Beiträge getaggtkrankenhaus

Ausführlich - für Aussenstehende

So, jetzt hab ich gerade noch ein Bisschen Zeit und darum schildere ich Euch jetzt noch ausführlich, wie es im OP so zugeht.

Man begibt sich in seiner normalen Krankenhaus-Dienstkleidung in die OP-Umkleide. Dort sucht man sich dann irgendeinen freien Spind und deponiert ALLES da rein. Danach begibt man sich in utnerwäsche in die eigentliche Schleuse. Dort stattet man sich dann mit Mundschutz, Kopfhaube, einer grünen Hose und einem grünen Oberteil aus. Der Mundschutz und die Kopfhaube werden nicht abgenommen, sobald man diese Schleuse verlässt. Eine Ausnahme stellt lediglich der Aufenthaltsraum dar, denn Trinken mit Mundschutz ist schwierig.

Der eigentliche OP ist dann in 3 Teile aufgeteilt. 2 Räume - Die Ein- und die Ausleitung und natürlich der eigentliche OP-Saal. Die Patienten kommen als in Ihrem Bett in die Patientenschleuse und werden dort dann mit einem überdimensionalen, automatischen Rollbrett auf denn entsprechenden OP-Tisch umgelagert (Gyn, chirurgisch usw…). Dieser OP-Tisch ist dann fahrbar. So wie der Pat. nun liegt wird er in die Einleitung geschoben. Dort passiert dann wiederum Folgendes:

- Kurze Begrüßung (Wer bin ich und was mach ich jetzt mit ihm / ihr?)

- Zugang wird gelegt, falls nicht vorhanden (in der Regel wird aber fast immer ein frischer gelegt, weil man dann ausschließen kann, das der bereits vorhandene eventuell “para” liegt, was dann zu Nekrosen o. Ä. führen könnte)

- EKG wird geklebt (3-Kanal - oben links, oben rechts und auf Höhe der rechten Brustwarze “die grüne Ableitung”… hat den Sinn, dass das Kabel nicht stört, wenn der Bauch desinfiziert wird usw…)

- Pulsoxymetrie wird noch schnell angeklipst

- Blutdruckmanschette wird angelegt und das Messintervall auf 5 Min. eingestellt

Dann ist der Pat. bereit für den eigentlichen Teil der OP. Der Tisch wird in den OP gefahren und dort fixiert. Je nachdem, welcher Eingriff vorgenommen wird, wird dann noch die Höhe des Tisches eingestellt. Das vorher angelegte Monitoring wird - dank austauschbarer Module - einfach aus seiner Einheit genommen und in die baugleiche Einheit im OP eingesteckt. So entfällt das lästige Umstecken.

Danach werden dann noch die Arme fixiert, da die Muskeln ja während der Narkose keinen Tonus haben und die Arme deswegen früher oder später runterfallen würden. Außerdem ist so sichergestellt, dass der Arm gestreckt bleibt und die Infusion einwandfrei reinlaufen kann.

In der Regel kommt zu diesem Zeitpunkt dann der Anästhesist, der dem Anästhesiepfleger anweist, die Narkose einzuleiten. Dies geschieht mittels eines starken Schmerzmittels, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, eines Schlafmittels und zuletzt eines Muskelrelaxans. Sobald der Patient dann bewusstlos ist, wird er intubiert. Je nach geplanter Länge der OP entweder per Larynxmaske (bietet keinen Aspirationsschutz) oder per normalem Endotrachealtubus. Nachdem der Tubus sitzt fangen dann die OP-Schwestern / Brüder an, die gewünschten Stellen zu desinfizieren und die Bereiche außenrum abzukleben. Parallel dazu wird das sterile OP-Besteck hergerichtet.

Nach der ganzen Vorbereitung kommt dann der jeweilige Facharzt und es kann losgehen.

In der Ausleitung wird der Patient dann - falls nötig - noch grob gesäubert, so dass man ihn guten Gewissens zurück auf die jeweilige Station entlassen kann, wo dann die gründliche Körperpflege durchgeführt wird.

Alles in Allem ein sehr monotones Geschäft, dass aber nicht minder spannend ist, weil man sich als Praktikant frei zwischen den (bei uns 8) OPs bewegen kann und so aus allen Fachrichtungen was zu sehen bekommt.

Gute Nacht. Man liest sich.


1 comment Juni 2, 2008

Handy aus im Krankenhaus?!

Jeder, der schon einmal ein KH betreten hat, wird wohl oder übel auf ein Schild gestoßen sein, auf dem ein durchgestrichenes Handy zu sehen ist. Wieso das Ganze? Mir hat man damals noch erzählt, das würde Herzschrittmacher beeinflussen und Leute tot umfallen lassen. Was ich mir aber schon lange gedacht habe und hier auch (zumindest zu 99%) Bestätigung findet, ist wohl eher die ganze Wahrheit. Also… Handy anlassen und immer erreichbar sein, wenn der Cheffe dich am nächsten Tag in der Schicht 2h früher braucht… :)


4 comments Mai 12, 2008

Die Bibel

Während ich mir hier “Yeah Yeah” von Bodyrox reinzieh (für alle Housefans übrigens zu empfehlen…), will ich Euch ein Bißchen über die Bibel für das ärztliche Personal berichten. Es geht um “House of God”. Ein Buch von William  Samuel Shem, das bei uns in der Wache so ziemlich jeder gelesen hat. Das Buch spielt in einem Krankenhaus namens House of God. Aus der Sicht eines Arztes erlebt man den Alltag eines frischen Mediziners. Ziemlich schnell merkt er, dass Arztsein nichts mit Heilen zu tun hat und ist die meiste Zeit damit beschäftigt Krankenakten zu “frisieren”, um seine Patienten auf andere Stationen verlegen zu können. Einen großen Part nehmen auch die sog. Gomers ein. Gomer steht für “Get out of my emergency room” (Das Buch ist im Original natürlich auf Englisch) und beschreibt die alten, zum Teil schwer kranken Menschen, die einfach nicht sterben können / wollen. Die jungen Mitdreißiger hingegen sterben unter dem Ich-Erzähler wie die Fliegen weg.

Das Buch an sich ist viel zu vielschichtig, als dass man den Kern der Story eindeutig abgrenzen könnte. Wer eine gesunde Portion schwarzen Humor mitbringt und in der nächsten Zeit keinen Krankenhausaufenthalt eingeplant hat, für den kann ich den Bestseller eindeutig empfehlen. Natürlich sind einige Dinge in diesem Werk sehr überspitzt ausformuliert und auch künstlich gepusht, jedoch weiß schon das kleinste Kind, dass sogar hinter der abwegigsten Geschichte eine wahre Begebenheit steckt.

Wer im Übrigen großen Respekt vor den Göttern in weiß hat, der sollte lieber zum Pschyrembel greifen und das Buch da lassen wo es ist.

In diesem Sinne… bleibt gesund!


2 comments Januar 11, 2008

Kostet das was?

Die Suchbegriffe lassen es vermuten und auch die Patienten fragen immer wieder: Was kostet die Fahrt?

Da ich jetzt gerade keine 100% richtigen Zahlen habe, werde ich runden…

Ein Transport von Zuhause für die stationäre Aufnahme ins KH: Kosten übernimmt Krankenkasse

Diese schlüsseln sich auf in: ca. 36€ Pauschale + 1,60 je gefahrener km

Ein Transport von Zuhause zum Arzt und nach 1h wieder zurück: muss selbst gezahlt werden. Ambulanzfahrten werden von den Kassen nicht mehr pauschal übernommen. Bei Leuten, wo die Notwendigkeit eines Transportes aber offensichtlich ist, ist es möglich, dass die Rechnung bei der Kasse eingereicht und dann auch beglichen wird.

Kosten wären hier: 2mal 36€ + die gefahrenen Kilometer * 1,60€

Ihr glaubt gar nicht, wie schnell da höhere 3-stellige Summen zusammenkommen, wenn es mal aus dem Landkreis hinausgeht… Wahnsinn.

Grundsätzlich übernimmt also die Krankenkasse immer dann die Fahrtkosten, wenn ein Krankentransport erforderlich ist. Das kann der Fall sein, wenn der Patient gehunfähig ist oder, wenn der Patient während der Fahrt psychisch oder physisch betreut werden muss.


13 comments Dezember 13, 2007

Wie läuft ein normaler Krankentransport?

Hallo,

da es zur Zeit außer dem ganzen Durchschnittszeug nichts wirklich etwas zu berichten gibt, werde ich heute einmal diejenigen unter euch aufklären, die mit der Materie Rettungsdienst nichts am Hut haben. Ich will heute einmal die Frage “Wie läuft ein normaler Krankentransport?” erörtern.

Grundsätzlich besteht jede Fahrzeugbesatzung aus Fahrer und Beifahrer. Die Gesamtheit aller Einsätze wird über die Rettungsleitstelle (RLST) koordiniert. Wir nehmen nun an, dass unsere Patientin Frau Muster heißt und 76 Jahre alt ist. Fr. M. wohnt in einem Seniorenwohnheim circa 15km von dem Krankenhaus entfernt, in das sie zur ambulanten Nachuntersuchung ihres Unterschenkels muss, den sie sich vor 4 Wochen gebrochen hatte.

Fr. M. bzw. eine der Angestellten des Seniorenheims ruft also nun bei der RLST an und bestellt für 10°° Uhr einen Krankentransport in die Klinik xyz. Der Disponent in der RLST hat auf seinem Bildschirm eine Übersicht über alle Autos, die ihm zur Verfügung stehen, um den Auftrag bzw. die Dienstleistung abzuwickeln. In der Regel wird der Disponent nun ein Auto wählen, das möglichst nahe am “Einsatzziel” - dem Altenheim - steht, um eine zeitnahe Abwicklung zu ermöglichen. 15km Anfahrt bedeuten für den Krankenwagen eine Anfahrtszeit von etwa 10 Minuten, also wird der Disponent um ca. 9:40 Uhr bei uns in der Wache anrufen und uns den Auftrag durchgeben.

Dieser Auftrag wird dann handschriftlich notiert und, da es sich ja um keinen Notfall handelt, kann man sich dann schön langsam auf den Weg in Richtung Auto machen (damit meine ich nicht trödeln!). Während der Anfahrt zu dem Seniorenheim, hat der Beifahrer ja - so gesehen - nichts zu tun. Das stimmt auch und deswegen schnappt der Beifahrer sich das sog. Newton (sieht aus wie ein Palm und hat die Größe einer DINA5 Seite) und kümmert sich ums “Geschäft”. Er trägt zum Beispiel die Fahrtstrecke ein (Altenheim abc nach Krankenhaus xyz), die Einsatzuhrzeit (9:40), die Besatzung des Fahrzeugs (jeder Mitarbeiter hat eine eindeutige Nummer), das Fahrzeugkennzeichen, den Anfangskilometerstand und alles, was sonst noch relevant sein könnte.

Am Fahrtziel angekommen, nimmt man entweder den Tragestuhl oder die Liege mit zum Patienten und lagert diesen dann um. Das kann entweder geschehen, indem das Rollboard zum Einsatz kommt, mit dem man den Patienten ganz ohne viel Kraftaufwand vom Bett auf seine Liege rüberziehen kann oder man nimmt ein Tragetuch (Ein Tuch aus Kunststoff mit Griffen), das dem Patienten “untergeschoben” wird. Ist das geschafft und der Patient bei einigermaßen guter Gesundheit, bekommt er noch eine Decke, bevor es in Richtung Auto geht. Nach dem Einladen, nimmt der Fahrer seinen ursprünglichen Platz wieder ein und der bisherige Beifahrer gesellt sich zu dem Patienten in den Patientenraum des Fahrzeugs, um im Falle eines Falles eingreifen zu können.

Im Krankenhaus angekomme dann wieder das gleiche Spiel. Ausladen, auf die richtige Station bringen, umlagern und dann kommts: Warten oder nicht? In der Regel gibt es bei uns folgendes ungeschriebene Gesetz. 20-25 Minuten gehen klar. Das heißt: Der Doktor sagt zu uns “Dauert max. 20 Minuten” -> Wir rufen in der RLST an und fragen, ob das klar ist, oder ob wir auf jeden Fall zum nächsten Einsatz müssen. Gibt die LST ihr OK können wir derweil einen Kaffee trinken gehen oder wir warten, indem wir nichts tun.

Nach abgeschlossener Untersuchung, bekommen wir von dem Krankenhaus xyz dann einen sog. Transportschein, auf dem alle relevanten Daten wie Patientenname, Adresse, Krankenkasse und Geburtsdatum vermerkt sind. Diese Daten sind unbedingt erforderlich, damit wir den Einsatz abrechnen können. Nachdem wir also wieder zurück am Auto sind, die Liege frisch bezogen haben und eventuelle Verunreinigungen entfernt und die betroffenen Stelle desinfiziert haben, geht es wieder zurück zum Papierkram. Die Daten werden vervollständigt. Dabei geht es um die Fragen: Welche Einsatzart war das? Eine Ambulanzfahrt? Eine Verlegung? Eine Heimfahrt? und welche Tarifart ist hier erforderlich? Ein von der Krankenkasse bezahlter Krankentransport? Ein Krankentransport, der von der betroffenen Person privat gezahlt wird oder gar eine von einem anderen Krankenhaus in Auftrag gegebene Konzilfahrt, deren Kosten das anweisende Krankenhaus übernehmen muss? (tritt z.B. dann auf, wenn ein Patient zur Computertomographie muss, das behandelnde KH aber kein CRT besitzt). Ist dies alles geschafft, gibt man der Leitstelle die Rückmeldung, dass man von nun an wieder einsatzklar ist. In dem Fall, dass man gleich einen Folgeauftrag erhält, kann man den letzten Einsatz abschließen. Der Endkilometerstand wird notiert (sowohl im Fahrtenbuch als auch im Newton) und die Tarifkilometer werden berechnet. In unserem Beispiel hätten wir z.B. 17km Anfahrt (weil unsere Wache z.B. 2km vom KH entfernt ist) + 15 Rückfahrt zum Krankenhaus = 32 Tarifkilometer. Bei einer Pauschale von 36€ und ein paar Zerquetschten und einem Kilometergeld von ca. 1,60€ kämen wir somit auf 87,20€, die dieser Krankentransport gekostet hat.

Fragen und Kritik sind - wieder immer - erwünscht.


Add comment September 29, 2007


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