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Notaufnahme Tag 1
Hallo werte Leserinnen und Leser,
Tag 1 in der Notaufnahme ist vorüber und ich unterstreichen, was ich mir schon immer gedacht habe:
Notaufnahme > OP > Intensiv
Man hat keinen festen Tagesablauf außer, dass man in der Früh halt schnell mal rundum durch die Zimmer geht und hier und da das leere Päckchen Handschuhe gegen ein neues austauscht.
Ergo: Man wartet kontrolliert und aggressiv ab, bis die große Tür sich öffnet und Kundschaft hereinkommt. Das Haus in dem ich mein Praktikum absolviere hat die Urologie, Gynäkologie und die Unfallchirurgie als Schwerpunkt. Dementsprechendist auch das „Publikum“. Gezogene Katheter, Harnverhalt, Frakturen nach Stürzen / leichteren Autounfällen. Kurz und knapp: Kein Haus mit Maximalversorgung, aber zur Not für Alles und Jeden gerüstet ;-)
Der erste Patient kam mit Notarzt nach der Meldung „bewusstlos“. Situation vor Ort war dann. Pat. hatte sich den Dauerkatheter in geblocktem Zustand gezogen. Dementsprechend sah es dann auch untenrum aus… ich kann es nichtmal beschreiben… außerdem isst vielleicht der ein oder andere während er das hier liest… schnell zum nächsten Thema…
Pat. mit blutigem Erbrechen und Teerstuhl. Eigenanamnese nicht möglich… weiter zur Sonographie und ins Röntgen zum Ausschluss GI-Blutung… Blut lässt sich schwer vom EKG-Gerät wischen…
Dann kam ein junger Mann mit Verdacht auf Appendizitis. Schon beim Anblick seiner Unterarme schoss mir in den Kopf „NADEL LEGEN, DU MUSST DIESE NADEL LEGEN“… dank meiner mehr als coolen Schwester, der ich die Woche über an der Backe klebe, durfte ich natürlich auch und traf dann, was aber keine allzu große Leistung gewesen sein dürfte… aber man muss ja klein anfangen.
Danach traute ich mich dann auch an den 84-Jährigen, dessen Venesituation nur fast so gut war ;-). Gründe Nadel -> Einstich -> drin… Röhrchen fürs Labor angesetzt und gerade am Blut ziehen… dementer Patient zieht die Hand weg und das rote Lebenselixier voll auf meine Hose… gut, dass es da schon 10 Min. vor Feierabend war und ich mit den Worten „gutes Timing“ in den Feierabend entlassen wurde :)
Alles in Allem… echt geil in der Notaufnahme gibt sicher noch gute Stories in den nächsten Tagen…
Add comment Juni 19, 2008
Und dann war da noch…
Am Montag beginnt mein 1-monatiges Klinikpraktikum. Natürlich wird es – so denk ich zumindest jetzt – mindestens jeden 2. Tag ein Update geben. Beginnen werde ich in der Notaufnahme. Neben der NA muss ich noch die „Stationen“ „OP“ und „Intensiv“ durchlaufen. Im OP geht es vor allem darum, dass man einen kleinen Einblick in die klinische Medizin bekommt und – wenn man sich nicht allzu dumm anstellt – ein wenig assistiert, während auf der Intensiv eher pflegerische und montone Maßnahmen (Perfusor herrichte, Medikation vorbereiten) gefragt sind. Alles in Allem würde ich persönlich lieber weiterhin Sanka fahren, aber auf der anderen Seite ist es sicher auch einmal interessant am absoluten Ende der Rettungskette zu stehen.
4 comments Mai 30, 2008
Dumme Zivisau
Wisst ihr was mich (und auch meine Mit-Zivis – Danke an TomTom (Name von der Redaktion geändert), der mich zu diesem Beitrag animiert hat) ankotzt? Es sind die Schoof, die sich in einzelnen Notaufnahmen (besser gesagt: in einer) aufhalten. Sie ist blond, sieht an sich nicht schlecht aus und meint sie ist Dr. med. Wurst. Sie ist mitte 20, vielleicht seit 3-4 Jahren examinierte Krankenpflegerin und geht mir sowas von auf den Sack. Warum das Ganze?
In der Regel läuft es so, dass der Hauptamtliche aufgrund seines größeren Wissens die Anmeldung und Übergabe des Patienten übernimmt. Dazu nimmt er sich in der Regel die Einweisung (die ja, wie ihr wisst, bei Dr. „Ich schreibe einen Hausbesuch und mache eine Telefoneinweisung“ abgeholt wird) und liest dem Schoof dann das absolut Unlesbare unter „Erstbefund“ vor. Diese tippt das dann ins SAP ein und schickt den Dreckszivi – also mich – zum Holen einer Liege. Das geschieht meistens mit den Worten „Hinten steht noch eine“… eigentlich wär das ja gar nicht mein Bier… aber was tut man nicht alles… Ein „Bitte“ fehlt in der Regel in ihrem Wortschatz… O-Ton: „Ihr wollt ja den Patienten loswerden!“ (vorwursvoll!). Soweit so gut…
Ich will mich hier gar nicht groß aufspielen oder sonstwas, aber ICH bin derjenige, der in der Regel hinten beim Patienten sitzt und sich im Schnitt 20 Minuten mit ihm unterhält. Themen: Bisherige Erkrankungen, Beginn der Beschwerden, Bisherige Maßnahmen, Besserung ja/nein, letzter KH-Aufenthalt, usw. DAS wiederum heißt… ICH habe in diesen paar Minuten in der Regel 10mal mehr Informationen in mir aufgesogen, als mein Hauptamtlicher und ICH kann in der Regel eine aussagekräftige Übergabe machen und auf Besonderheiten hinweisen. Was heißt hier kann? … ich könnte.
Ich könnte, wenn das Schoof mich ließe. Ich räume ein… ich bin ein Drecks-RDH, der weder eine genaue Diagnose stellen kann, noch eine Differentialdiagnose bestimmen kann und ich kenne auch nicht sämtliche lateinische Ausdrucksweisen für „Durchfall und Kotzen“, ABER, liebes Schoof, wenn wir einen Patienten mit schlechtem AZ haben, dann bin ich in der Lage DIR an der Aufnahme die Diagnose „Schlechter AZ“ in Worten zu übermitteln. Dazu kann ich dir auch NOCH sagen, dass der Patient seit 3 Tagen fast Nichts getrunken hat, unter chronischer Scheisseritis leidet und beim Wasserlassen noch dazu Schmerzen hat (alles fiktive Angaben, um das eigentliche Problem zu verdeutlichen). Das alles kann dir mein erfahrener Kollege nicht sagen, weil er einfach Auto gefahren ist und sich nicht mit dem Patienten unterhalten konnte…
Und wenn ich das nächste Mal in deine scheiß Aufnahme komme, dann hör mir gefälligst zu und schau mich nicht herabwertend an bevor du deinen Blick auf meinen Kollegen richtest, der gerade durch die Tür schreitet und den Patienten mit der Diagnose vom Zettel „Schlechter AZ“ PUNKT übergibt. Ich mag nur ein Dreckszivi sein, aber bei den meisten Patienten weiß ich halt doch umso Einiges mehr, als was der Doktor auf den Wisch geschrieben hat.
Unterschätzt nie die Dreckszivis…
4 comments Februar 12, 2008


