Archive for Februar 2009
Bub verblutet auf Rodelbahn
Gerade heute ist es in den Nachrichten. Beim Rodeln hat sich ein kleiner Junge in der Nähe von Regensburg / Straubing mit einer Flaschenscherbe den Oberschenkel aufgeschlitzt und ist wenig später verblutet. Wer einmal eine arterielle Blutung gesehen hat, der weiß wie schnell man sehr viel Blut verlieren kann. Eine arterielle Blutung muss definitiv als lebensbedrohlich eingestuft werden. Schnelle und effiziente Hilfe ist vor Ort selten möglich. Doch wie verhält man sich am besten?
Das allerwichtigste ist, dass UNVERZÜGLICH ein Notarzt und ein RTW bestellt werden. Der Patient braucht eine aggressive Volumentherapie mit kolloidalen und kristallinen Lösungen. Beispiele hierfür sind HAES, Hyper-HAES und NaCl / Ringerlösung.
Für dich als Ersthelfer zählt nur eines: Schaden begrenzen. Betroffene Extremität hoch halten und abdrücken. Man muss mit allen Mitteln versuchen, die Blutung zu stillen bzw. zu verlangsamen. Wenn das mit dem Abdrücken nicht ausreicht, würde zumindest ich als allerletzte Möglichkeit das Abbinden wählen (auch wenn das nicht der aktuellen Lehrmeinung entspricht). Absolute Priorität hat dann die schnelle Verbringung in ein Krankenhaus, wo die Wunde operativ versorgt werden muss und evtl. durch Bluttransfusionen das verloren gegangene Blut substituiert werden muss.
Mein Mitgefühl an alle, die von diesem tragischen Unfall betroffen waren. Die Einsatzstelle war (laut RTL Nachrichten) mehr als suboptimal. Der Unfall passierte auf dem Rodelberg und der RTW konnte nur von unten her an die Einsatzstelle fahren. Wo da die Zeit liegen geblieben ist, kann man sich natürlich denken. Darüber, ob die ganze Sache glücklicher ausgegangen wäre, wenn die Retter schneller beim Patienten gewesen wären, lässt ich nur spekulieren.
3 comments Februar 23, 2009
Mit einem Bein im Gefängnis
steht man als RS/RA sowieso von Haus aus. Wer nicht höchste Sorgfalt bei seinem Handeln walten lässt, findet sich schneller vor dem Staatsanwalt als ihm lieb ist. Ein ganz pikantes Thema habe ich in der lokalen Presse aufgegriffen. Ein Mann hat seinen Freund bewusstlos aufgefunden und über die Rettungsleitstelle einen Notarzt nebst RTW angefordert. Laut Zeitung erwähnte er, dass „Heroin im Spiel“ sein könnte. Kurz nachdem der Patient in ein Krankenhaus verbracht wurde, stand die Polizei vor der Tür und durchsuchte mit der Begründung „Gefahr im Verzug“ die Privaträume des Patienten.
Nun wurde eine Anzeige gegen Unbekannt (laut Vermutung der Lokalpresse gegen den Leitstellendisponenten) gestellt. Der Vorwurf lautet: „Verletzung der Schweigepflicht“. Ich bin kein Jurist, aber ich habe das dumpfe Gefühl, dass der Disponent in diesem Fall wirklich Ärger bekommen könnte (falls er die Infos überhaupt weitergegeben hat).
Bei einem VU wird ja die Pol auch von Anfang an mitalarmiert, was sich auch zum Nachteil eines Patienten auswirken könnte…zweischneidiges Schwert…
4 comments Februar 23, 2009
Zustände…
Man kann sich ja über das deutsche Gesundheitssystem auslassen wie man will, aber so wie es in Tokio zugeht…
Tokio (AFP) – In Japan ist ein verletzter Radfahrer von 14 Krankenhäusern abgewiesen worden und dann gestorben. Die Kliniken hätten alle darauf verwiesen, dass sie schon überfüllt seien, berichteten die Behörden am Mittwoch. Der 69-Jährige war in Itami im Westen des Landes bei einem Verkehrsunfall verletzt worden. Nachdem ihn 14 Krankenhäuser nicht aufnahmen, fanden die Rettungskräfte schließlich nach drei Stunden eine Klinik für ihn. Dort erlag der Radfahrer seinen Verletzungen.
Quelle: MSN
In Deutschland hätte es das übrigens nicht geben können. Die Krankenhäuser sind verpflichtet Notfallpatienten aufzunehmen und eine Erstversorgung vorzunehmen. Eine Weiterverlegung in ein Haus mit weniger Auslastung ist dann naürlich möglich. In Anbetracht dieser Tatsachen sieht man auch, dass das „Abmelden bei der Leitstelle“ in Wahrheit keine Abmeldung ist, weil die Leitstelle jederzeit ein Haus zwangsbelegen darf.
8 comments Februar 14, 2009
Der Grippewelle entkommen
Die einfachste und billigste Arznei gegen die Grippe ist immer noch mehrmaliges Händewaschen pro Tag! Sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber wie oft vergisst man das einfach so?
5 comments Februar 4, 2009
Die Rettungsleitstelle
Über wenig Sachen wird im Rettungsdienst soviel geschimpft wie über die Stör… pardon… Leitstelle. Die meisten der verbalen Entgleisungen beruhen aber auf dem manchmal doch recht eigenwilligen Humor der Retter. Die Wahrheit ist, dass die Leitstelle ohne uns und wir ohne sie nicht könnten.
Wir erreicht man die Leistelle? Mittlerweile gilt in ganz Europa die Rufnummer 112. Mit Englisch müsste man eigentlich in jeder Leitstelle an sein Ziel kommen.
Groß im Kommen sind zur Zeit die sog. Integrierten Leitstellen. Dort werden Rettungsdienst und Feuerwehr parallel koordiniert. In der Regel sitzen einige der Feuerwehrler am Telefon und nehmen die Anrufe entgegen, während der andere Teil an den Funktischen Platz nimmt.
Wie läuft nun ein Notruf ab?
Notfall passiert – Passant wählt 112
Der Telefonist geht ran und meldet sich mit Feuerwehr und Rettungsdienst (wenn man Glück hat auch noch mit seinem Namen ;-)). Nun wird er eine kurze Sprechpause machen und der Dinge harren, die da kommen.
Sollte nichts vom Anrufer kommen, wird er fragen, was, wann, wieviele Verletzte und was sonst noch so von Belang ist. Während dem Gespräch hackt er das schon alles in die EDV. Nachdem alles geklärt ist, schickt er das Ding in Richtung Funktisch. Dort sieht der Disponent, ob es sich um einen Notfall oder einen Krankentransport handelt und kann dann dementsprechend die richtigen Fahrzeuge alarmieren.
Ist das Fahrzeug in Status 1 (Frei auf Funk) wird es zunächst über Funk angesprochen, erfolgt keine Antwort, wird der Melder ausgelöst gefolgt von einer kleinen Durchsage wie z.B. „Rettung Musterhausen 71/2 – Notfalleinsatz Musterhausen“.
Beim Krankentransport, wo es nicht auf Sekunden ankommt, wird in der Regel das Wachtelefon gewählt, um den Funkkanal zu entlasten.
Nach Beendigung des Einsatzes wird der Leitstelle noch der Name des Patienten mitgeteilt, woraufhin eine Auftragsnummer durchgesagt wird, die für die Abrechnung des Einsatzes später am Wachcomputer relevant ist.
Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick geben. Viele meiner Leser wissen ja eh wie es läuft ;-)
7 comments Februar 2, 2009


