Da unter dem Beitrag “Wie solls weitergehen?” eine kleine Diskussion über das Ehrenamt in Ganz gekommen ist, möchte ich dieses Thema hier einmal kurz behandeln.
Fakt ist: Viele gesellschaftliche Bereiche wären ohne Ehrenamtliche schlicht und einfach nicht existent. Wo fängt man da an? Man nehme zum Beispiel Fußballtrainer in der Jugend, die in der Regel nur für Spesen arbeiten. Dann haben wir die unzähligen Freiwilligen Feuerwehren, die oft nicht mal die Spesen ersetzt bekommen (wer bekommt für die Anfahrt zum Gerätehaus Kilometergeld?). Und beim Rettungsdienst ist es ähnlich. Am Wochenende und an Feiertagen wird der Rettungsdienst, der nicht von privaten Firmen gestellt wird, durch Ehrenamtliche besetzt. Natürlich arbeiten auch Hauptamtliche am Wochenende, aber eben nur dann, wenn die Qualifikation der Ehrenamtlichen für einen bestimmten Dienst nicht ausreicht. Beispiel: Der RTW muss ja zwingend von mindestens 1 RA und einem 1 RS besetzt werden - wie gesagt ich schreibe nur von unseren Kriterien. Wenn jetzt aber kein Ehrenamtlicher da ist, der die Qualifikation des Assistenten besitzt, muss ein “Profi” - also ein Hauptberuflicher - ran.
Die Ehrenamtlichen bekommen für eine Schicht im Rettungsdienst (i. d. R. am Wochenende 12h) lediglich eine Aufwandsentschädigung, die - einfach gesagt - gerade einmal Sprit für An- und Rückfahrt + Essen + Kaffee + Zigaretten deckt. Wieviel das ist, kann sich jeder selber ausmalen. Wieviel die Organisation durch die Ehrenamtlichen an Gehältern spart, dürfte sich auch jeder selbst vorstellen können. Insofern hat jemand, der sagt, dass das Ehrenamt Arbeitspläte zerstört, recht. Denn gäbe es keinen, der die Sache als Hobby betreibt, müsste ein Hauptamtlicher eingesetzt werden, der für seine 12h Schicht sein normales Gehalt einstreicht.
Das Argument mit dem Zerstören von Arbeitsplätzen zieht aber nur für den Fall, dass das Ehrenamt komplett abgeschafft werden würde. Das heißt, wenn ich nach meinem Zivi z.B. zusammen mit einem befreundeten RA einen RTW besetze, zerstöre ich keinen einzigen Arbeitsplatz, weil es sich so verhalten würde, dass die Schicht einfach von einem anderen “Hobby-Sani” besetzt werden würde, wenn ich mich nicht eintragen würde. Es ist also egal, ob es jetzt 100 oder 150 Ehrenamtliche gibt. Würde man dagegen den Fall betrachten, dass lediglich 5 oder 10 Ehrenamtliche da wären, dann wäre die Argumentation mit dem Zerstören von Arbeitsplätzen wieder hieb- und stichfest, da es diese wenigen Leute kaum schaffen dürften, sämtliche Dienste an 52 Wochenenden und x Feiertagen im Jahr zu besetzen.
Ich kann nur von meiner Arbeitsstelle sprechen, aber wir haben hier alleine um die 450 rein Ehrenamtliche, die für SAN-Dienst und im Rettungsdienst eingesetzt werden, also dürfte einer mehr oder weniger überhaupt keine Rolle spielen.
Doch schauen wir auch noch in eine andere Richtung. Wir haben einen Katastrophenschutz, eine Unterstützungsgruppe Rettungsdienst bzw. Schnelleinsatzgruppen, die in dem Fall zum Einsatz kommen, wenn aufgrund eines Großschadensfalls sämtliche reguläre Autos besetzt sind. Wir haben die Wasserrettung, die KOMPLETT vom obersten Chef bis zum niedrigsten SAN-A-ler ehrenamtlich organisiert ist. Was würde es bringen, eine hauptamtliche Wasserrettung auf die Beine zu stellen für 15-20 Einsätze im Jahr? Das ist wirtschaftlich indiskutabel.
Halten wir fest: Das Ehrenamt ist auch heutzutage noch unersetzlich. Welches Dorf könnte sich eine Berufsfeuerwehr leisten? Welcher Hauptamtliche Rettungsassistent stellt sich freiwillig in ein 4h Theaterstück aus dem Mittelalter? Wer von den hauptamtlichen Rettungsassistenten ist vielleicht noch zusätzlich Koch und kann im Falle eines MANV 300+ Personen versorgen?
Zum Schluss noch ein kleines Gedicht, das den Nagel ziemlich genau auf den Kopf trifft…
Willst Du froh und glücklich leben
lass kein Ehrenamt Dir geben
Willst Du nicht zu früh ins Grab
Lehne jedes Amt gleich ab.
So ein Amt bringt niemals Ehre
Denn der Klatschsucht scharfe Schere
Schneidet boshaft Dir, schnipp-schnapp
Deine Ehre vielfach ab.
Wie viel Mühe, Sorgen, Plagen
Wie viel Ärger musst Du tragen
Gibst viel Geld aus, opferst Zeit
und der Lohn? Undankbarkeit.
Selbst dein Ruf geht Dir verloren
Wirst beschmutzt vor Tür und Toren
Und es macht ihn oberfaul
Jedes ungewasch’ ne Maul.
Ohne Amt lebst Du so freidlich
Und so ruhig und gemütlich
Du sparst Kraft und Geld und Zeit
Wirst geachtet weit und breit.
Drum so rat ich Dir im Treuen
Willst Du Weib und Kind erfreuen
Soll Dein Kopf Dir nicht mehr brummen
Lass das Amt doch and’ ren Dummen.
Wilhelm Busch
(Quelle: ehrenamt.de.vu)
P.S. Ist schon spät, ich lese morgen Korrektur… sorry