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Unser Gesundheitssystem als Exportschlager

Als BWL-Kragen-hoch-Student bilde ich mich natürlich auch außerhalb der Uni weiter und so kaufe ich mir seit Beginn des Semesters die Wirtschaftswoche. In der aktuellen Ausgabe ist ein zweiseitiger Artikel über das deutsche Gesundheitssystem, der natürlich sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat.

Frank Heimig, Geschäftsführer des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus, berichtet dort über das große Potential des deutschen Systems. „Von mir werden Sie nicht hören, dass unser System gut ist“, lässt er verlauten, erwähnt jedoch im gleichen Atemzug, dass das System von Jahr zu Jahr besser würde und er weltweit keines gesehen hätte, das besser wäre.

Das ausgesprochene Lob zielt in erster Linie auf die Fallpauschalen ab, die im Laufe einer Reform eingeführt wurden. 2000 Euro bringt eine Blinddarm-OP ohne Komplikationen und für eine Knochenmarktransplantation berappen die Kassen 45000 Euro. Früher hingegen wurde einfach nach „Tagen im Krankenbett“ abgerechnet, so dass man Patienten (wird gemunkelt) oft länger als nötig im Hause behielt, wenn die Betten nicht ausgelastet waren.

Im Umkehrschluss könnte man denken, dass Patienten heute so früh wie möglich wieder „rausgeschmissen werden“. Die Antwort auf diese Frage, die eigentlich eine Aussage darstellt ist aus meiner Sicht „Jein“. Schon oft habe ich mir gedacht, warum ich Opa Berthold, den ich vor 4 Tagen mit einer Pneumonie abgeliefert habe jetzt schon wieder abhole und er immer noch hustet, dass man meinen könnte, er hätte seinen Hund mit im Handgepäck. Aber 1. bin ich kein Arzt und 2. werden die schon wissen, was sie tun. Aber vielleicht ist eine längere Behandlung aufgrund der Fallpauschale für eine Pneumonie einfach nicht rentabel?!

1192 dieser Fallpauschalen kennt das System bis jetzt. Sobald ein Patient eingeliefert wird, errechnet es aus Diagnose, Behandlungsmethoden und Schweregrad die jeweilige Pauschale. Dadurch werden die Häuser dazu animiert möglichst kosteneffizient zu arbeiten, so dass am Schluss ein Plus übrigbleibt UND der Patient wieder gesund ist.

Die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern ist seit der Reform auch gesunken. So waren es im Jahr 2000 bei knapp 17,2 Mio. Fällen im Schnitt 9,7 Tage, die ein Kranker auf Station verbrachte, während 2006 der Durchschnittspatient (von 17.1 Mio. Fällen) schon nach 8,4 Tagen entlassen wurde.

Der verfrühten Entlassung wirkt eine Regelung entgegen, die dem Krankenhaus bei einer zu kurzen Liegezeit des Patienten, Leistungen wieder streicht bzw. den Regelsatz heruntersetzt. Das Nutzenmaximum für das Haus dürfte also knapp über dieser Mindestliegezeit liegen.

Skeptiker hingegen führen, nach der Überprüfung von tausenden von Krankenhausrechnungen, an, dass das System Lücken hätte. So bekomme ein Krankenhaus für 171 Beatmungsstunden 10 000€(!) mehr als für 170h.

Staaten wie die Schweiz, China, Zypern, Großbritanien und Irland zeigen Interesse an dem deutschen Vorbild. Für den Beitragszahler könne die eine Entlastung in 7-stelliger Höhe bringen, wenn es zum Verkauf komme, heißt es in der Szene.

Quelle: Wirtschaftswoche 47, Seiten 46/47 – Alle Rechte bei WirtschaftsWoche, Michaela Hoffmann

P. S. Samstag fahr ich RTW – freut euch auf bisschen was neues an Content.

Add comment November 19, 2008

lol…

Da hat man frisch seinen RS und was ist? Die 2. Fraktur (die unzähligen Schenkelhälse mal nicht miteingerechnet) in den vergangenen 12 Monaten schneit ins Haus. Auf einem Sandienst am Volksfest werden wir gerufen. Ein junger Mann wäre gestürzt und hätte sich den Arm gebrochen. Nach 4-5 Minuten waren wir dann beim Patienten. Deutlich sichtbare Schwellung im Bereich des Zeigefingers der linken Hand. Bewegungs stark eingeschränkt, Schmerzen werden mit 7-8 auf einer Skala von 1-10 angegeben.

Ich entscheide mich für die Schienung mittels Sam-Splint, obowhls – jetzt im Nachhinein betrachtet – auch ein Dreickestuch getan hätte. Der mittlerweile verständigte KTW entpuppt sich als RTW, übernimmt den Patienten und fährt ihn in die Klinik zum Röntgen.

Add comment September 15, 2008

Ausführlich – für Aussenstehende

So, jetzt hab ich gerade noch ein Bisschen Zeit und darum schildere ich Euch jetzt noch ausführlich, wie es im OP so zugeht.

Man begibt sich in seiner normalen Krankenhaus-Dienstkleidung in die OP-Umkleide. Dort sucht man sich dann irgendeinen freien Spind und deponiert ALLES da rein. Danach begibt man sich in utnerwäsche in die eigentliche Schleuse. Dort stattet man sich dann mit Mundschutz, Kopfhaube, einer grünen Hose und einem grünen Oberteil aus. Der Mundschutz und die Kopfhaube werden nicht abgenommen, sobald man diese Schleuse verlässt. Eine Ausnahme stellt lediglich der Aufenthaltsraum dar, denn Trinken mit Mundschutz ist schwierig.

Der eigentliche OP ist dann in 3 Teile aufgeteilt. 2 Räume – Die Ein- und die Ausleitung und natürlich der eigentliche OP-Saal. Die Patienten kommen als in Ihrem Bett in die Patientenschleuse und werden dort dann mit einem überdimensionalen, automatischen Rollbrett auf denn entsprechenden OP-Tisch umgelagert (Gyn, chirurgisch usw…). Dieser OP-Tisch ist dann fahrbar. So wie der Pat. nun liegt wird er in die Einleitung geschoben. Dort passiert dann wiederum Folgendes:

- Kurze Begrüßung (Wer bin ich und was mach ich jetzt mit ihm / ihr?)

- Zugang wird gelegt, falls nicht vorhanden (in der Regel wird aber fast immer ein frischer gelegt, weil man dann ausschließen kann, das der bereits vorhandene eventuell „para“ liegt, was dann zu Nekrosen o. Ä. führen könnte)

- EKG wird geklebt (3-Kanal – oben links, oben rechts und auf Höhe der rechten Brustwarze „die grüne Ableitung“… hat den Sinn, dass das Kabel nicht stört, wenn der Bauch desinfiziert wird usw…)

- Pulsoxymetrie wird noch schnell angeklipst

- Blutdruckmanschette wird angelegt und das Messintervall auf 5 Min. eingestellt

Dann ist der Pat. bereit für den eigentlichen Teil der OP. Der Tisch wird in den OP gefahren und dort fixiert. Je nachdem, welcher Eingriff vorgenommen wird, wird dann noch die Höhe des Tisches eingestellt. Das vorher angelegte Monitoring wird – dank austauschbarer Module – einfach aus seiner Einheit genommen und in die baugleiche Einheit im OP eingesteckt. So entfällt das lästige Umstecken.

Danach werden dann noch die Arme fixiert, da die Muskeln ja während der Narkose keinen Tonus haben und die Arme deswegen früher oder später runterfallen würden. Außerdem ist so sichergestellt, dass der Arm gestreckt bleibt und die Infusion einwandfrei reinlaufen kann.

In der Regel kommt zu diesem Zeitpunkt dann der Anästhesist, der dem Anästhesiepfleger anweist, die Narkose einzuleiten. Dies geschieht mittels eines starken Schmerzmittels, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, eines Schlafmittels und zuletzt eines Muskelrelaxans. Sobald der Patient dann bewusstlos ist, wird er intubiert. Je nach geplanter Länge der OP entweder per Larynxmaske (bietet keinen Aspirationsschutz) oder per normalem Endotrachealtubus. Nachdem der Tubus sitzt fangen dann die OP-Schwestern / Brüder an, die gewünschten Stellen zu desinfizieren und die Bereiche außenrum abzukleben. Parallel dazu wird das sterile OP-Besteck hergerichtet.

Nach der ganzen Vorbereitung kommt dann der jeweilige Facharzt und es kann losgehen.

In der Ausleitung wird der Patient dann – falls nötig – noch grob gesäubert, so dass man ihn guten Gewissens zurück auf die jeweilige Station entlassen kann, wo dann die gründliche Körperpflege durchgeführt wird.

Alles in Allem ein sehr monotones Geschäft, dass aber nicht minder spannend ist, weil man sich als Praktikant frei zwischen den (bei uns 8) OPs bewegen kann und so aus allen Fachrichtungen was zu sehen bekommt.

Gute Nacht. Man liest sich.

1 comment Juni 2, 2008

Handy aus im Krankenhaus?!

Jeder, der schon einmal ein KH betreten hat, wird wohl oder übel auf ein Schild gestoßen sein, auf dem ein durchgestrichenes Handy zu sehen ist. Wieso das Ganze? Mir hat man damals noch erzählt, das würde Herzschrittmacher beeinflussen und Leute tot umfallen lassen. Was ich mir aber schon lange gedacht habe und hier auch (zumindest zu 99%) Bestätigung findet, ist wohl eher die ganze Wahrheit. Also… Handy anlassen und immer erreichbar sein, wenn der Cheffe dich am nächsten Tag in der Schicht 2h früher braucht… :)

4 comments Mai 12, 2008

Die Bibel

Während ich mir hier „Yeah Yeah“ von Bodyrox reinzieh (für alle Housefans übrigens zu empfehlen…), will ich Euch ein Bißchen über die Bibel für das ärztliche Personal berichten. Es geht um „House of God“. Ein Buch von William  Samuel Shem, das bei uns in der Wache so ziemlich jeder gelesen hat. Das Buch spielt in einem Krankenhaus namens House of God. Aus der Sicht eines Arztes erlebt man den Alltag eines frischen Mediziners. Ziemlich schnell merkt er, dass Arztsein nichts mit Heilen zu tun hat und ist die meiste Zeit damit beschäftigt Krankenakten zu „frisieren“, um seine Patienten auf andere Stationen verlegen zu können. Einen großen Part nehmen auch die sog. Gomers ein. Gomer steht für „Get out of my emergency room“ (Das Buch ist im Original natürlich auf Englisch) und beschreibt die alten, zum Teil schwer kranken Menschen, die einfach nicht sterben können / wollen. Die jungen Mitdreißiger hingegen sterben unter dem Ich-Erzähler wie die Fliegen weg.

Das Buch an sich ist viel zu vielschichtig, als dass man den Kern der Story eindeutig abgrenzen könnte. Wer eine gesunde Portion schwarzen Humor mitbringt und in der nächsten Zeit keinen Krankenhausaufenthalt eingeplant hat, für den kann ich den Bestseller eindeutig empfehlen. Natürlich sind einige Dinge in diesem Werk sehr überspitzt ausformuliert und auch künstlich gepusht, jedoch weiß schon das kleinste Kind, dass sogar hinter der abwegigsten Geschichte eine wahre Begebenheit steckt.

Wer im Übrigen großen Respekt vor den Göttern in weiß hat, der sollte lieber zum Pschyrembel greifen und das Buch da lassen wo es ist.

In diesem Sinne… bleibt gesund!

2 comments Januar 11, 2008

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