6h warten? – Zuviel für diese Frau

Juli 19, 2008

Wie ich hier gerade entdeckt habe, musste eine Frau mit V. a. Thrombose 6h in der Münchner Klinik Großhadern auf eine Behandlung warten… bis es ihr dann zu bunt wurde und sie sich unverrichteter Dinge wieder auf den Heimweg machte.

“Eine Schweinerei, dass mit Patienten so umgegangen wird”, schimpft Stefan R. Erst am nächsten Tag wurde seiner Freundin geholfen – in einer anderen Klinik.”

Lieber Stefan R.,

wieso ist das eine Schweinerei? Glauben Sie, dass die Pfleger und Ärzte das absichtlich machen? Der Fehler liegt nicht beim Umgang der Pfleger / Schwestern mit den Patienten, sondern beginnt schon viel früher – nämlich bei den Kassen und allem, was mit diesen zusammenhängt. Wo kein Geld da ist bzw. herausgerückt wird, kann auch nichts investiert werden und wenn nichts investiert wird, dann kommt es eben dazu, dass die Krankenhäuser völlig überlastet sind und dann mal eine Thrombose 6h rumsitzen muss… die Erklärung dazu lieferte die Klinik gleich hinterher…

“[...]Am Nachmittag wurden dann noch ein verunfallter Fahrradfahrer nach Reanimation mit Polytrauma eingeliefert und ca. 2 Stunden lang akut versorgt sowie eine Patientin mit Hirnblutung. Beide Personen mussten vordringlich behandelt werden.”

Ich weiß jetzt nicht genau, wie es in Großhadern mit der Belegschaft aussieht, aber bei uns hier ist es so, dass die Standardnotaufnahme bis auf eine aufsichtführende Schwester komplett leergeräumt ist, wenn ein Patient für den Schockraum (Polytrauma / Hirnblutung) angemeldet ist. Beim Polytrauma haben wir dann also mal grob geschätzt:

- 1x Anästhesist

- 1x Neurologe

- 1x Chirurg

- 2-3 Schwestern / Pfleger

Also gehen wir mal von 5 – 6 Leuten aus, die beim Polytrauma gebunden sind, aber egtl. in der regulären Notaufnahme ihren Dienst machen würden. Während dieser Zeit (im Artikel ist von 2h die Rede) geht also so gut wie gar nix vorwärts. Dann rechnen wir noch die Hirnblutung dazu… nochmal 1h… sind es schon 3h, in denen sich alles um 2 Patienten dreht, deren Zustand vital bedrohlich ist. Dazu rechnen wir noch 1h Wartezeit, weil die junge Dame eben nicht die erste an jenem Tag in der Notaufnahme war = 4h.

Ein Assistenzarzt hat sich ihrer zwischendurch kurz angenommen und hat ihr dann auch eine Salbe mitgegeben, um die akute Schmerzsymptomatik einzugrenzen… ist das etwa keine Behandlung? Der Ass. Arzt wollte dann nur noch Rücksprache mit dem diensthabenden Chirurgen halten. (Da frage ich mich, ob es ein Gefäßverschluss (arteriell) war, da Thrombosen (venös) bei uns zum sehr großen Teil medikamentös und nicht operativ behandelt werden.

Der große Hammer kam aber gegen 18 Uhr, rund sechs Stunden, nachdem Stefan R. und Susanne K. in die Notaufnahme gekommen waren. “Plötzlich sagte eine Schwester, dass alle Ärzte derzeit nicht abkömmlich seien”, so der Münchner. “Und um 18 Uhr sei Übergabe an den Nachtdienst, so dass es sicher noch über eine Stunde dauern könne.” Zu viel für seine Lebensgefährtin: “Mit zahlreichen anderen Patienten haben wir dann das Klinikum Großhadern verlassen.” Die große Erleichterung am nächsten Tag: “Wir sind in eine andere Klinik gefahren, in der wir ohne Termin sofort aufgenommen und behandelt worden sind”, sagt der 39-Jährige. “Nach nur wenigen Minuten lag Susanne auf dem OP-Tisch, am Nachmittag konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen.”

Der große Hammer: Die Wahrheit. Anstatt die Patienten in Unwissenheit zu lassen, ergreift eine Schwester Initiative und sagt, dass sie eben am Limit arbeiten würden und einfach nicht mehr mehr drin ist… und dass die Übergabe halt nötig ist, damit die nächste Schicht Bescheid weiß, was in welchem Zimmer liegt und wieso und das durchaus auch mal ein Bißchen dauern kann, scheinen die Patienten auch nicht einzusehen.

Aber woher sollen sie es auch wissen? Sie kommen um 8 Uhr ins Büro und gehen um 16:30 Uhr… im Krankenhaus / Rettungsdienst ist das eher wie ein 6er im Lotto…

Übrigens: Am nächsten Tag wurde die Frau in einer anderen Münchner Klinik unverzüglich behandelt. Toll, wa?

Meine Gedanken:

Warum hat sie tags zuvor nicht einfach den Telefonhörer in die Hand genommen und ein Bißchen rumtelefoniert und erfragt, wie es denn Kapazitätenmäßig in den versch. Häusern aussieht? Man hätte ihr sicher gerne gesagt, dass hier mit einer schnellen Behandlung nicht zu rechnen ist oder eben, dass sie sofort drankommen würde…

Natürlich tut eine Thrombose weh, aber um im Krankenhaus schnell behandelt zu werden, muss es einem eben hundeelend gehen… und die Patienten… die beschweren sich nicht (mehr).

Entry Filed under: Ernstes. .

7 Comments Add your own

  • 1. stef  |  Juli 19, 2008 at 5:52

    Bin ganz deiner Meinung, wer an sowas nicht denkt, ist entweder naiv oder blöd. Wahrscheinlich versuchen die Beiden jetzt, Schmerzensgeld abzupressen…

    Antworten
  • 2. Ahnungsloser FM  |  Juli 19, 2008 at 7:34

    Sind halt Traumtänzer

    Antworten
  • 3. Unknown  |  Juli 20, 2008 at 11:31

    Ich weiß ja jetzt net welche Ausmaße die Thrombose hatte aber isses net auch bissl gefährlich so mit Blick auf ne Embolie? Also ich würde da net freiwillig gehen.

    Antworten
  • 4. Status6  |  Juli 20, 2008 at 2:30

    Dennoch würde auch ich eine Zeitspanne von 6 Stunden (meinetwegen auch fünf Stunden ohne die übliche Wartezeit) etwas zu lang finden sofern ich ein Laie wäre…

    Da die Schwestern offensichtlich über die Verzögerungen bescheid wussten und eine mehrstündliche Unterversorgung der wartenden Patienten absehbar war, wäre doch bei bestimmten Patienten (z.B. Patienten mit einer akuten Thrombose und damit der Gefahr einer Embolie) evtl. eine Verlegung in ein anderes Klinikum eine bessere Lösung gewesen?!

    Ich kann beide Seiten gut verstehen – die Patienten (welche WIRKLICH Schmerzen haben) und die überlasteten Schwestern, Pfleger und Ärzte/innen…

    Die einfachste Lösung = die teure Lösung = mehr Personal, aber evtl. könnte an dieser Stelle die Leitstelle etwas mehr in den Mittelpunkt rücken. Wenn diese einen Überblick über die aktuelle Patienenversorgungssituation hätte, dann könnte sie doch evtl. bestimmte Patienten von vornherein (zB die mit einem KTW/RTW kommen) auf andere, wenige be/überlastete Krankenhäuser aufteilen. Das geht natürlich am besten, wenn andere Kliniken nicht allzuweit entfernt liegen. In Pinneberg haben wir zB stets die Auswahl zwischen drei Kreis- und mind. fünf -zur Not noch mehr, aber weiter enfernte- hamburger Kliniken, welche man anfahren könnte (i.d.R. werden drei verschiedene Häuser bevorzugt).

    Wie auch immer – fünf oder sechs Stunden sind halt eine lange Zeit, für alle Seiten.

    Antworten
  • 5. torschtl  |  Juli 20, 2008 at 3:00

    @status6
    natürlich is die gefahr da, dass sie sich n bolus schießt, aber in welchem vverhältnis steht diese gefahr zur versorgung eines polytraumas u einer hirnblutung?
    wie gesagt…bevor ich in die klinik fahre telefonhörer in die hand und nachfragen… anders machts die leitstelle auch nicht…

    Antworten
  • 6. Michael  |  Juli 21, 2008 at 6:43

    Na Torschtl, dann würde ich gerne mal sehen, wie Du der lieben Frau nach sechs Stunden Wartezeit erklärst, dass Ihre Thrombose nicht nur weh tut, sondern Sie möglicherweise auch das Leben kosten kann. Aber hey: Sag ihr, dass das Risiko gering ist, sie also ruhig noch etwas warten oder in eine andere Klinik fahren kann. Sie darf nur nicht zuviel wackeln!

    Ich finde, “Status6″ hats eigentlich schon gesagt – man muss beide Seiten verstehen. Dazu müsste man aber auch mehr über die Geschichte wissen, als diese popelige Hallo-München-Meldung hergibt.

    Nebenbei bemerkt: Dass Leute, die im RD-Bereich tätig sind, von sich aus nach einer Ausweichklinik suchen würden, bedeutet noch lange nicht, dass Du das von einer Patientin erwarten kannst, die in einer Notaufnahme sitzt.

    Antworten
  • 7. torschtl  |  Juli 22, 2008 at 9:36

    naja…
    natürlich KANN eine thrombose gefährlich sein, WENN sie sich löst…
    aber beim doc macht doch auch jeder vorher einen termin aus, wieso erwarten dann leute immer von einer notaufnahme, dass man innerhalb von 5 minuten drankommt.
    und wie schon gesagt… polytrauma und hirblutung sind halt doch ein wenig akuter…

    aber wahrscheinlich hast du recht, dass man das einfach nicht erwarten kann, dass leute mal mitdenken ;-)

    Antworten

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