Vereinsamen…

September 7, 2009

Ich hatte mal einen ekelhaften und gleichzeitig traurigen Einsatz zugleich. Wir wurden alarmiert zum Krankentransport. “Schlechter A(llgemein)Z(ustand)”. Dort angekommen erwartete uns ein altes, total heruntergekommenes Bauernhaus. Beim Betreten hob es mich zum ersten Mal. Geschätzte 25 Müllsäcke der letzten Wochen und Monate  lagen da herum und warteten auf Entsorgung. Spinnweben über Spinnweben und insgeheim war ich schon auf Ratten eingestellt, die wir dann aber nicht zu Gesicht bekamen.

Im ersten Stock erwarteten uns eine zersplitterte Wohnungstür und weitere Müllberge im Hausgang. An der Tür des Nachbarn steckten um die 15 Briefe und Postkarten. Wir betreten also das Zimmerchen in dem die alte Dame liegt. Der Enkel macht sie gerade abfahrbereit das Bett ist voller Kot und Erbrochenem, das teilweise schon eingetrocknet ist. Die Frau hat langes graues Haar und tiefe Falten im Gesicht. Die Einweisung des Hausarztes liegt, zusammen mit einem Medikamentenplan auf dem Küchentisch. “Pat. hat schwere Gastroenteritis, liegt in Erbrochenem und in Kot; Z.n. Apo; Z.n. nach Re-Apo; ….”. Der Enkel übernimmt seit Jahren die “Pflege”, wenn man das so nennen mag.

Mir persönlich tat die Patientin nur noch leid. Völlig immobil liegt sie wahrscheinlich Jahr und Tag in ihrem Bett, bekommt morgens und abends Besuch vom Enkel und ansonsten wartet sie eigentlich nur aufs Sterben… sowas betrübt mich.

Entry Filed under: Ernstes. .

2 Comments Add your own

  • 1. Sandy  |  September 10, 2009 at 10:48 pm

    Das sind solch Zustände wo ich wieder Hass bekomme , auf das Gesundheitssystem , ich meine wer kann sich in solch Verhältnissen noch einen Heimplatz leisten , es ist nicht immer das Pflegepersonal was ausgenutzt wird , sondern leider auch die Bewohner wo die Angehörigen sich nicht weiter zu helfen wissen trotz alledem hoffe ich für die Dame das sie dennoch die Chance bekommt im Krankenhaus durch den sozialen Dienst einen Pflegeplatz zu erhalten. Das sie zumindestens noch ein paar Monate in einer besseren Umgebung bekommt.

    Antworten
  • 2. Flori  |  November 25, 2009 at 12:34 am

    Was ich mich da immer frage, was sich die Angehörigen denken. Ich kann doch meine Mutter nicht so verkommen lassen. Und wenn es Dich als Rettungsdienstler beim betreten der Wohnung schon hebt, möchte ich mal wissen wie hoch die Kotzschwelle bei den Angehörgien ist.

    Echt traurig…

    Antworten

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