Archive for November 2008
Unspektakuläre RTW-Schicht
Letzte Woche durfte ich ja mal wieder auf dem RTW ran. 7 Uhr ist regulärer 12h-Schichtbeginn am Wochenende. 6:50 Uhr, ich stehe gerade in der Umkleide, geht der RTW Melder. „Notfalleinsatz – Hausbrand in *8kmentfernt* – vermutlich keine Personen im Gebäude. “ Dann wurde ich schnell mit dem Umziehen, so dass wir 2 Minuten später im Auto saßen und mit SoSi in Richtung Einsatzort fuhren.
Dort angekommen erwarteten uns 4 Dorffeuerwehren, der Einsatzleiter Rettungsdienst und die Pol. Schon bevor wir angekommen waren wurde „Feuer aus“ gemeldet. Zur Sicherheitsabstellung für die eingesetzten Feuerwehrleute blieben wir dann noch ca. 45 Min. vor Ort, bevor wir wieder einrückten.
Ansonsten gab es dann noch einen Notfalleinsatz in ein Altenheim. „Zustand nach Sturz“. In der Einfahrt des Heims war eine kleine Blutlacke und der Patient erwartete – wie es halt immer ist – im 2.(!) Stock :D. Er war 3-fach orientiert, gab an, dass ihm die Beine versagt hätten und er keinerlei Schwindel oder sonstwas verspürt hätte. Gangunsicherheiten gehören halt zum Alter so wie die Falten. Nach Stifneckanlage und kurzem Bodycheck durfte er auf unserer Trage Platz nehmen und wurde dann in ein Haus mit MKG gebracht, um seine kleine Platzwunde auf der Nase versorgen zu lassen und eine Fraktur auszuschließen.
Das Highlight des Tages erreichte uns dann 1,5h vor Dienstende. Wieder ein Sturz im häuslichen Bereich. 70-jährige Patientin war auf dem Teppich ausgerutscht und klagte über Schmerzen unterhalb des Beckenknochens. Eine genauere Untersuchung war nicht möglich, da sie höllische Schmerzen hatte. Nachforderung des NAW war dann reine Formsache. Nach ein paar Drogen kam dann auch das nette Lächeln und die schmerzlose Umlagerung auf die Vakuummatratze mit der anschließenden Fahrt ins Krankenhaus.
Am Sonntag steht eine KTW Schicht mit 2 Kameraden der Wasserrettung auf dem Programm. Näheres dann nächste Woche.
1 comment November 27, 2008
Kurzer Rundumschlag
Es ist echt Wahnsinn, wenn man auf meine Besucherzahlen schaut. Auch 6 Monate nach Beendigung des Dreckszividaseins schauen hier noch täglich >100 Leute vorbei, egal ob ich einen Beitrag geschrieben habe oder nicht. Da – situationsbedingt – die Geschichten im Moment weniger sind, werde ich jetzt auch öfter auf Themen eingehen, die ich Internet oder in Magazinen finde und für diskutabel halte.
Das Rettungsdings ist mittlerweile 8 Jahre unter der Blaulichtzunft und berichtet von seinem 3 Toten in seiner gesamten „Laufbahn“. Und was er da sagt, stimmt. Es gibt einfach Leute, die die Scheiße anziehen und es gibt Leute, die sin froh, wenn sie die Defi-Prüfung jedes Jahr wieder schaffen, weil sie keinerlei Möglichkeit zum „Üben“ hatten.
Abgesehen von ein paar Wasserleichen bin ich im Regelrettungsdienst noch nie auf einen Toten getroffen. Eine Story hat sich mir jedoch ins Gehirn eingebrannt, weil solch ein Handeln fast nicht mehr zu finden ist. Hauptamtlicher Kollege und ich damals als Zivi werden in einen großen Stadtteil der Musterstadt gerufen. Schickes Einfamlienhaus. Wir werden von der sehr betrübt schauenden Tochter empfangen und ins Wohnzimmer geführt. Dort liegt ihre Mutter. Ich weiß es nicht mehr genau, aber die Frau war glaube ich zw. 90 und 93 Jahren alt. Neben kleineren Zipperlein hatte sie nicht einmal irgendwelche erwähnenswerten Vorerkrankungen, aber sie war halt einfach schwach und – wie man in Medizinierkreisen sagt – präfinal.
Nach langem hin und her, ob wir sie ins KH mitnehmen sollen oder ob sie im Kreise der Familie bleiben soll, sagte die Tochter dann: „Wissense, ich geh da von mir aus und ich hätte keine Lust in dem Alter noch in der wackligen Kiste in KH geschippert zu werden nur, um dort dann unter Neonröhren die Augen zum letzten Mal zu schließen“. UND WIE RECHT SIE DOCH HATTE! Die Frau durfte letztendlich dort liegen bleiben, wo sie lag und im Kreise der Familie versterben. Schade, dass es sowas nicht öfter gibt…
Aber noch zu einem anderen Thema: Die Hypnosekröte hat es endgültig gepackt und zählt ab sofort zu den Druiden. Schade, dass diese ganzen Blogs so anonym ablaufen (müssen) sonst hätte man sich ja mal auf eine NEF Schicht treffen können :D
Von mir gibt`s höchstwahrscheinlich am Sonntag wieder nach meiner RTW-Schicht etwas zu lesen… hauta rein!
1 comment November 21, 2008
Unser Gesundheitssystem als Exportschlager
Als BWL-Kragen-hoch-Student bilde ich mich natürlich auch außerhalb der Uni weiter und so kaufe ich mir seit Beginn des Semesters die Wirtschaftswoche. In der aktuellen Ausgabe ist ein zweiseitiger Artikel über das deutsche Gesundheitssystem, der natürlich sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.
Frank Heimig, Geschäftsführer des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus, berichtet dort über das große Potential des deutschen Systems. „Von mir werden Sie nicht hören, dass unser System gut ist“, lässt er verlauten, erwähnt jedoch im gleichen Atemzug, dass das System von Jahr zu Jahr besser würde und er weltweit keines gesehen hätte, das besser wäre.
Das ausgesprochene Lob zielt in erster Linie auf die Fallpauschalen ab, die im Laufe einer Reform eingeführt wurden. 2000 Euro bringt eine Blinddarm-OP ohne Komplikationen und für eine Knochenmarktransplantation berappen die Kassen 45000 Euro. Früher hingegen wurde einfach nach „Tagen im Krankenbett“ abgerechnet, so dass man Patienten (wird gemunkelt) oft länger als nötig im Hause behielt, wenn die Betten nicht ausgelastet waren.
Im Umkehrschluss könnte man denken, dass Patienten heute so früh wie möglich wieder „rausgeschmissen werden“. Die Antwort auf diese Frage, die eigentlich eine Aussage darstellt ist aus meiner Sicht „Jein“. Schon oft habe ich mir gedacht, warum ich Opa Berthold, den ich vor 4 Tagen mit einer Pneumonie abgeliefert habe jetzt schon wieder abhole und er immer noch hustet, dass man meinen könnte, er hätte seinen Hund mit im Handgepäck. Aber 1. bin ich kein Arzt und 2. werden die schon wissen, was sie tun. Aber vielleicht ist eine längere Behandlung aufgrund der Fallpauschale für eine Pneumonie einfach nicht rentabel?!
1192 dieser Fallpauschalen kennt das System bis jetzt. Sobald ein Patient eingeliefert wird, errechnet es aus Diagnose, Behandlungsmethoden und Schweregrad die jeweilige Pauschale. Dadurch werden die Häuser dazu animiert möglichst kosteneffizient zu arbeiten, so dass am Schluss ein Plus übrigbleibt UND der Patient wieder gesund ist.
Die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern ist seit der Reform auch gesunken. So waren es im Jahr 2000 bei knapp 17,2 Mio. Fällen im Schnitt 9,7 Tage, die ein Kranker auf Station verbrachte, während 2006 der Durchschnittspatient (von 17.1 Mio. Fällen) schon nach 8,4 Tagen entlassen wurde.
Der verfrühten Entlassung wirkt eine Regelung entgegen, die dem Krankenhaus bei einer zu kurzen Liegezeit des Patienten, Leistungen wieder streicht bzw. den Regelsatz heruntersetzt. Das Nutzenmaximum für das Haus dürfte also knapp über dieser Mindestliegezeit liegen.
Skeptiker hingegen führen, nach der Überprüfung von tausenden von Krankenhausrechnungen, an, dass das System Lücken hätte. So bekomme ein Krankenhaus für 171 Beatmungsstunden 10 000€(!) mehr als für 170h.
Staaten wie die Schweiz, China, Zypern, Großbritanien und Irland zeigen Interesse an dem deutschen Vorbild. Für den Beitragszahler könne die eine Entlastung in 7-stelliger Höhe bringen, wenn es zum Verkauf komme, heißt es in der Szene.
Quelle: Wirtschaftswoche 47, Seiten 46/47 – Alle Rechte bei WirtschaftsWoche, Michaela Hoffmann
P. S. Samstag fahr ich RTW – freut euch auf bisschen was neues an Content.
Add comment November 19, 2008
Nachtschicht
Moin allerseits,
von gestern auf heute hieß es Nachtschicht für mich und einen meiner Lieblingskollegen. Nachdem wir eine Frau mit Borderline aus einer psychiatrischen Einrichtung ins nächste KH mit chirurgischer Abteilung gefahren hatten, kam das „C“ aufs Display geschossen. Fahrzeug 72/x – Nach *4kmweg* zu Hansmüller – unklares Abdomen, Arzt am Einsatz. Wir also da hin. Uns erwartet ein ca. 55 jähriger Patient, mit starken Unterbauchschmerzen, die „schubweise“ auftreten würden. Der Hausarzt wollte sich anscheinend auch nicht weiter festlegen und hatte auf seine Einweisung auch nur „unklares Abdomen“ geschrieben. Aufgrund der starken Schmerzen (trotz bereits eingenommener Tabletten) entschieden wir uns dann für den schnellstmöglichen Transport ins KH.
Danach hätte ich bis 12 Uhr noch eine Niereninsuff anzubieten und weitere „Taxifahrten“ bzw. problemlose RÜckverlegungen innerhalb der Krankenhäuser der Stadt. Da ich heute ausschlafen konnte, entschied ich mich gegen das Bett und für Kaffee und Couch und „machte durch“. Um 2:45 Uhr – mein Kollege war übrigens vor 30min ins Bett <- haha – ging dann wieder der Piepser. „Zum Krankentransport“ klang es etwas müde aus dem Lautsprecher.
Nach Drücken von Status 5 (Sprechwunsch, in diesem Fall „schreibklar“) hieß es dann nur „fahrts mal Richtung *30min weg* dort ein männl. Patient mit Übelkeit, Erbrechen und Schüttelfrost – Sohn möchte Hausarzt nicht wecken“. Ich denk mir so „WTF?“ und schaue meinen Kollegen an, der die Augen irgendwohin verdreht. Ich quittiere mit einem „ja…*schnauf*… verstanden…“, der Kollege in der Leistelle „lächelt“ uns hörbar zu und meint nur so“ja Iiiii kann nix dafür“. Ende vom Lied war dann, dass uns der ältere Herr fast schon entgegensprang, als wir aus dem Auto ausstiegen. Selbst beim Einsteigen in den KTW wollte er sich nicht helfen lassen… und dann kam der Satz, wo sich meine Halsvenen jedesmal aufs Neue stauen: „Ich fahr dann gleich hinter ihnen her“…. DANKE, lieber Sohn des Patienten… und WAS MACHEN WIR JETZT HIER?…
So oft hören wir von Leuten mit fetzen Apoplex im Gesicht (bzw. von deren Angehörigen) „wir wollten nicht in der Nacht anrufen“ – „is ja nett, wäre aber besser gewesen :-/“… und dann kommen wieder solche Knüller…
Aber was reg ich mich auf, bin ja selber Schuld, zwingt mich ja keiner…
Add comment November 14, 2008
Ich lebe noch…
Ja, wirklich, ich bin dem MRSA noch nicht zum Opfer gefallen. Zur Zeit befinde ich mich in einigermaßen gutem AZ im ersten Semester meines BWL Studiums. Nach einem 17h Tag am Mittwoch (davon 15h nur im Auftrag der Uni, sprich Vorlesungen + Nach- und Vorbereiten), folgte ein 10h Uni-Tag am Donnerstag, bevor ich meinen (wöchentlich) freien Freitag (der heißt ja nicht umsonst so, oder?) genießen durfte.
Am Samstag dann die Überraschung. Eine Wasserrettung stand mal wieder auf dem Programm. Meldebild war „Person droht von Brücke zu springen“. Zusammen mit DLRG, Berufsfeuerwehr, Polizei und Rettungsdienst wurde auch die Wasserwacht alarmiert. Ziel war eine Brücke im Stadtnorden der Musterstadt. Die Fahrbahn selbst befindet sich nur ca. 15 Meter über der Wasseroberfläche, aber der riesen Aufbau ist noch einmal so hoch. Kurz nach dem Slippen konnte man schon mit bloßem Auge erkennen, dass da jemand oben stehen würde. Gleichzeitig kam die Lage vom Einsatzleiter Wasserrettung, dass wohl ein Abschiedsbrief gefunden worden wäre.
Zusammen mit den Kollegen sicherten wir mit 3 Booten einen ca. 30 Meter großen Bereich und stellten so eine frühstmögliche Rettung im Falle eines Falles sicher.
Der Höhenrettungszug der BF konnte den Mann dann dazu überreden sich von ihnen nach unten begleiten zu lassen, wo er dann in die Hände der Polizei übergeben wurde.
Auch mal schön, wenn man NICHT eingreifen muss, um eine Leiche zu bergen, sondern die ganze Sache „friedlich gelöst werden kann“.
Im November fahre ich 2 KTW-Schichten. Da gibt es sicher die ein oder andere Anekdote für euch.
2 comments November 3, 2008


