Beiträge getaggtWasserrettung

Ich lebe noch…

Ja, wirklich, ich bin dem MRSA noch nicht zum Opfer gefallen. Zur Zeit befinde ich mich in einigermaßen gutem AZ im ersten Semester meines BWL Studiums. Nach einem 17h Tag am Mittwoch (davon 15h nur im Auftrag der Uni, sprich Vorlesungen + Nach- und Vorbereiten), folgte ein 10h Uni-Tag am Donnerstag, bevor ich meinen (wöchentlich) freien Freitag (der heißt ja nicht umsonst so, oder?) genießen durfte.

Am Samstag dann die Überraschung. Eine Wasserrettung stand mal wieder auf dem Programm. Meldebild war „Person droht von Brücke zu springen“. Zusammen mit DLRG, Berufsfeuerwehr, Polizei und Rettungsdienst wurde auch die Wasserwacht alarmiert. Ziel war eine Brücke im Stadtnorden der Musterstadt. Die Fahrbahn selbst befindet sich nur ca. 15 Meter über der Wasseroberfläche, aber der riesen Aufbau ist noch einmal so hoch. Kurz nach dem Slippen konnte man schon mit bloßem Auge erkennen, dass da jemand oben stehen würde. Gleichzeitig kam die Lage vom Einsatzleiter Wasserrettung, dass wohl ein Abschiedsbrief gefunden worden wäre.

Zusammen mit den Kollegen sicherten wir mit 3 Booten einen ca. 30 Meter großen Bereich und stellten so eine frühstmögliche Rettung im Falle eines Falles sicher.

Der Höhenrettungszug der BF konnte den Mann dann dazu überreden sich von ihnen nach unten begleiten zu lassen, wo er dann in die Hände der Polizei übergeben wurde.

Auch mal schön, wenn man NICHT eingreifen muss, um eine Leiche zu bergen, sondern die ganze Sache „friedlich gelöst werden kann“.

Im November fahre ich 2 KTW-Schichten. Da gibt es sicher die ein oder andere Anekdote für euch.

2 comments November 3, 2008

Schicksale

Jedes Jahr um die Weihnachtszeit die gleiche Leier. Der Wasserwacht-Piepser tönt von 20.12 bis zum 02.01. im Schnitt alle 2 Tage, weil wieder irgendjemand auf einer Brücke steht und droht zu springen. Gerade um die Weihnachtszeit, wenn die vereinsamten Menschen überall das traute Familienglück zu sehen bekommen, kommen sie auf blöde Gedanken. Die Wenigsten trauen sich dann aber, den entscheidenden Sprung zu wagen, weil es eben Kurzschlusshandlungen sind. Die, die wirklich springen, wären genauso am 16.05 gesprungen wie um die Weihnachtszeit, deren Entschluss stand längst fest.

Parallel dazu, stelle ich mir vor, dass die Anzahl der Patienten mit der Diagnose „Zustand nach Intoxikation“ rapide zunehmen wird, sobald der Tannenbaum in den bürgerlichen Wohnzimmern steht. Ich bin gespannt, was der kommende Monat so bringen wird und werde natürlich dann auch berichten, falls es mir erwähnenswert scheint.

1 comment Dezember 1, 2007

Dinge, vor denen ich Angst hätte

Dadurch, dass ich seit Jahren in der Wasserrettung tätig bin, kann mich eine „stinknormale“ Leiche nicht mehr schocken. Denn ich glaube, dass es kaum etwas ekelhafteres gibt als ein toter Mensch, der über eine Woche im Wasser gelegen hat und dem die Haut beim Anfassen abgeht. Soviel zu meiner Ekelschwelle.

Was mir aber hoffentlich nie passieren wird ist, dass ein Patient stirbt, weil ich in dem Moment zu spät / offensichtlich falsch gehandelt habe und es hätte besser wissen müssen (z.B. an Erbrochenem erstickt, weil ich gerade unaufmerksam war). Viele Leute verstehen es auch nicht, wenn ich unter der Woche nicht weggehen will und dabei jedes Mal sage „morgen Arbeit – geht halt einfach nicht“. In dem Moment, wo der Patient auf meiner Trage liegt und ich den Job habe mich hinten zu ihm reinzusetzen, bin ich für das Leben verantwortlich und muss einfach dafür sorgen – soweit es mir möglich ist – dass dieser Patient auch wieder gesund (bzw. in dem Zustand, in dem wir ihn bekommen haben) abgeliefert wird. Ich will mir nicht vorwerfen wollen, dass ich doch lieber nicht eingenickt wäre und der Patient noch leben könnte. Natürlich könnte man sagen „was geht mich dieser Mensch an – ich fahr in meiner Zivizeit -zig Leute in der Gegend umher“ aber ich erhebe auch für mich selbst den Anspruch, dass – wenn ich einen Krankenwagen brauche – dann auch das Personal zu 100% für mich da ist.

Natürlich ist es auch so, dass es mich nicht interessiert, WENN wir das menschenmögliche probiert haben und es doch nicht geklappt hat. Ich breche dann kaum in Tränen aus und mache mir Vorwürfe. Ich kenn die Leute maximal 2-3h (bei Fernfahreten – ansonsten so zwischen 30 und 90 Min.) und seh 90% davon nie wieder. Bei vielen weiß man schon wenn man sie einläd, dass die Station xy in abc eigentlich nur die Palliativ sein kann, aber dennoch ist es MIR wichtig, dass der Patient unter meiner Obhut noch gelebt hat… alles andere geht mich dann nichts mehr an.

4 comments November 10, 2007


Blog Stats

Suchst du?

112 19222 ablauf Altenheim Analgesie Apoplex Bronchospray Danke Desinfektion Fentanyl Feuerwehr FMS Herzinfarkt Hygiene Klinikpraktikum krankenhaus krankentransport Krankenwagen ktw Leitstelle MRSA Nacht Narkose NAW NEF Notarzt Notarzteinsatz Notaufnahme Notfall OP Polizei RA Rettungsdienst RS RTW Silvester sturz technischer Dienst Uri Geller Urlaub Visits Wasserrettung Weihnachten Zivi Zivildienst

Top-Beiträge

Wichtig

Neueste Kommentare

retterleben zu Wochenend-KTW: Reiner Wah…
Stefan zu Wochenend-KTW: Reiner Wah…
Sandy zu Vereinsamen…
Christoph zu Tipps für Zivis
stef zu Tipps für Zivis

Blogroll

Archive

Das interessiert die Leser...

Meta