Beiträge getaggtSchoof

Danke

Morgen ist es soweit. Meine Zivildienstzeit ist endgültig rum. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Ich habe zu keinem Zeitpunkt bereut, dass ich den Zivildienst der Zeit beim Bund vorgezogen habe.

Dieser Blog entstand mit der Intention, dass ich mir einfach dachte, dass die Erlebnisse, an denen ich teilhaben durfte, für die Nachwelt festgehalten werden müssten. Ich glaube, dass im Großen und Ganzen, sowohl ich als auch meine Leser - also ihr - mit dem hier Dargebotenen zufrieden waren.

Würden meine Vorgesetzten hier mitlesen, würden sie nun auch erfahren, dass ein großer Dank auch an sie und meine Kollegen ergeht. Ich glaube kaum, dass es noch geilere Zivijobs als die im Rettungsdienst gibt. Natürlich hätte ich mir auch die Eier beim Bettenschieben im Krankenhaus schaukeln können, aber lehrreicher waren die von mir verlebten 9 Monate allemal.

Zwar muss ich zugeben, dass ich aktiv kein Leben gerettet habe (Reanimation o.ä.), aber ich glaube, dass ich zumindest dem Großteil der Patienten einen angenehmen Transport bieten konnte, was ja auch schon zum Wohlbefinden beitragen dürfte.

Desweiteren ergeht natürlich ein großer Dank an fast 30.000 Leser, die in den letzten Monaten einen Blick auf diese Seite geworfen haben. Allein an den ~150-200 Besuchern täglich bemerkte ich, dass mein Geschreibsel hier anscheinend doch amüsiert / interessiert, was mich auch immer wieder zum Weitermachen animierte.

Besonderer Dank ergeht an: den Assistenzarzt (der ja anscheinend eher weiblich ist :D), den Kinderdoc, den Krankewarefahrer, den Rettungsblogger (geb diesen Blog niemals auf!), den zukünftigen Gasmann, meinen Lieblings-Rettungsblogger - den Status6, das Subfornikalorgan, den Fireblogger und zu guter Letzt an all die, die keine eigene Page haben und hier trotzdem immer fleißig am Lesen und Kommentieren waren und an diejenigen, die ich jetzt in meinem jugendlichen Leichtsinn übersehen habe.

Darüberhinaus hoffe ich, dass sich niemand in den hier geschilderten Geschichten wiedererkennt und ich somit die Anonymisierung (fast) perfekt hinbekommen habe.

Und du, Schoof, du bist ja eigentlich gar nicht so schlimm, wenn du mal nicht im Stress bist. Ich habe dir vergeben :D. Aber die greislichen Pfefferminzbonbons könntet ihr endlich mal gänzlich mit den Fruchtbonbons ersetzen.

Vom damaligen Lehrgang ist mir vor allem der eine Satz im Gehörgang geblieben: “Bringt mir keinen Patienten um… der Rest ergibt sich aus der Praxis” … Mission complete.

Bis Bald!

/!\ Hinweis: Der Blog hier läuft natürlich weiter und wird mit meiner Ausbildung zum RS und meinen sonstigen Rumdoktereien weiterhin gefüllt werden.


7 comments April 20, 2008

Dumme Zivisau

Wisst ihr was mich (und auch meine Mit-Zivis - Danke an TomTom (Name von der Redaktion geändert), der mich zu diesem Beitrag animiert hat) ankotzt? Es sind die Schoof, die sich in einzelnen Notaufnahmen (besser gesagt: in einer) aufhalten. Sie ist blond, sieht an sich nicht schlecht aus und meint sie ist Dr. med. Wurst. Sie ist mitte 20, vielleicht seit 3-4 Jahren examinierte Krankenpflegerin und geht mir sowas von auf den Sack. Warum das Ganze?

In der Regel läuft es so, dass der Hauptamtliche aufgrund seines größeren Wissens die Anmeldung und Übergabe des Patienten übernimmt. Dazu nimmt er sich in der Regel die Einweisung (die ja, wie ihr wisst, bei Dr. “Ich schreibe einen Hausbesuch und mache eine Telefoneinweisung” abgeholt wird) und liest dem Schoof dann das absolut Unlesbare unter “Erstbefund” vor. Diese tippt das dann ins SAP ein und schickt den Dreckszivi - also mich - zum Holen einer Liege. Das geschieht meistens mit den Worten “Hinten steht noch eine”… eigentlich wär das ja gar nicht mein Bier… aber was tut man nicht alles… Ein “Bitte” fehlt in der Regel in ihrem Wortschatz… O-Ton: “Ihr wollt ja den Patienten loswerden!” (vorwursvoll!). Soweit so gut…

Ich will mich hier gar nicht groß aufspielen oder sonstwas, aber ICH bin derjenige, der in der Regel hinten beim Patienten sitzt und sich im Schnitt 20 Minuten mit ihm unterhält. Themen: Bisherige Erkrankungen, Beginn der Beschwerden, Bisherige Maßnahmen, Besserung ja/nein, letzter KH-Aufenthalt, usw. DAS wiederum heißt… ICH habe in diesen paar Minuten in der Regel 10mal mehr Informationen in mir aufgesogen, als mein Hauptamtlicher und ICH kann in der Regel eine aussagekräftige Übergabe machen und auf Besonderheiten hinweisen. Was heißt hier kann? … ich könnte.

Ich könnte, wenn das Schoof mich ließe. Ich räume ein… ich bin ein Drecks-RDH, der weder eine genaue Diagnose stellen kann, noch eine Differentialdiagnose bestimmen kann und ich kenne auch nicht sämtliche lateinische Ausdrucksweisen für “Durchfall und Kotzen”, ABER, liebes Schoof, wenn wir einen Patienten mit schlechtem AZ haben, dann bin ich in der Lage DIR an der Aufnahme die Diagnose “Schlechter AZ” in Worten zu übermitteln. Dazu kann ich dir auch NOCH sagen, dass der Patient seit 3 Tagen fast Nichts getrunken hat, unter chronischer Scheisseritis leidet und beim Wasserlassen noch dazu Schmerzen hat (alles fiktive Angaben, um das eigentliche Problem zu verdeutlichen). Das alles kann dir mein erfahrener Kollege nicht sagen, weil er einfach Auto gefahren ist und sich nicht mit dem Patienten unterhalten konnte…

Und wenn ich das nächste Mal in deine scheiß Aufnahme komme, dann hör mir gefälligst zu und schau mich nicht herabwertend an bevor du deinen Blick auf meinen Kollegen richtest, der gerade durch die Tür schreitet und den Patienten mit der Diagnose vom Zettel “Schlechter AZ” PUNKT übergibt. Ich mag nur ein Dreckszivi sein, aber bei den meisten Patienten weiß ich halt doch umso Einiges mehr, als was der Doktor auf den Wisch geschrieben hat.

Unterschätzt nie die Dreckszivis…


3 comments Februar 12, 2008


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