Beiträge getaggtAltenheim

Ideen beim Bier

Am vergangenen Freitag war nun unsere Ziviabschiedsfeier. Zwar kamen deutlich weniger Leute, als wir zunächst gedacht hätten, jedoch tat das der Stimmung keinen Abbruch. Bei dem ein oder anderen Bier und einem Haufen Grillfleisch saßen wir gemütlich beinander und redeten über die vergangenen 9 Monate und über Alles, was uns sonst noch einfiel. Und irgendwann zu später Stunde kamen wir dann auf einen Brand in einem Altenheim zu sprechen, der vor wenigen Wochen passiert war. Ein Bekannter / Freund / mein stellv. Bereitschaftsleiter erzählte Folgendes:

Es war mitten in der Nacht zwischen 3 und 4 als bei seinem Piepser sowohl die ELRD, als auch die UGRD-Schleife ausgelöst wurde… „Brandeinsatz – Altenheim *weiterweg*“. Ein Außenstehender wird es nicht verstehen, aber wenn der PIepser geht, dann MUSS man da hin… wie gesagt… verstehen Aussenstehende nicht :)

Um sich mal dem Punkt zu nähern… seine Frau – neben ihm schlafend – fragte ihn in etwa Folgendes:

„Wieso fährst DU jetzt da hin?“ und er antwortete laut eigener Aussage: „Weil da in dem Altenheim gerade zig Menschen genau wie ich jetzt auch wach sind und wir helfen können.“

Und ich finde, dass bei diesem Satz einfach keinerlei Arroganz dabei ist. Vielleicht kennt der Ein oder Andere die etwas ältere Werbekampagne des DRK in der man einen Mann ca. Ende 20 sieht, der bei strömendem Regen auf der Autobahn reanimiert. Und darunter steht der Satz: „Warum ich das mache? – Weil ich es kann“.

Und Recht hat er. Ich rede jetzt nicht von den tausenden Hauptamtlichen, die den Beruf des Rettungsassistenten ausüben. Da sehe ich Leben retten nicht als Heldentat, sondern schlicht und ergreifend als deren Job. Ich rede hier von den vielen Ehrenamtlichen, die da draußen herumschwirren, sei es bei der FF, beim THW, in Schwesterorganisationen des BRK oder bei den Maltesern und Johannitern.

Bei all diesen Leuten ist es nicht selbstverständlich, dass sie Leben retten. Sie machen es, weil sie Spaß am Umgang mit Menschen haben, weil sie es als ihre Pflicht sehen, sich zu engagieren und weil es schlicht und ergreifend die Wahrheit ist, dass es IRGENDWER ja machen muss…

Sicher kommt es nicht auf einen oder zwei mehr oder weniger an, aber die Masse macht`s – Und würde sich jeder sagen „Warum gerade ich?“ … ja dann… fährt zum nächsten Altenheimbrand keine alte Sau mehr…

2 comments Mai 26, 2008

Wenn Menschen alleine sind…

kommt es doch desöfteren vor, dass sie sich „gehen lassen“. So passiert auch vor einiger Zeit bei der folgenden Geschichte. Gegen Mittag wird ein Kollege von mir nach *ca.10kmentfernt* geschickt, um einen Patienten von seiner Wohnung in das Altenheim, dass nur 2km entfernt ist, zu bringen. Ich bekomme zufällig am Funk mit, dass der Patient den Transport verweigert hat, weil er seine Sachen noch packen müsse.

Am frühen Abend dann trifft es meinen Kollegen und mich und wir machen uns auf den Weg. Wir klingeln und keiner macht auf. Laut Hausarzt, bei dem wir die Papiere geholt haben, ist der Patient aber 100pro zu Hause. Wir halten Rücksrache mit der Rettungsleitstelle, die kurz davor ist eine Wohnungsöffnung zu organisieren (Polizei, Feuerwehr, Notarzt und eben wir…), als ich es nochmal probiere und ein Nachbar mir öffnet.

Die Tür zur Wohnung des Patienten steht ca. 15cm weit auf und der Patient sitzt offensichtlich auf einem Stuhl hinter der Tür und blockiert somit diese. Ich als der schlankere der KTW-Besatzung (man möge mir verzeihen :D) zwänge mich durch die Tür zum Patienten und da erblicke ich es. Eine totale Messi-Wohnung. Die Wohnung ist nur über die Gänge begehbar, der Schimmel fühlt sich wohl und die Ausscheidungen, die ein normales menschliches Wesen eben so hat sind nicht in sondern um die Kloschüssel. Alter Falter…mich hat echt gewundert, dass der Geruch nichts derartiges vermuten hat lassen…

Irgendwie hab ich es dann geschafft, den Patienten auf seinem vom Zusammenbruch bedrohten Stuhl (Verdacht auf Oberschenkelhals an allen 4 Beinen) von der Tür wegzuziehen und meinem Kollegen so ebenfalls Zutritt verschaffen zu können. Die Eigenanamnese des Patienten war dann wie folgt: Er hatte Blasenkrebs und kann deshalb nicht laufen. Wie er auf den Stuhl hinter die Tür gekommen ist, wollte er mir aber nicht erzählen.

Wir haben unseren Klienten dann per Tragestuhl in Richtung Auto gebracht und im Heim abgeliefert. Das Kuriose war, dass er als Gepäck eine Plastiktüte mit ein paar Utensilien wie z.B. Waschlappen und Zahnbürste hatte. Sonst nichts… aber er musste ja noch zusammenpacken. Ok, ich mache mich hier beileibe nicht darüber lustig nur was dann wirklich um Schießen war, war die Tatsache, dass der Hausarzt bei Anruf der Pfelegeheimleitung versichterte, dass ein amtlich abgestellter Betreuer nicht nötig wäre, da der Mann geistig total fit wäre und keine fremde Hilfe brauche.

Halten wir fest:

Der Mann ist – zumindest laut eigener Aussage – gehunfähig

Der Mann hat keine Angehörigen, die die Wohnung für ihn auflösen könnten

Der Mann hat keine normale Wohnungsauflösung durchzuführen, sondern ca. 2 Tonnen Müll zu entsorgen

Der Mann ist über 75 Jahre alt

Der Mann ist inkontinent, was Harn und Stuhl betrifft

aber der Mann braucht keine fremde Hilfe, die ihm behilflich ist beim Auflösen seiner bisherigen Bleibe?!

Nur gut, dass ich mich darüber weiter keine Gedanken machen muss…

2 comments Januar 9, 2008


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