Beiträge getaggtHerzinfarkt

Apoplex und Herzinfarkt - Jungens, das sind Notfälle…

Da ich ja doch ab und zu in Google auftauche, möchte ich hier nochmal die in vergangenen Beiträgen geschilderte Problematik aufgreifen. Natürlich kann man von keinem absoluten Laien erwarten, dass er einen Herzinfarkt oder Schlaganfall diagnostiziert, aber dass da “etwas nicht in Ordnung ist”, das kann sowohl die 12-jährige Tochter, als auch die 70jährige Ehefrau erkennen.

Eure Hausärzte sind ja schön und gut für Husten, Schnupfen, Heiserkeit, aber:

- wenn jemand akut auftretende Brustschmerzen / Atemnot / Kaltschweißigkeit bekommt

- wenn jemand langsam, aber sicher eine verwaschene Sprache bekommt oder seine Extremitäten nicht mehr so bewegen kann wie noch gestern

- wenn jemand ohne erkennbaren Grund vor euren Augen aufs Näschen fällt

- wenn jemand über Übelkeit klagt oder Inkontinent wird, obwohl das gestern noch nicht so war

- wenn jemand Kopfschmerzen hat und die auch nach einer Aspirin nicht weggehen

DANN

fragt nicht lange den Herrn Allgemeinmediziner, sondern sprintet zum Telefon und wählt die 112 (alternativ: 19222 im Königreich) und verlangt einen Rettungswagen samt Notarzt. Der Herzinfarkt und der Schlaganfall gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen und vor allem der Apo kann auch schon jüngere Leute treffen. Also, tut es der Bekannten von mir gleich, die eine Dame im Kindergarten zu Besuch hatte, die den Kindern von früher erzählen wollte, und auf einmal nicht mehr sprechen konnte (die angehende Erzieherin ist wohlgemerkt 17 Jahre alt und hatte ihren EH-Kurs erst vor 1 Woche aufgefrischt) und holt den Rettungsdienst.

Denn bei internen Erkrankungen ist die Zeit wirklich einer der wichtigsten Faktoren…

In diesem Sinne…behaltet euch immer im Hinterkopf: time is money brain!


5 comments Februar 29, 2008

Schlechtes Timing

Es war 16 Uhr. Mit großer Wahrscheinlichtkeit der letzte Einsatz vor dem Schichtende um 17:30 Uhr. Das wunderschöne “C” (=Folgeeinsatz; schreibklar machen) erschien im Display des Funkhörers. “Fahrzeug xy/yx - *Ort5kmweg* Patient *Hubermeier Haraldstefan* hausärztliche Einweisung ins *KHamaderenEndedergroßenStadt* - Herzbeschwerden”. Mein Kollege und ich also in Richtung Einsatzort gefahren. Dort erwartet uns die Nachbarin (”Er hat ja keinen mehr”) und berichtet uns Folgendes: “Der Hausarzt war vor 20 Minuten da (”Wow, keine Telefoneinweisung - Respekt”) und seitdem hat sich sein Zustand rapide verschlechtert.

Patient zwischen 70 und 80 liegt im Bett. Wir stellen uns vor und fragen, was denn los sei. “Mir gehts so schlecht” - Ok, für einen Laien die Stadardaussage, aber für uns nicht gerade hilfreich. Der Patient ist kaltschweißig (erster Gedanke: Herzinfarkt) , äußert ein Taubheitsgefühl (erster Gedanke: Apoplex), hat ab und zu (bzw. seit *vor4Tagen*) Schmerzen im linken Arm (nochmaliger Gedanke: Herzinfarkt) und hat “ab und zu” Atembeschwerden… (nochmaliger Gedanke: Herzinfarkt… jawoll… HERZINFARKT - Primärdiagnose erstellt ;-)) auch seit 4 Tagen. Die Nachbaring berichtet weiter, dass der Patient bis vor 15 Minuten noch “fit” gewesen wäre, bevor er dann aus dem Stand zusamengesackt und “Gott sei Dank” in den Sessel, der zufällig hinter ihm stand, zusammensackte.

Ich hole die Tasche aus dem Auto (die braucht man in 95% der Fälle im Krankentransport nicht und deshalb wird sie nicht standardmäßig mitgenommen, weil sie ja im Notfall innerhalb von einer Minute trotzdem beim Patienten sein kann…), lege die Blutdruckmanschette an und suche den Puls am Handgelenk… und suche… und suche… finde erstmal nicht wirklich etwas, pumpe aber trotzdem auf und meine einen Schlag bei 120 zu bemerken… ich bitte meinen erfahrenen Kollegen um nochmaliges Messen und er kommt auf 110… passt ja dann ungefähr, ist aber nicht gerade typisch für den HI. Ich klemme noch schnell das Pulsoxi an seinen Finger und sehe… nichts… seine Finger sind eiskalt und erst nach einigem Aufwärmen unter der Bettdecke bekommen wir einen Wert. SpO2 bei 83-85 unter Raumluft. Ich hole noch schnell Die Beatmungsplatte aus dem Auto und gebe dem - auf Anweisung meines Partners - 6 Liter / min über Brille (Maske gestaltete sich schwierig, da der Patient ein ständiges Übelkeitsgefühl hatte und sich alle 30 Sekunden in Richtung Eimer beugte - raus kam nix…). Die Sättigung pendelt sich nach kurzer Zeit auf 90-92% ein. Nichtsdestotrotz ist uns die Sache zu heikel und wir fordern den Notarzt nach.

Der NAW (ja, bei uns gibt es sowas noch) rückt an. Notarzt + 3 Helfer steigen aus und stürmen die Burg. EKG, Zugang (vom schlauen Zivi natürlich nebst 2 Nadeln (rosa und grün) zur Auswahl vorbereitet ;-)) und runter ins Auto - 1mg Noradrenalin mit 9ml NaCl aufgezogen (natürlich auf Arztanweisung), beschriftet und wieder ab nach oben. Das reingepfiffen (das EKG zeigte auf dem Ausdruck eine deutliche ST-Hebung) und danach wieder unten alles für den Transport vorbereitet. Trage schön vorteilhaft hingestellt, Tragetuch geschnappt, Patienten umgelagert, runtergetragen, ins Auto verfrachtet, wieder hochgespurtet und Sachen zusammengepackt, sich bei der Nachbarin für die (ernsthaft gemeint!) gute Anamnese und Mitarbeit bedankt und dann… ja dann… endlich eine geraucht… die war nötig ;-)

Und täglich grüßt der Medizinmann…


8 comments Februar 19, 2008

Frohe Weihnachten

Vorneweg mal: Das Auto war penibelst sauber, der Chef zufrieden und ich durfte 2h früher abhauen UND hab nochn Schokoweihnachtsmann bekommen. Tolle Wurst, oder? :)

An all meine Leser und an die, die es werden wollen, Frohe Weihnachten. Trinkt nicht zuviel damit die Kollegen ne ruhige Kugel schieben können und Vorsicht vorm zu fettem (Herzinfarkt-)Festmahl. Den guten Rutsche wünsche ich Euch noch nicht, weil wir uns zu 100% nochmal vorher hören/schreiben/lesen werden.


Add comment Dezember 24, 2007


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