auch langsamer als vllt bei einem 20jährigen).
Allerdings haben die Ärzte auch immer gesagt, wenn er nicht von Anfang an so ein Durchsetzungsvermögen gehabt hätte, wäre er nie soweit gekommen. Nach dem Unfall war er direkt in der Reha in Langensteinbach, und danach 3mal in der Woche Krankengymnastik, was er immer noch macht. (
Mittlerweile kann er mit Krücken und Schienen am Fußgelenk recht gut gehen, ein paar Schritte sogar ohne Krücken. Ohne die Schienen gehts allerdings nicht, da er den Fuß selber nicht bewegen kann.
Am schlimmsten war am Anfang die Tatsache, dass er mit Leib und Seele Bergsteiger, Skifahrer und sogar Bergführer beim DAV war. Wenn man dann das nicht mehr machen kann, schlägt das schon auf die Psyche. Mittlerweile fährt aber wieder Ski, nur halt einen Monoski, wo ein Sitz auf einen einzelnen Ski geschnallt wird.