Ich dreh am Rad…
1. Der erste Tag nach dem (endlich beendeten) Klinikpraktikum und was hab ich die 6er Schicht vom KTW, die von 10:30 bis 19:00 geht… kotz
2. Der erste Tag und was für Einsätze bekommen wir?
- Liegend aus dem 2. Stock bei Z. n. Apoplex vor einer Woche mit fetzen Hemi- und Facialparese. Sprechen ging noch grad so, so dass ich erfuhr, dass bereits 2 Apoplexe (ich mag diesen Plural!) innerhalb des letzten Jahres nicht behandelt wurden. Kann wohl daran gelegen haben, dass der Hausarzt nicht einmal hinzugezogen wurde.
- Zwangseinweisung in eine geschlossene Psychatrie. Z. n. Ramazotti. All-Time Highscore bei Übergabe 4,2 Promille um 13 Uhr - Wow.
Was aber noch erschreckender ist: Pat. (weibl.) 3-fach orientiert, gehfähig und sogar Treppen waren kein Problem.
- Zwangverlegung von der Inneren in die geschlossene Psychatrie bei Z. n. Alkoholintox.
Das Ganze spielte sich in etwa so ab:
Patientin: “Ich geh nicht mit”
DrecksEXzivi und Kollege: “Sicher? - Überlegen Sie sich es lieber noch einmal”
Patientin: “Haltet die Fresse ihr Hurensöhne und Lackaffen”
DrecksEXzivi und Kollege: “Nanana”
Patientin: “Macht mich los” (war 4-Punkt fixiert)
D und K: “Ist das so eine gute Idee” (zur jungen Assistenzärztin schauend)
Arztschoof: “Die wird schon mitgehen”
D und K schauen sich an und grinsen: “Ja - probieren wirs mal”
Pat: “Macht mich los, dann komm ich mit” (wird losgemacht)
D und K: “Setzen Sie sich bitte in unseren Stuhl”
Pat: “Fick dich”
D und K: “Nanana”
nach weiteren 2 Minuten saß sie dann am Stuhl… genau 20 Meter bis wir in der Notaufnahme standen. Dort löste sie die Gurte, spuckte meinem Kollegen knapp am Gesicht vorbei aufs T-Shirt, versuchte ihn dann noch zu beißen, bevor er sein Recht auf Notwehr auspackte* und ihr die Arme mit seinen (MINIMAL stärkeren ;-)) Armen fixierte. Dass sie dann mit den Füßen ausschlug, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Um die kümmerte ich mich dann. Nach 20 Seknuden kamen dann auch schon wieder die Kollegen, die das Ganze gesehen hatten mit der neuen alten Liege in die Notaufnahmenzufahrt geschoben, wo wir unsere neu gewonnene Freundin drauflegten, bevor sie wieder 4-Punkt-fixiert wurde.
Anzumerken ist, dass die Pat. zu dem Zeitpunkt der Verlegung nicht mehr betrunken war und auch psychisch (offiziell) nicht krank ist. Ich finde es echt das Allerletzte so von wildfremden Menschen behandelt zu werden und mehr als Schade, wenn man dann in Notwehr handeln muss, um sich vor Verletzungen durch eine solche Furie zu schützen.
“Warum habt ihr sie nicht einfach mit der Polizei gefahren?”
In unserer gesamten Stadt war kein Streifenwagen mehr zu erreichen. Dass das keine faule Ausrede war, sondern der absoluten Wahrheit entsprach zeigte sich dann später, als ein RTW einer anderen Organisation fasst 1h an einer Unfallstelle zur Absicherung warten musste bis die grünen Kollegen das Ganze übernahmen.
Gefahren wurde sie dann von der Nachtschicht MIT Polizei… die werden ihre Freude gehabt haben…
P. S. Wir hatten sogar einen Ausschnitt eines ganz normalen KTW Tages. Tiefe Beinvenenthrombose mit beidseitiger peripherer Lungenembolie. Sättigung bei (für dieses Krankheitsbild) bombastischen 96%, Patientin gutgelaunt und nett und mehr als problemloser Transport… ja, auch das gibt es.
[* Ich möchte hier eindeutig betonen, dass wir nichts weiter gemacht haben außer Selbstschutz betrieben. Wir sind nicht handgreiflich geworden bzw. nicht über das Maß hinaus das nötig war, was wiederum bedeutet hat: Arme und Beine festhalten bis die Liege da ist. Das dieses Vorgehen rechtens ist, dürfte außer Frage stehen. 1. Lässt man sie laufen, stellt sie eine erhebliche Eigengefährdung da; 2. Aufgrund ihrer Aggressivität ist sie auch eine Gefährdung für andere; 3. Die hätte uns zerkratzt und gebissen als gäbe es kein morgen]