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Kompetenzen

Hab gerade so ein bisschen über mein Klinikpraktikum sinniert und mich an eine nette Anästhesistin erinnert. Mitte 30, immer gut drauf und hat mir echt was beigebracht. Ein Satz ist mir besonders im Kopf geblieben: „Ihr vom Rettungsdienst habt eh viel zu wenig Kompetenzen“. Meiner Meinung nach haben gerade Rettungsassistenten zu wenig Handlungsspielraum. Eine entsprechende Fortbildung mit jährlicher Auffrischung könnte meiner Meinung nach z. B. gerade die Kompetenzen in Richtung Analgesie erweitern. Ein Schenkelhalsbruch ist bei starken Schmerzen in unseren Breitengraden immer eine Notarztindikation. Ob das so nötig ist, möchte ich in Frage stellen.

Ein intravenöser Zugang ist darüberhinaus eine Körperverletzung, wenn sie ohne Einverständnis des Patienten erfolgt. Aber selbst mit Einverständnis darf ich als Rettungssanitäter offiziell keinen Zugang legen. Ich bin echt der letzte Mensch, der geil darauf ist, dass ich jedem Patienten 2 großlumige Braunülen in die Venen werfe, aber wenn ich mir schon ein Druidentaxi (NEF) samt Druide (Doc) zur Analgesie (Schmerzbekämpfung) hole, dann kann ich doch in den 10 Minuten, wo ich eh nur dumm in der Gegend rumstehe und den Patienten psychisch betreue, schonmal son grünes Baby legen, damit der Doc dann nur noch aufsetzen und reindrücken muss. Ich habe mich im Nachhinein (nicht dass ich es nicht vorher auch schon gewusst hätte…) oft gefragt, was mir jetzt der RS gebracht hat. Ich habe 4 Wochen Erfahrung in einer Klinik sammeln dürfen, habe Larynxmasken vor der OP eingeführt, mit Hilfe intubieren dürfen und in der Notaufnahme und im OP zumindest 50-60 Zugänge in 2 Wochen gelegt und das alles nur, damit ich es jetzt nicht mehr machen darf… irgendwie hakt es da. Ich darf jetzt genau so viel wie ein San-Helfer, ein Rettungsdiensthelfer, ein Wasserretter oder ein ganz normaler Bürger… ok, ich darf eigenverantwortlich Krankentransporte durchführen…  auch ne tolle Wurst. Natürlich gibt es bestimmt ein paar Vollidioten, die bei jedem Transport eine Nadel legen würden, weil es ja so „geil“ ist, aber nur weil es die gibt, kann man die Kompetenz doch nicht gleich allen absprechen. Wenn bei uns ein Chirurg oder Nephrologe (ja richtig gehört) auf dem NAW oder NEF sitzt ist der doch auch nicht sooo sicher im intubieren wie z. B. ein Anästhesist (auch wenn er seine vorgeschriebene Fortbildung in Notfallmedizin hat). Nichtsdestotrotz darf er es natürlich, weil er es ja mal gemacht hat… irgendwann nach dem Studium als Assistenzarzt ;-)

Natürlich ist es nicht leicht zu sagen, dies und jenes ist den Assistenten oder Sanitätern ab heute offiziell erlaubt. Denn wie so oft ist es wohl auch hier wieder so: Solange nichts passiert ist alle gut.

Jetzt beim Gegenlesen ist mir aufgefallen, dass dem Text irgendwie der rote Faden fehlt, aber vielleicht versteht ihr ja, was ich sagen will :)

12 comments Dezember 15, 2008

lol…

Da hat man frisch seinen RS und was ist? Die 2. Fraktur (die unzähligen Schenkelhälse mal nicht miteingerechnet) in den vergangenen 12 Monaten schneit ins Haus. Auf einem Sandienst am Volksfest werden wir gerufen. Ein junger Mann wäre gestürzt und hätte sich den Arm gebrochen. Nach 4-5 Minuten waren wir dann beim Patienten. Deutlich sichtbare Schwellung im Bereich des Zeigefingers der linken Hand. Bewegungs stark eingeschränkt, Schmerzen werden mit 7-8 auf einer Skala von 1-10 angegeben.

Ich entscheide mich für die Schienung mittels Sam-Splint, obowhls – jetzt im Nachhinein betrachtet – auch ein Dreickestuch getan hätte. Der mittlerweile verständigte KTW entpuppt sich als RTW, übernimmt den Patienten und fährt ihn in die Klinik zum Röntgen.

Add comment September 15, 2008

Jep jep jep…

Hätte ich den Rettungssanitäterabschlusslehrgang besucht, was ich natürlich nicht habe, sonst könnte ich ja nicht darüber berichten, würde ich an dieser Stelle nun verkünden, dass ich ab heute offizieller Rettungssanitäter bin.

Die schriftliche Prüfung konnte ich mit 1,5 abschließen, mündlich kam ich auf eine 2,0 und für mein total verkacktes Fallbeispiel bekam ich eine viel zu gute 2,5. Macht alles in Allem 2,0.

Das Fallbeispiel war ein Z. n. Sturz – näheres nicht bekannt.

Sturz von ca. 2m Höhe, Schmerzen im Bereich der LWS bzw. im Becken. Basismaßnahmen wie Ansprechen und Anfassen wurden natürlich korrekt ausgeführt. Der Patient bettelte in einer Tour um die Gabe eines Schmerzmittels. Ich als (zu diesem Zeitpunkt noch angehender) RS konnte da nur auf den bereits verständigten Notarzt verweisen, der ihm dann etwas geben würde. Nach Erhebung des Blutdruckwertes von 140 (palpatorisch gemessen und sogleich vom prüfenden Doc angekreidet) und dem Puls von 80 ging ich daran meiner Partnerin den Wärmeerhalt zu delegieren. Direkt im Anschluss kümmerten wir uns um die HWS mittels Stifneck. Nächster Fehler… nicht von oben, sondern von unten überstreckt. Natürlich waren meine Griffel dann im Weg… würde draußen nie passieren, aber mein Gott… scheiß Aufregung. Beim Lagern auf die Schaufeltrage hab ich meinem Opfer dann mal klassisch die Kopfhaut eingeklemmt… konnte ich aber nichts dafür, weil ich meine Partnerin darum gebeten hatte den Kopf doch bitte leicht anzuheben, war wohl nix. Als Teamführer einwandfrei dann meine Verantwortung. Gott sei Dank war das Opfer ein Teilnehmer des Kurses, der die Schmerzen ohne Aufschrei ertrug. Später sah man dann auch nichts mehr davon ;-).

Alles in allem eine sehr symphatikuslastige Woche… ich bin froh, dass ich am Ende der Ausbildungen angelangt bin. Natürlich werde ich ab und an nochmal wieder das Buch aufschlagen und mein Wissen auffrischen, aber der starke Druck, dass man es jetzt auf den Punkt wissen muss, ist – Gott sei Dank – weg.

4 comments September 13, 2008

Dienste…

Ok, ich bin wirklich der Chancentod. 12h KTW – 2 Fahrten. Einmal Subilleus (Kurz vorm Darmverschluss) bei Altenheimbewohner. PEG (künstl. Ernährungssonde) war angeblich auch verstopft. Fahrt verlief ohne Probleme.

Danach saßen wir ewig lange in der Wache rum, bis wir uns entschieden dann mal ins große Haus der Maximalversorgung am anderen Ende der Stadt zum Essen zu fahren. Schweineschnitzel (natur) mit Nudeln und Soße. Geschmeckt hat’s und satt gemacht auch. Dann wieder eingerückt und den ganzen Tag nichts mehr getan. Wenigstens blieb dann mehr Zeit für Fahrzeugpflege usw.

Zum Tagesabschluss fuhren wir dann noch eine Einweisung zum Alkoholentzug, die aber – entgegen aller Erwartungen – völlig problemlos mit einer höchst kooperativen Patientin erfolgt. Wenn doch nur alle so einfach handzuhaben wären…

Heute bekam ich noch von einem meiner ehemaligen Kollegen einen Anruf, ob ich ihm morgen eine Schicht übernehmen könnte. Habe ich natürlich gemacht, weil ich sonst eh nur rumsitzen würde. Am Freitag fahre ich dann ebenfalls nochmal, bevor ich mich ab Montag in Richtung RS-Abschlusslehrgang quäle und diesen dann auch hoffentlich erfolgreich bestehe.

3 comments September 1, 2008

Ausführlich – für Aussenstehende

So, jetzt hab ich gerade noch ein Bisschen Zeit und darum schildere ich Euch jetzt noch ausführlich, wie es im OP so zugeht.

Man begibt sich in seiner normalen Krankenhaus-Dienstkleidung in die OP-Umkleide. Dort sucht man sich dann irgendeinen freien Spind und deponiert ALLES da rein. Danach begibt man sich in utnerwäsche in die eigentliche Schleuse. Dort stattet man sich dann mit Mundschutz, Kopfhaube, einer grünen Hose und einem grünen Oberteil aus. Der Mundschutz und die Kopfhaube werden nicht abgenommen, sobald man diese Schleuse verlässt. Eine Ausnahme stellt lediglich der Aufenthaltsraum dar, denn Trinken mit Mundschutz ist schwierig.

Der eigentliche OP ist dann in 3 Teile aufgeteilt. 2 Räume – Die Ein- und die Ausleitung und natürlich der eigentliche OP-Saal. Die Patienten kommen als in Ihrem Bett in die Patientenschleuse und werden dort dann mit einem überdimensionalen, automatischen Rollbrett auf denn entsprechenden OP-Tisch umgelagert (Gyn, chirurgisch usw…). Dieser OP-Tisch ist dann fahrbar. So wie der Pat. nun liegt wird er in die Einleitung geschoben. Dort passiert dann wiederum Folgendes:

- Kurze Begrüßung (Wer bin ich und was mach ich jetzt mit ihm / ihr?)

- Zugang wird gelegt, falls nicht vorhanden (in der Regel wird aber fast immer ein frischer gelegt, weil man dann ausschließen kann, das der bereits vorhandene eventuell „para“ liegt, was dann zu Nekrosen o. Ä. führen könnte)

- EKG wird geklebt (3-Kanal – oben links, oben rechts und auf Höhe der rechten Brustwarze „die grüne Ableitung“… hat den Sinn, dass das Kabel nicht stört, wenn der Bauch desinfiziert wird usw…)

- Pulsoxymetrie wird noch schnell angeklipst

- Blutdruckmanschette wird angelegt und das Messintervall auf 5 Min. eingestellt

Dann ist der Pat. bereit für den eigentlichen Teil der OP. Der Tisch wird in den OP gefahren und dort fixiert. Je nachdem, welcher Eingriff vorgenommen wird, wird dann noch die Höhe des Tisches eingestellt. Das vorher angelegte Monitoring wird – dank austauschbarer Module – einfach aus seiner Einheit genommen und in die baugleiche Einheit im OP eingesteckt. So entfällt das lästige Umstecken.

Danach werden dann noch die Arme fixiert, da die Muskeln ja während der Narkose keinen Tonus haben und die Arme deswegen früher oder später runterfallen würden. Außerdem ist so sichergestellt, dass der Arm gestreckt bleibt und die Infusion einwandfrei reinlaufen kann.

In der Regel kommt zu diesem Zeitpunkt dann der Anästhesist, der dem Anästhesiepfleger anweist, die Narkose einzuleiten. Dies geschieht mittels eines starken Schmerzmittels, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt, eines Schlafmittels und zuletzt eines Muskelrelaxans. Sobald der Patient dann bewusstlos ist, wird er intubiert. Je nach geplanter Länge der OP entweder per Larynxmaske (bietet keinen Aspirationsschutz) oder per normalem Endotrachealtubus. Nachdem der Tubus sitzt fangen dann die OP-Schwestern / Brüder an, die gewünschten Stellen zu desinfizieren und die Bereiche außenrum abzukleben. Parallel dazu wird das sterile OP-Besteck hergerichtet.

Nach der ganzen Vorbereitung kommt dann der jeweilige Facharzt und es kann losgehen.

In der Ausleitung wird der Patient dann – falls nötig – noch grob gesäubert, so dass man ihn guten Gewissens zurück auf die jeweilige Station entlassen kann, wo dann die gründliche Körperpflege durchgeführt wird.

Alles in Allem ein sehr monotones Geschäft, dass aber nicht minder spannend ist, weil man sich als Praktikant frei zwischen den (bei uns 8) OPs bewegen kann und so aus allen Fachrichtungen was zu sehen bekommt.

Gute Nacht. Man liest sich.

1 comment Juni 2, 2008

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