Beiträge getaggtNarkose
Eine der schlimmsten Vorstellungen…
dürfte es mit Sicherheit sein, dass man operiert wird und dabei bei vollem Bewusstsein ist, während aber das Muskelrelaxans anschlägt und man in keinster Weise darauf hinweisen kann, dass da was mit dem Propofol nicht stimmen kann. Erlebt hat das eine Frau aus Klagenfurt, die ihre Erlebnisse bei Galileo beschrieben hat.
Zu sehen ist das Ganze im Galileo Podcast vom 12.09.2008
Add comment September 14, 2008
Rauschgift für Lau
Es soll Leute geben, die kaufen illegale Substanzen, um sich zu berauschen. Im OP gibt`s die für Lau ;-)
Bei mir im Klinikpraktikum lief die Narkose in den allermeisten Fällen mit den folgenden Substanzen ab:
Am Anfang: „0,2 Fenta“ – Fentanyl: sehr starkes Schmerzmittel, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt.
danach: „Trac“ – Tracrium bzw. Atracurium, wie der Wirkstoff heißt – Muskelrelaxans; wird am Anfang nur in ganz kleiner Menge injiziert, um die Rezeptoren bereits aufzusättigen, so dass die tatsächliche Muskelerschlaffung dann schneller geht, wenn es soweit ist. Man gewöhnt die Rezeptoren praktisch an den Stoff, den sie wenige Sekunden später in größerer Menge erhalten werden, einfach formuliert…
zum Schluss: (je nach Patient) „400 Diso“ – Disoprivan oder auch Propofol; das eigentliche Schlafmittel, das in Fett gelöst ist und dadurch bei einigen Patienten eine Venenreizung auslösen kann, welche sich durch ein kurzes Brennen äußert. Harmlose Geschichte, weilm an wenige Sekunden später ja eh weggetreten ist und nix mehr spürt ;-)
danach noch den Rest vom „Trac“ und dann kann die Show beginnen…
Nachdem diese 3 Mittelchen im Körper sind, lassen sich die allermeisten Patienten problemlos intubieren bzw., bei kürzeren Eingriffen, die Larynxmaske einführen. Aufrechterhalten wird die narkose dann mit einem speziellen Narkosegas, welches über die Beatmung miteingeschleust wird und dann in der Lunge in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Stichworte wären hier: Verdrängungsreaktion, Diffusion und so weiter und so fort. Würde hier, meiner Meinung nach, zu weit führen.
Achja: Das gute alte Lachgas, dass man noch aus alten Schwarz-Weiß-Filmen kennt hat im Übrigen auch noch nicht ausgedient und wird eigentlich mehr oder minder standardmäßig bei jeder OP miteingesetzt.
Dass das Zeug wirklich „ballert“ merkt man spätestens, wenn man entweder schon selber einmal eine Vollnarkosse genißen durfte oder einfach nur in die Gesichter der Patienten schaut, nachdem Ihnen vor 2 Sekunden der Tubus gezogen wurde… wenn man zu nem Notfall mit Stichwort „Alkintox“ kommt schauen die Leute nicht viel schlechter aus ;-)
3 comments Juni 6, 2008
Klinikpraktikum – Tag 2
Hallo Lesergemeinde!
Der Tag 2 hatte weniger an einzelnen OPs zu bieten, dafür aber mehr Arbeit für mich. Bin ja schließlich zum Lernen da. Nachdem ich dem Anästhesiepfleger beim Einleiten der 1. Narkose des Tages genau über die Schulter geschaut hatte, war es an mir. Mit den Worten „Jetzt darfst du mal“ drückte er mir die 3 relevanten Medikamente in die Hand und sagte zu jedem einzelnen entweder „ganz langsam“, „mäßig“, „is wurscht“ und wollte damit die Applikationsgeschwindigkeit ausdrücken. Auf das Zeichen des Anästhesisten machte ich mich dann ans Werk und schickte meine Patientin in das Reich der Träume.
Im späteren Verlauf des Tages konnte ich dann zum ersten Mal einer Spinalanästhesie beiwohnen (Die Nadel ist so scheiße lang, dass es schon beim Zuschauen wehtut). Grund war ein unklarer Knieschmerz mit V. a. Meniskusriss. Was es dann letztendlich war bekam ich leider nicht mehr mit, da ich schon wieder in die Einleitung für die nächste OP musste.
Ein chirurgischer Eingriff von nicht zu unterschätzendem Aufwand folgte sogleich. Die Patientin wies zahlreiche Lipome an den Armen, Beinen und im Bauchbereich auf. Alles in Allem geschätzte 35 Stück. Alle wurden sie per Skalpell entfernt und die Wunden dann jeweils mit 2-3 Stichen genäht. Da Lipome in den allermeisten Fällen gutartiger Natur sind, dient der Eingriff eigentlich nur dazu, die Beulen unsichtbar zu machen. Ob 35 Narben schöner sind, weiß ich nicht. Aber ich kenne ja die Geschichte nicht. Vielleicht drückten die Geschwüre ja auf Nerven oder waren druckempfindlich. Auf jeden Fall eine der (zumindest vom Beobachter aus gesehen) simpleren OPs.
Ich melde mich natürlich morgen wieder und wünsche noch einen schönen Abend.
Add comment Juni 3, 2008
Ausführlich – für Aussenstehende
So, jetzt hab ich gerade noch ein Bisschen Zeit und darum schildere ich Euch jetzt noch ausführlich, wie es im OP so zugeht.
Man begibt sich in seiner normalen Krankenhaus-Dienstkleidung in die OP-Umkleide. Dort sucht man sich dann irgendeinen freien Spind und deponiert ALLES da rein. Danach begibt man sich in utnerwäsche in die eigentliche Schleuse. Dort stattet man sich dann mit Mundschutz, Kopfhaube, einer grünen Hose und einem grünen Oberteil aus. Der Mundschutz und die Kopfhaube werden nicht abgenommen, sobald man diese Schleuse verlässt. Eine Ausnahme stellt lediglich der Aufenthaltsraum dar, denn Trinken mit Mundschutz ist schwierig.
Der eigentliche OP ist dann in 3 Teile aufgeteilt. 2 Räume – Die Ein- und die Ausleitung und natürlich der eigentliche OP-Saal. Die Patienten kommen als in Ihrem Bett in die Patientenschleuse und werden dort dann mit einem überdimensionalen, automatischen Rollbrett auf denn entsprechenden OP-Tisch umgelagert (Gyn, chirurgisch usw…). Dieser OP-Tisch ist dann fahrbar. So wie der Pat. nun liegt wird er in die Einleitung geschoben. Dort passiert dann wiederum Folgendes:
- Kurze Begrüßung (Wer bin ich und was mach ich jetzt mit ihm / ihr?)
- Zugang wird gelegt, falls nicht vorhanden (in der Regel wird aber fast immer ein frischer gelegt, weil man dann ausschließen kann, das der bereits vorhandene eventuell „para“ liegt, was dann zu Nekrosen o. Ä. führen könnte)
- EKG wird geklebt (3-Kanal – oben links, oben rechts und auf Höhe der rechten Brustwarze „die grüne Ableitung“… hat den Sinn, dass das Kabel nicht stört, wenn der Bauch desinfiziert wird usw…)
- Pulsoxymetrie wird noch schnell angeklipst
- Blutdruckmanschette wird angelegt und das Messintervall auf 5 Min. eingestellt
Dann ist der Pat. bereit für den eigentlichen Teil der OP. Der Tisch wird in den OP gefahren und dort fixiert. Je nachdem, welcher Eingriff vorgenommen wird, wird dann noch die Höhe des Tisches eingestellt. Das vorher angelegte Monitoring wird – dank austauschbarer Module – einfach aus seiner Einheit genommen und in die baugleiche Einheit im OP eingesteckt. So entfällt das lästige Umstecken.
Danach werden dann noch die Arme fixiert, da die Muskeln ja während der Narkose keinen Tonus haben und die Arme deswegen früher oder später runterfallen würden. Außerdem ist so sichergestellt, dass der Arm gestreckt bleibt und die Infusion einwandfrei reinlaufen kann.
In der Regel kommt zu diesem Zeitpunkt dann der Anästhesist, der dem Anästhesiepfleger anweist, die Narkose einzuleiten. Dies geschieht mittels eines starken Schmerzmittels, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, eines Schlafmittels und zuletzt eines Muskelrelaxans. Sobald der Patient dann bewusstlos ist, wird er intubiert. Je nach geplanter Länge der OP entweder per Larynxmaske (bietet keinen Aspirationsschutz) oder per normalem Endotrachealtubus. Nachdem der Tubus sitzt fangen dann die OP-Schwestern / Brüder an, die gewünschten Stellen zu desinfizieren und die Bereiche außenrum abzukleben. Parallel dazu wird das sterile OP-Besteck hergerichtet.
Nach der ganzen Vorbereitung kommt dann der jeweilige Facharzt und es kann losgehen.
In der Ausleitung wird der Patient dann – falls nötig – noch grob gesäubert, so dass man ihn guten Gewissens zurück auf die jeweilige Station entlassen kann, wo dann die gründliche Körperpflege durchgeführt wird.
Alles in Allem ein sehr monotones Geschäft, dass aber nicht minder spannend ist, weil man sich als Praktikant frei zwischen den (bei uns 8) OPs bewegen kann und so aus allen Fachrichtungen was zu sehen bekommt.
Gute Nacht. Man liest sich.
1 comment Juni 2, 2008


