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Rätselhaft

Es war 1.5h vor Dienstende. Piepser und Hausfunk klingeln. “ORGANISATION Musterstadt 0815 - Notarzteinsatz Musterhausen - bewusstloses Kind”.

Als wir ankommen erwartet uns folgende Lage: (wir konnten es erst gar nicht glauben, dass die Einsatzmeldung auch nur mal annähernd der tatsächlichen Lage entsprach)

Ein jugendlicher U18er liegt in Rückenlage(!) bewusstlos auf der Couch. Puls und Atmung vorhanden. Er wäre gerade vom Sport gekommen und dann zusammengebrochen. Selbst auf stärkste Schmerzreize, die unser Doktor setzt, erfolgt weder eine unkoordinierte Abwehr noch sonst irgendeine Reaktion. Ich schicke mich an das EKG zu platzieren und aufzukleben, was dann ca. 45 Sekunden nach Eintreffen beim Patienten auch piept. Normaler Sinusrhythmus, leicht tachykard bei ~95-105.

Die Mund-Rachen-Kontrolle, die der Doc gleichzeitig mit dem Überprüfen der Atmung vornehmen wollte gestaltete sich mehr als schwierig, da das Kiefer total verkrampft war. Nachdem wir 10l/min über die Maske verabreichen fängt der Patient an sinnloses Zeug vor sich hinzustammeln, bevor er dann am ganzen Körper leicht zu krampfen beginnt, was sich aber wenig später (nach 3mg Midazolam i. v.) wieder beruhigt. Nachdem der Doc mir aufgetragen hat, einen Wendeltubus vorzubereiten und er diesen dann einschieben will, kommt es zum Erbrechen. Kein Mageninhalt, lediglich zähflüssiger Schleim, den ich so bisher noch nie gesehen habe (bei einem so jungen Menschen).

Da der Patient mittlerweile nicht mehr komatös, sondern soporös ist, entschließt sich unser Doc, nicht zu intubieren - bzw. vorerst noch nicht und wenn dann im Auto. Da genug Helfer um uns herum sind und der Weg nach unten nicht allzu weit, entscheiden wir uns für einen Transport im Tragetuch mit dem Kopf nach unten, um so ein Freihalten der Atemwege zu garantieren, falls es zum erneute Erbrechen kommen sollte.

Wir sind dann notfallmäßig unter Voranmeldung mit dem Stichwort “unklarer Krampfanfall” in das nächste geeignete Krankenhaus gefahren und übergaben dort unseren Schützling.

Sowohl der Doc als auch wir rätselten dann, was das gewesen sein könnte:

- Hyperventilationstetanie (Finger waren jedoch nicht verkrampft und die Angehörigen sagten aus, er hätte nicht schneller als sonst geatmet)

- Normaler Krampfanfall (der erste seines Lebens) bei unbekannter Epilepsie

oder

- Drogenabusus (Einwurf von n paar bunten Dingern, die ihm wohl nicht bekommen sind); dafür würde der komische zähe Schleim sprechen und son buntes Ding, das plötzlich am Teppich lag (könnte aber auch n kleines Stück Tomate o. Ä. gewesen sein… schwierig)

Vielleicht seh ich ja einen der Kollegen demnächst, der dann mehr weiß.


3 comments Juni 15, 2008

Tragischer Seitenwechsel

Der Rettungsdackel schreibt heute über einen tragischen Zwischenfall, der sich in München ereignet hat. Der leitende Notarzt ist gestern verstorben.

“Der Leitende Notarzt Dr. med. Rolf Gürtler ist in München auf dem Weg zu einem Einsatz auf tragische Weise ums Leben gekommen. Er befand sich mit seinem Privatfahrzeug auf der Anfahrt zu einem Giftgas-Alarm in Garching. Um 19.47 Uhr…”

ganzen Beitrag lesen

Ausführlicher gibt es das Ganze noch hier


2 comments März 23, 2008

Apoplex und Herzinfarkt - Jungens, das sind Notfälle…

Da ich ja doch ab und zu in Google auftauche, möchte ich hier nochmal die in vergangenen Beiträgen geschilderte Problematik aufgreifen. Natürlich kann man von keinem absoluten Laien erwarten, dass er einen Herzinfarkt oder Schlaganfall diagnostiziert, aber dass da “etwas nicht in Ordnung ist”, das kann sowohl die 12-jährige Tochter, als auch die 70jährige Ehefrau erkennen.

Eure Hausärzte sind ja schön und gut für Husten, Schnupfen, Heiserkeit, aber:

- wenn jemand akut auftretende Brustschmerzen / Atemnot / Kaltschweißigkeit bekommt

- wenn jemand langsam, aber sicher eine verwaschene Sprache bekommt oder seine Extremitäten nicht mehr so bewegen kann wie noch gestern

- wenn jemand ohne erkennbaren Grund vor euren Augen aufs Näschen fällt

- wenn jemand über Übelkeit klagt oder Inkontinent wird, obwohl das gestern noch nicht so war

- wenn jemand Kopfschmerzen hat und die auch nach einer Aspirin nicht weggehen

DANN

fragt nicht lange den Herrn Allgemeinmediziner, sondern sprintet zum Telefon und wählt die 112 (alternativ: 19222 im Königreich) und verlangt einen Rettungswagen samt Notarzt. Der Herzinfarkt und der Schlaganfall gehören mit zu den häufigsten Erkrankungen und vor allem der Apo kann auch schon jüngere Leute treffen. Also, tut es der Bekannten von mir gleich, die eine Dame im Kindergarten zu Besuch hatte, die den Kindern von früher erzählen wollte, und auf einmal nicht mehr sprechen konnte (die angehende Erzieherin ist wohlgemerkt 17 Jahre alt und hatte ihren EH-Kurs erst vor 1 Woche aufgefrischt) und holt den Rettungsdienst.

Denn bei internen Erkrankungen ist die Zeit wirklich einer der wichtigsten Faktoren…

In diesem Sinne…behaltet euch immer im Hinterkopf: time is money brain!


5 comments Februar 29, 2008


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