Tipps für Zivis

Am Anfang war mir im Rettungsdienst so Einiges neu oder unheimlich und es war nicht gerade leicht, sich in die Thematiken reinzufinden. Damit ihr es etwas leichter habt, möchte ich hier eine kleine Seite mit Tipps zusammenstellen.

Hinweis: Wenn ihr spezielle Fragen habt, schreibt diese doch bitte als Kommentar unter diese Seite

Tipps für Neulinge im Rettungsdienst:

1. Der Umgangston:

Da ich ja durch die Wasserrrettung schon ein Bißchen in der ganzen Maschinerie drin war, wunderte es mich persönlich jetzt nicht so viel, wie meine Kollegen, dass der Umgangston in der Rettungswache ziemlich rau ist. Das unterscheidet sich aber - meinen Erfahrungen nach - nicht von organisation zu Organisation, sondern das hat der Rettungsdienst so an sich. Man braucht eine dicke Haut und sollte problemlos auch einmal über sich selbst lachen können, um zu bestehen. Ich möchte damit aber keinesfalls sagen, dass die Leute unfreundlich sind. Sie sind SUPER nett, aber “Depp”, “Volldepp” und “Arschloch” sollten euch rein von der Wortwahl her nicht schocken. Das ist an der Tagesordnung aber NIE so gemeint, wie man vermuten könnte. Nur für den Fall, dass ihr damit nicht rechnen solltet :)

2. Umgang mit Kollegen:

Ein großer Fehler, der mir unterlaufen ist war der, dass ich alle Kollegen für “gleich” angeschaut habe. Was der eine mit einem lauten Lachen quittiert, kann den anderen zum toben bringen. Tastet euch immer vorsichtig an die einzelnen Kollegen ran und testet aus, wie weit ihr gehen könnt. Eine zynische Bemerkung beim einen, kann für den anderen eine große Beleidigung bedeuten. Denkt immer daran: Ihr seid der Dreckszivi, das schwächste Glied der Kette - euch wird angeschafft und wenn ihr Kaffee holen sollt, dann holt verdammt noch einmal Kaffee - es wird euch die restlichen 7 Monate, in denen ihr zum Team gehört, das Leben verdammt leichter machen. (Beispiel: Ausgaben am Kaffeeautomat im 1. Monat: 55€ - heute brauche ich selbst 1-1,50 am Tag (20-30€ / Monat) und den Rest zahlen Kollegen).

3. Arbeitet gewissenhaft:

Nur wer absolut perfekt und pedantisch ist, kann keine Fehler machen bzw. deren Zahl reduzieren. Der Ausdruck “Passt schon” sollte zumindest in den ersten 2 Monaten nicht zu eurem Wortschatz gehören. “Passen” tuts erst, wenn es perfekt ist. Führt eure Checklisten gewissenhaft und hakt nicht einfach ab, fahrt ruckwärts nur mit Einweiser, auch wenn alle anderen das nicht tun. Wenn ihr mit Einweiser anfahrt, dann bekommt ihr nicht annähernd so eine auf den Deckel wie wenn ihr - entgegen der Dienstanweisung - mit dem Auto ohne Einweiser zurücksetzt und die Fahzeughalle fast zum Einsturz bringt.

4. Der sichere Umgang mit Patienten:

Gerade am Anfang quält einen oft die Frage “schläft er jetzt oder isser tot”… jaja, man neigt da schnell dazu, den Teufel an die Wand zu malen. Also, was macht man? Man berührt den Patienten und fragt nach, ob alles in Ordnung ist. Spätestens beim 3. Mal wird der Patient sauer, glaubt mir. Was macht der kluge Rettungssanitäter, der sich nicht ganz sicher ist. also? Er schnappt sich bei jedem Patienten, wo es zu ober beschriebener Situation kommen könnte, das Pulsoxi und klemmt es demjenigen an den Finger. So hat man die ganze Fahrt über die Herzfrequenz (und das ist es ja, was wir wissen wollen) im Blick und können ganz entspannt fahren.

Andere Situation: Ihr steht gerade günstig und werdet zu einem Notfall gerufen. Verkehrsunfall mit 1mal mittel. Ihr kommt hin und euer Rettungsassistent kommt ins rotieren, das heißt er wird hektisch. Er will den Blutzucker, den Blutdruck, eine grüne Nadel samt Stauschlauch und tupfer, eine Sam-Splint, einen Stiff-Neck und dazu noch einen Notarzt, ihr über Funk nachalarmieren sollt… und zwar JETZT. Und jetzt seid ihr am Knackpunkt. 347 Aufgabe - 2 Hände und 2 Füße. Achtet immer darauf, so ruhig wie möglich zu bleiben. Natürlich zittern einem die Hände leicht - alleine schon durch die ausgeschütteten Hormone während der Anfahrt, aber ihr seid auch nur ein Mensch und ihr könnt nicht mehr tun als arbeiten. Fragt euren RettAss, was er zuerst haben will und reicht es ihm entsprechend an. Arbeitet alles schön ruhig nacheinander ab und versucht eure - zumindest äußerliche - Ruhe, auf den Teampartner zu übertragen. In der Regel werdet ihr Glück haben und einen RettAss haben, der ruhig genug ist, um euch zu führen, aber schon öfter habe ich erlebt wie stressig es auf einmal wird, wenn der Doc ins rotieren kommt, weil er nicht mehr weiß, was er zuerst machen soll.

5. Ekel

Was euch klar sein muss, bevor ihr euren Dienst antretet ist, dass ihr ein gewisses Ekelgefühl überwinden können müsst. Am Anfang ist es der Pissbeutel, der seitlich amBett hängt, dann die Windel und on the top dürft ihr dann auch künstliche Darmausgänge sehen. Ja, es ist ekelhaft… aber nur die ersten 2 Wochen. Danach habt ihr ca. 35 Katheterbeutel gesehen, 2 Patiente, die man halbstündlich absaugn muss, weil sie keinen Kehlkopf mehr haben und ca. 10 künstliche Ausgänge. Was mir viel geholfen hat, waren die Handschuhe. Sobald man den Beutel vom Katheter erblickte - Handschuhe ran. Dann ist es auch kein Problem, dass man das Ding anfasst und dem Patienten dann zwischen die Beine legt, wenn er auf der Liege ist. Im Laufe der Zeit werdet ihr dann die Schwelle soweit überwunden haben, dass ihr den Beutel (der ja außen komplett sauber ist) auch ohne Handschuhe anfasst. Ist ja auch kein Problem… nur was ich bis heute mach und was auch definitiv wichtig ist - Hände desinfizieren nach jedem Patienten.

6. Nehmt euren Kollegen Arbeit ab

Je zuvorkommender und arbeitswilliger ihr auftretet, umso mehr Vorteile werdet ihr später genießen. Denn egal, ob ihr euch freiwillig anbietet oder nicht, den Transportschein, den ihr auf der Station 20 im anderen Gebäudetrakt ca. 400 Meter Fußweg entfernt vergessen habt, den holt so oder so IHR und nicht euer hauptamtlicher Kollege. Also: Euch fällt auf, ihr habt den Transportschein vergessen: “Oh, wir haben den Trapo liegen lassen, ich laufe mal schnell zurück”… bester Satz und beste Voraussetzung für ein angenehmes Zivileben in den kommenden Monaten.

Oder: Es ist Freitag und die Grundreinigung der Autos steht an. Du sagst zu deinem Kollegen “Geh ruhig in die Wache und hol dirn Kaffe, ich mach das. Die Allermeisten werden sagen “Na, jetzt waschen wirs schnell gemeinsam runter und dann trink ma an Kaffee”… dann habt ihr auf jeden Fall schonmal bei Sympathie +1 gemacht. Wenn er sagt “Alles klar, Danke” habt ihr den Sympathiepunkt auch, mit dem kleinen Nachteil, dass ihr die Karre alleine waschen müsst, was aber auch keinen Weltuntergang darstellt. In der Regel erwartet euch als Gegenleistung in der Wache dann eine frische Tasse Cappucchino.

7. Blut

Muss man im Rettungsdienst Blut sehen können? Das ist eine zentrale Frage für viele. In der Regel wird man nicht viel Blut sehen. Die meisten Patienten haben interne Krankheiten und man sieht eher Speichel, Urin oder Kot als Blut. Wer jedoch Erstgenanntes sehen kann, wird mit Blut auch keine größeren Schwierigkeiten haben. Der anfängliche Brechreiz ist völlig normal, denkt euch nichts.

8. Zeitplanung

Sicher interessiert es euch, inwiefern man im Rettungsdienst mit geregelten Arbeitszeiten rechnen kann. Ich sag es mal so: Vergesst es. In den wenigsten Fällen kommt man nach 8.5h aus der Wache raus. Eher schaut es so aus, dass man 30 Minuten vor Dienstbeginn und 15+x Minuten nach Dienstende endgültig fertig ist und nach Hause kann. Unter der Woche  verzichte ich mittlerweile auf feste Termine. Das Wochenende kann man natürlich anch wie vor frei verplanen.

Ihr habt weitere, Fragen, die ihr erklärt haben möchtet? Kein Problem - nur wissen muss ich sie -> Kommentare schreiben

15 Comments Add your own

  • 1. zeedl  |  Dezember 7, 2007 at 9:33 Uhr vormittags

    auf deutsch gesagt der rettungsdienst ist eigentlich voll ätzend ? macht dir das ganze überhaupt spaß? hört sich ja irgendwie nicht so prickelnd an^^

  • 2. torschtl  |  Dezember 7, 2007 at 7:34 Uhr nachmittags

    natürlich macht n heiden spaß, sonst hätt ichs mir kaum ausgesucht :)

  • 3. Hymensprenger  |  Januar 22, 2008 at 12:42 Uhr nachmittags

    “der Regel wird man nicht viel Blut sehen.” (aus Punkt 7)

    …und ich dachte immer, GERADE da.
    Man lernt doch nie aus, oder?

  • 4. intubator  |  Januar 23, 2008 at 10:19 Uhr nachmittags

    kommt halt auch drauf an wo du arbeitest…
    in der stadt hast du fast nur interne sachen, also röcheln, husten, schwitzen, keuchen, nicht atmen, zu viel atmen, kaum atmen, sehr selten schreien (eher bei gomers und psychpatienten), stöhnen, jede menge körperflüssigkeiten, aber kein blut (außer der zugang ist scheiße:P)
    am land hast du halt auch mal den gelegentlichen verkehrsunfall. der 23jährige der meinte die beziehung zwischen seinem gti und der netten eiche die ihn immer so anlächelt sollte mal mit 90km/h aufgebessert werden… (wobei man da den rucksack eh zulassen kann:D)

  • 5. torschtl  |  Januar 23, 2008 at 10:48 Uhr nachmittags

    wir haben schon auch VUs aber sehr selten ist man da mit dem KTW vor Ort und zur Zeit fahre ich ja nur KTW, weil ich den RS noch nicht habe…

  • 6. Maria  |  Februar 13, 2008 at 5:29 Uhr nachmittags

    hallo, ich habe am 19.Februar ein Vostellungstermin bei der Bundswehr. Ich möchte gerne in den Sandienst einsteigen.
    Der Umgang mit den Menschen macht mir viel Spaß.
    Auch ist es ein super gefühl wenn man weiß, einem Menschen das Leben gerettet oder erleichtert zu haben. Das sind die Herausforderungen im Leben, die ich brauche.
    Reichen diese Argumente ???
    Klingt vielleicht doof aber ich kann mir absolut kein andren Job vorstellen, wieso kann ich jedoch nicht sagen !!!
    Ich bitte um Antwort und eventuelle Argumente mit den ich punkten kann !
    Wäre super lieb.
    Danke

  • 7. Jascha  |  März 4, 2008 at 2:25 Uhr nachmittags

    Hallo, ich habe schon die Musterung hinter mir ! Allerdings warte ich noch auf meine Anerkennung !

    Ich will gerne im Rettungsdienst arbeiten weil ich später Medizin studieren will. Bringt das was für mein späteren Studium ? Ausserr das ich schon lerne für was die grüne oder die orange “nadel”? ist…

    Und wo kann man denn diesen aktiven Rettungsdienst machen ? Ich war beim RK die wollten mich schon aber nicht im RD sondern nur im Krankentransport oder Haus notruf.

    PS: Ich komme aus Wiesbaden hier haben wir eien ASB, RK, Malteser….

    Antworten kannst du mir hier oder per e-mail.
    Vielen Dank !

  • 8. torschtl  |  März 4, 2008 at 8:03 Uhr nachmittags

    Hi Jascha,
    viele Zivis, die ihren Dienst im RD ableisten kommen gerade durch diese Erfahrungen darauf, dass Medizin eigentlich das Richtige für sie wäre. Warum sollte das dann umgekehrt nicht auch funktionieren?
    Es wird dir insofern was bringen, weil du den Umgang mit Patienten lernst, Basismaßnahmen bei aktuen Notfällen auch einmal in der Praxis anwenden kannst und du einfach mal Einblick in die Materie präklinische Medizin bekommst.

    Im richtigen Rettungsdienst wirst du als Zivi so und so nicht eingesetzt werden. Zwar lassen sie dich anfangs mal auf dem Retter und dem NAW mitfahren, damit man auch mal “was sieht”, aber in den restlichen 8 Monaten ist man auf dem KTW. Und das ist meiner Meinung nach auf gut so. Ich würde auch nicht von einem frischen RDH behandelt wollen würden, wenns mir dreckig geht…

    Bewirb dich einfach bei den einzelnen Organisationen (Vorkenntnisse angeben..und wenns “nur” Interesse an der Materie ist) und warte dann ab, was die so von sich geben.

    Hausnotruf ist imho nix BEsonderes. Da wirste egtl. nur angefordert, um die WOhnung fürn RD aufzusperren… nix Aufregendes. Am KTW bekommste zumindest ab und zu n Notfall ab.

  • 9. preisel  |  März 13, 2008 at 6:18 Uhr nachmittags

    Also bei uns in der Gegend (Bayern, Ländlich) fährt der Zivi (sofern der Führerschein passt) als RDH auch den RTW…

    Weil im bayrischen RD Gesetzt ist (leider) nur festgelegt das geeignet qualifiziertes Personal auf dem Retter fahren muss (sinngemäß)

    und da es noch kein gerichtsurlteil gibt was festlegt was geeignet bedeutet fahren bei uns die Zivis mit einem RA aufm Retter

  • 10. torschtl  |  März 13, 2008 at 10:27 Uhr nachmittags

    bei uns fahren ab und zu auch RDHs zusammen mit RAs den Retter… eben aus dem von dir genannten grund.

  • 11. Peter  |  April 15, 2008 at 8:17 Uhr nachmittags

    Im schönen Saarland sind die meisten RTW zur Zeit noch unter 3,5t von daher sind auch Zivis (je nach persönlicher Eingnung) als 2. Mann aufm RTW unterwegs.

    Wobei das von Wache zu Wache unterschiedlich gehandhabt wir, ebenso wie die Ausbildung. Auf Wache A macht der Zivie RS, auf Wache B nur RH.

    Teilweise werden auch nur manche Zivis zum RS ausgebildet, ja nach Eignung und je nach dem wiviel man braucht als 1. Mann KTW…

  • 12. daniel  |  Mai 17, 2008 at 3:18 Uhr nachmittags

    Auf der Wache wo ich zum Praktikum war werden die Autos extra auf 3,5t abgelastet sodass sie die FSJler und Zivis fahren dürfen. War eigentlich kein Ding mit denen zusammenzuarbeiten… hatte nie den Eindruck als wären sie nicht qualifiziert genug … der RA muss halt routiniert sein dann passt das schon auch mim Zivi sehr gut

  • 13. simon  |  Juli 5, 2008 at 6:04 Uhr nachmittags

    So dann

    Super geile Seite, habe immer wieder mit Freude drauf rumgelesen. Hat mir auch geholfen die Wahl zu treffen in den Rettungsdienst als Zivi zu gehent!
    Der Wunsch war zwar vorher schon da aber man weiß ja nie…

    Leider habe ich nicht alle Einträge gelesen. Mich würde mal interessieren, was empfiehlst du für die freie Zeit auf der Wache?
    Du hattest ja erwähnt, dass unterschiedliche Aufgaben anfallen (Wagen reinigen und überprüfen/auffüllen) aber ich kann mir kaum vorstellen, dass das die ganze Zeit einnimmt.

    Was empfiehlst du? Ein Buch? Ein Laptop? …

    freue mich auf die Antwort!

  • 14. torschtl  |  Juli 5, 2008 at 6:26 Uhr nachmittags

    für die freie zeit…hmm..die haste am ktw unter der woche kaum. ich les dann halt zeitung, rettungsdienstmagazine ab und zu auch mal bilde ich mich in der hauseigenen bibliothek weiter (traumamanagement, physiologie usw) oder shcau einfach in den verdummungskasten auf n24 wie die titanic untergeht… man findet immer was, um sich zu beschäftigen

  • 15. simon  |  Juli 5, 2008 at 6:27 Uhr nachmittags

    super danke!

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