„und bring Geld mit“

März 2, 2009

Ich frage mich jedes Mal aufs Neue, wieso es heutzutage immer noch Leute wie mich gibt, die sich ehrenamtlich engagieren. Rational ist das mit Sicherheit nicht.

Szenario: 12h-Schicht, Wochenende, tagsüber

Aufwendungen:

6:15 Uhr… Auf in Richtung Wache… mit dem Roller… Spritkosten 50 Cent

7 Uhr Dienstbeginn… 1-2 Kaffee… 80 Cent

8:00 Uhr Frühstück vom Bäcker… Leberkässemmel + Käsestange… 2 Euro

Schachtel Zigaretten („selber Schuld“… rechne ich nicht mit ein)… 4 Euro

12 Uhr Mittagessen im Krankenhaus… 3 Euro… wenn was dazwischen kommt Fast-Food um 15 Uhr… 7 Euro

Nachmittagskaffee… 80 Cent

19 Uhr Dienstende… Heimfahrt… Sprit… 50 Cent…

Unterm Strich exklusive Zigaretten: 9,60 (5€ fürs Mittagessen gerechnet)

Wer die durchschnittliche Aufwandsentschädigung kennt, weiß, wie viel dann nach Abzug aller Kosten 1h Arbeit in die Geldbörse spült…

wie gesagt… rational ist das nicht zu erklären… allenfalls mit „Selbstverwirklichung“ und „Hobby“

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15 Comments Add your own

  • 1. DomDom  |  März 2, 2009 at 10:13

    Es ist wirtschaftlich nicht erklärbar, das ist wohl klar. Wohl aber würde ich es akzeptieren, wenn man es als Hobby oder eben des Interesses wegen macht.
    Sicherlich könnte man die Kosten auch noch drücken, wenn man wollte, oder hattest du während des Zivildienstes ähnliche Ausgaben jeden Tag? :-)
    Bei den ehrenamtlichen Rettungsdienst-Diensten macht mir viel mehr zu schaffen, dass man dort die Arbeit macht, die sonst festangestellte Mitarbeiter erledigen würden/sollten. Aber ohne Zivis/(Jahres-)Praktikanten/Ehrenamtliche wäre das ganze noch weniger finanzierbar.
    Also: einfach mal den ideellen Wert betrachten und noch einmal abwägen. Das wird imho unterschätzt.

    Antworten
  • 2. Potassium  |  März 2, 2009 at 10:20

    Bei uns gibts ned mal ne Aufwandsentschädigung. Da hast einfach nur ein Minus im Börsel, außer es gibt Trinkgeld.

    Antworten
  • 3. Michael  |  März 2, 2009 at 10:59

    @Torschtl: Deshalb heißt es ja auch… äh… „ehrenamtlich“ und „Aufwandsentschädigung„, und nicht „Lohn“. Wobei ich mehr natürlich auch besser fände… :)

    Antworten
  • 4. Gucky  |  März 3, 2009 at 3:38

    Essen und Trinken mußt du zuhause auch. Selbst wenn du nix tust… :mrgreen:
    Aufwandentschädigung für Mehraufwendungen finde ich O. K. , aber mehr wäre Lohn und dann wäre es nicht mehr ehrenamtlich !

    Antworten
  • 5. retterblog.de  |  März 3, 2009 at 5:32

    Das ist ja mal was ganz anderes!
    Jetzt beschwert sich ein Ehrenamtlicher schon, dass er dafür, dass er den professionellen Rettungsassistenten die Existenzgrundlage entzieht kein Geld dafür bekommen.
    *kopfschüttel*

    „Aber ohne Zivis/(Jahres-)Praktikanten/Ehrenamtliche wäre das ganze noch weniger finanzierbar.“
    Aha?! Reine Schutzbehauptung um das eigene Hobby gegen jeglich Form der Kritik zu verteidigen?
    Im Straßenbau wird mehr Geld verbraten. Warum ist man da noch nicht zum Wohle der Allgemeinheit auf Ehrenamt umgestiegen? Würde bestimmt mehr Einsparungen bringen als beim Rettungsdienst.

    Ich finde es nach wie vor unerträglich, dass es in Deutschland möglich ist, in einem so sensiblen Gebiet wie dem Rettungsdienst hobbymäßig „Held zu spielen“.

    Warum sucht denn keiner seine „Selbstverwirklichung“ beim Zeitungvorlesen im Pflegeheim? Das wäre etwas was sonst keiner tut, man würde niemanden den Job klauen und könnte viele Menschen glücklich machen…

    Ehrenamtliche sind wichtig! Aber nicht im Rettungsdienst! Veranstaltungen absichern, die ohne Sanitätsdienst nicht starten dürften…

    Antworten
  • 6. torschtl  |  März 3, 2009 at 7:25

    ich sehe mich zwar nicht als großen rettungshelden und bin auch nicht besonders blaulichtgeil, noch gebe ich höchste kompetenz vor. dennoch wage ich mal zu behaupten, dass ich nach dem zivildienst und 3 monaten zeitvertrag eine marginale ahnung von dem habe, was ich beim patienten tue.
    das ehrenamtliche fahren ist bei mir eigentlich nur die absicherung, dass ich in den nächsten ferien wieder sicher eine befristete stelle bekomme, damit ich mir auch weiterhin das studieren leisten kann..

    man kann gerne (auch wenn ich dir das hier nicht unterstelle) jeden angreifen, der seine kurse gemacht hat und dann die pflichtstunden abgeleistet hat und seitdem nicht mehr auf dem auto gesessen ist, dass er keine ahnung habe, von dem was er tue, aber ich glaube, dass ich das zigfache an stunden habe, die eigentlich für eine ausbildung zum rs nötig wären.

    und das, was dem ein oder anderen vielleicht an kompetenz fehlen könnte, gleicht er sehr sehr oft einfach durch motivation aus, die den kollegen, die seit 15 jahren in dem job sind, abhanden gekommen ist….

    und warum das in deutschand möglich ist, fragst du dich? Weil es genug Leute gibt, die keinerlei Sanitätsdienst mehr machen würden, wenn sich nicht ab und zu „als belohnung“ aufn KTW / RTW dürfen… traurig aber is so…

    noch dazu ist es in den satzungen von DRK, Johannitern usw. festgelegt, das ein gewisser Anteil ehrenamtlich erbracht werden MUSS…

    Antworten
  • 7. DomDom  |  März 3, 2009 at 4:37

    @retterblog.de: Meine Intention war nicht die Rechtfertigung von Ehrenamt im Rettungsdienst. Aus den Gründen, die ich genannt habe, bin ich eben nicht ehrenamtlich im Rettungsdienst.
    Natürlich wäre es super, wenn es nur hauptamtliche, also auch keine Zivis, und angemessen bezahlte Jahrespraktikanten im Rettungsdienst arbeiten würden. Das würde dem Beruf vielleicht auch eine bessere Anerkennung und Lobby verschaffen, ist aber zur Zeit Utopie.
    Aber meine Ansicht nach trifft zu: „Wenn ich es nicht mache, macht es eben jemand anders“.
    Und vielleicht ist jemand wie torschtl als Ehrenamtler ja doch besser für das Berufsbild als ein Zivi der nur mit Blaulicht fahren will?
    Andererseits kann ich manche hauptamtliche Mitarbeiter oftmals nicht verstehen: Gewettert wird generell gegen das Ehrenamt, da die Leute ja generell von nichts Ahnung haben und auch in ihrer Freizeit wohl nix besseres zu tun hätten. Die Gründe hierfür konnte ich mir bisher nicht erklären. Glauben sie etwa, man könnte ihren Platz streitig machen?

    Antworten
  • 8. retterblog.de  |  März 4, 2009 at 7:20

    @DomDom: Über die Qualität der Arbeit habe ich mich doch noch gar nicht ausgelassen :D

    Glauben sie etwa, man könnte ihren Platz streitig machen?

    mh… Tun sie doch?! Jeder, der ohne Bezahlung das macht womit ich meine Brötchen verdiene, sorgt dafür, dass ich in der Zeit in der er seinem Hobby frönt, ich kein Geld verdienen kann. Wie nennst Du das wenn das keine Verdrängung ist?

    Ich arbeite in Schleswig-Holstein und wir haben das große Glück das schärfste RD-Gesetzt bundesweit zu haben. Hier ist es fast unmöglich Zivis im RD einzusetzen.

    Warum aber immer wieder Menschen in einen so sensiblen Bereich für Hobby drängen ist mir absolut schleierhaft! Ich müsste doch einen Sockenschuss haben, wenn ich eine Tätigkeit hobbymäßig ausübe, die zum einen extreme verantwortungsvoll ist (manchmal zumindest) und zum anderen gesetzlich so schlecht abgesichert ist wie kaum ein anderer medizinischer Beruf. Mit dem Fischkopp hatt ich da auch schon mal eine Diskussion in der es um Erfahrung geht. Und der Beruf des RettAss lebt nun mal von Erfahrung und die kann ich nicht in zwei Diensten im Monat sammeln…

    Mit Historie kann da auch keiner kommen, da der RD nicht wie andere „Rettervereinigungen“ ehrenamtlich gewachsen ist. Die Wurzeln liegen bei privaten Unternehmen. Die ersten „Retter“ wahren Fuhrunternehmer, die Geld verdienen mussten…

    Es gibt so viele soziale Projekte die nach ehrenamtlichen Helfern schreien. Keiner bezahlt die Unterstützung von Ausländern bei Behördengängen oder Zeitungvorlesen im Pflegeheim.
    Also auf zu neuen Ufern!

    Antworten
  • 9. torschtl  |  März 4, 2009 at 1:18

    und wenn mir zeitunglesen eben nich so viel spaß macht wie jemandem mit einem kleinen tipp erleichterung beim atmen schffen?

    fakt ist, dass es hier bei uns geht, dass der bedarf an ehrenamtlichen groß ist und dass ich auch weitermachen werde. ohne schelchtes gewissen. viel mehr sähe es so aus, dass ich bei der vergabe von zeitverträgen dann weiter in der liste nach unten rutchen würde…

    Antworten
  • 10. DomDom  |  März 4, 2009 at 4:53

    @retterblog.de: Na eben nicht. Du solltest genug Selbstvertrauen haben, um dich in der Hinsicht vom Ehrenamtler abzugrenzen. Du bist schließlich die Fachkraft. Der Ehrenamtler mit 2 Diensten/Monat wird dir den Job vermutlich nicht wegnehmen. Und zumindest bei uns gibt es nicht genügend Ehrenamtliche, als dass man dadurch den Stellenplan kürzen könnte. Oder passt euer Stellenplan so exakt, dass ihr nie eine positive Stundenzahl am Ende des Monats stehen habt? Oder macht ihr gar alle Minusstunden? Dann steht der Rationalisierung ja nichts mehr im Weg :-)
    Wenn ihr euren Ehrenamtlichen gegenüber etwas netter seid und ihnen vielleicht auch etwas beibringt, dann habt ihr sowohl gute Ersthelfer ausgebildet, als auch gute Öffentlichkeitsarbeit gemacht.
    Ändern kannst du eh nichts, denn das Ehrenamt wird gebraucht.
    Vielleicht nicht im Rettungsdienst, aber in der Bereitschaften, wenn der MANV kommt oder das nächste Hochwasser.

    Antworten
  • 11. retterblog.de  |  März 4, 2009 at 7:34

    Wer sagt denn, dass wir nicht nett zu den Ehrenamtlichen sind? Ich glaube das hab ich schon sooo oft geschrieben, dass in „meinem“ RTW immer ein Platz frei ist für einen „Dritten“. Warum auch nicht. Und dass das Ehrenamt gebraucht wird hatte ich oben schon geschrieben.
    Unsere SEG wird übrigens bis auf einige Ausrüstungsteile wie Zelte und Feldküche usw. von den hauptamtlichen Kollegen gestellt…
    Es gibt bei uns im Beritt einen Ort, wo es eine große Hiorg mit Hilfe von Lobbyisten in der Politik es geschafft hat, am Wochenende einen RTW zu besetzten. Dafür wurden auf der Rettungswache in dem Ort Stellen gestrichen.

    Mein „Gemerker“ ist also keineswegs abstrakt.

    Es ist schade, dass die Damen und Herren nicht mal ein schlechtes Gewissen dafür haben…

    @torschtl
    Eine Frage hab ich da noch: Was war zu erst da, das Ei oder das Huhn? Leute die gesagt haben sie machen das umsonst oder Krankenkassen die keinen RTW bezahlen wollten? (siehe oben)
    Der Bedarf an kostenlosen Arbeitskäften ist doch nur so lange groß, wie es Menschen gibt die bereit sind das mit sich machen zu lassen. Wenn das keiner mehr tut, werden ganz schnell Leute eingestellt.
    Mir fällt so spontan keine anderer Bereich ein, in dem professionelle Kräfte von ehrenamtlich so massiv verdrängt werden wie im Rettungsdienst!?

    Und ich hoffe nicht, dass Du deinen Spaßfakor mit der Existenz von Arbeitssuchenden auf eine Stufe stellst…

    Antworten
  • 12. DomDom  |  März 4, 2009 at 11:13

    OK. Ich kann den Unmut verstehen, wenn einem tatsächlich so dreist die Stellen abgenommen werden. Da mag man sich auch nach dem Sinn fragen.

    Leider ist aber auch die Grenze zwischen dem Sanitätsdienst-/KatS-Ehrenamt und dem Rettungsdienst sehr verwaschen mittlerweile.
    Letztlich könnte man jedes Ehrenamt streichen und somit Leute dafür bezahlen, einer bestimmen Aufgabe nachzukommen und sei es nur Vorlesen im Altenheim.

    Aber schlussendlich können wir es doch nicht ändern. Meine Haltung ist da sehr ambivalent inzwischen. Mein Anteil Egoismus sagt mir, dass ich gerne ab und zu noch auf dem RTW mitfahren würde um Kenntnisse frisch zu halten. Dagegen spricht mein soziales Gewissen und die Verachtung der Hauptamtlichen.

    Mein Mittelweg bleibt es, als First Responder tätig zu sein und auch dort manchmal bei Hauptamtlichen anzuecken. So bleiben die Kenntnisse auf einem akzeptablen Stand, aber die RS-Fortbildung bekomme ich doch nicht. :-(

    Antworten
  • 13. schmidty  |  März 5, 2009 at 6:53

    hallo, ich lese schon lange still mit, weil mich das thema rettung interessiert und muss dann doch mal was fragen.
    torschtl du hoffst auf eine anstellung in einem unternehmen und um das zu erreichen arbeitest du dort ohne bezahlung?
    ist das nicht etwas paradox?
    so wie ich das verstehe blockierst du doch mit deinem ehrenamt die stelle, die du eigentlich mit vertrag und gehalt machen möchtest?
    ich finde in dem punkt hat „retterblog“ doch recht. wenn ihr hingeht und sagt „so jetzt ist schluss“ dann müsste eure firma doch einstellen da sonst die autos nicht mehr fahren würden?!

    die logik ist mir zu hoch…

    gruß schmidty

    Antworten
  • 14. o2junkie  |  März 6, 2009 at 7:34

    Ich finde es auch schwierig. Bei uns wollte man nun auch einen 1 mal im Monat eine Schicht ehrenamtlich besetzen. Ich hab mich dagegen ausgesprochen, weil ich das auch nicht dolle fände, wenn meinen Haupt-Job jemand kostenlos macht, weil er gerne mit PCs rumspielt. Außerdem sind die Ehrenamtlichen in vielen Bereichen von den Hauptamtlichen abhängig (mal als 3. mitfahren, Ausbildungen halten) als das man sich das Verhältnis deswegen kaputt machen müßte.

    Meine Lösung: Wenn ich mir dem RS fertig bin, fang ich auf Basis einer 400€-Stelle an. Das sind 5 x 12 Stunden-Schicht im Monat und neben einer Vollzeitstelle machbar, wenn man von den Arbeitszeiten her flexibel ist. So kann man regelmäßig mitfahren ohne schief angeguckt zu werden und man verdient noch ein bissel was.

    Was ich jedoch absolut beführworte: SEGler und Leute die Sandienst machen, sollten die Möglichkeit haben, als Dritte mitzufahren. Ich habe bei mir selbst gemerkt, wie viel einem das bringt. Ein paar Schichten RTW bringen mehr, als jedes Training. Und das wirkt sich auch auf die Qualität der Versorgung bei San-Diensten aus.

    Antworten
  • 15. torschtl  |  März 7, 2009 at 11:28

    @schmidty
    nein, ich blockiere nicht meine stelle. viele hauptamtliche kollegen wollen halt mit ihrer familie urlaub im sommer machen und darum herrscht zur sommerzeit chronische unterbesetzung. und in dieser zeit werden halt immer zeitverträge vergeben und da werden eben die bevorzugt, die auch unter dem jahr mal der RDL aus der patsche helfen, wenn not am mann ist.

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